Star Trek - Romane

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THE WONDERFUL WORLD OF STAR TREK NOVELS


David Gerrold, DER GALAKTISCHE MAHLSTORM

(The Galactic Whirlpool) (deutsche Erstausgabe Pabel TERRA-Taschenbuch 346)

Auf der Jagd nach ein paar getarnten klingonischen Kreuzern stößt die Enterprise auf ein riesiges Raumschiff, das mit Unterlichtgeschwindigkeit durchs Universum pflügt. Zu allgemeiner Überraschung entpuppt sich das in beklagenswertem Zustand befindliche Objekt als terranischen Ursprungs - die verlorene "Kometenkolonie", eine Raumstation, die von ihren von der Erde und den dortigen Regierungen angefressenen Bewohnern im 21. Jahrhundert zum Generationenraumschiff umgebaut wurde und das Sonnensystem verließ. Wie sich schon bald herausstellt, haben die Bewohner der Kolonie ihre irdischen Ursprünge ebenso schon längst vergessen wie die Tatsache, sich in einem Raumschiff zu befinden - für sie ist die Kolonie "ihre Welt". Wäre nicht weiter schlimm, wenn die Kolonie nicht auf ein ultimatives galaktisches Problem zutreiben würde - den "Mahlstrom", zwei schwarze Löcher. Noch schlimmer ist, daß die Kolonie "innenpolitisch" gespalten ist - neben den Bewohnern des oberen Teils der Kolonie, die unter der Fuchtel des herrschsüchtigen und uneinsichtigen "Kapitäns" steht, gibt's noch die in den unteren, von der Energie- und Lebensmittelversorgung abgeschnittenen und hoffnungslos dahinvegetierenden Rebellen. Nicht ganz unvermuteterweise können die von Kirk und seiner Crew leichter von der Notlage überzeugt werden, nur der Kapitän des Oberteils hält alles Gefasel von Raumschiffen, schwarzen Löchern und Mahlströmen für verräterisches Gewäsch der Revoluzzer...

"Der galaktische Mahlstrom" zählt zu den "Klassikern" der Star-Trek-Novels - bereits 1980 ursprünglich erschienen (und in Deutschland m.W. stets nur als auf Standardumfang 164 Seiten verhackstückte TERRA-Ausgabe erhältlich) ist der Roman von David Gerrold (der später u.a. auch die Novelization des Next Generation-Pilotfilms "Mission Farpoint" besorgte) ein nicht gänzlich origineller (die Idee des Generationenraumschiffs, dessen Besatzung ihre Ursprünge vergessen hat, ist so alt wie die moderne SF), aber flott geschriebener und unterhaltsamer Abenteuerroman. Die Handlung rollt dynamisch voran (das kann allerdings auch an der von mir exklusiv gelesenen deutschen "Kurzfassung" gelegen haben), vollzieht sich größtenteils logisch und beleuchtet auch einmal mehr die politischen Verhältnisse der Erde des 21. Jahrhunderts (mit den üblichen Widersprüchlichkeiten zu anderen Romanen und in spätere Filmen etablierten "Fakten). Gerrold stellt nicht die bekannte und beliebte Brücken-Crew in den Mittelpunkt, sondern läßt Lt. Kevin Riley, einen in der Originalserie eingeführten Nebencharakter (am prominentesten in Erscheinung getreten in der Episode "Kodos, der Henker") als zentralen Protagonisten agieren. Prinzipiell löblich (auch wenn Figuren wie Chekov, Sulu oder Uhura zu absoluten Randfiguren degradiert werden), würden Gerrold nicht einige faktische Fehler unterlaufen, so läßt er Riley darüber philosphieren, daß er "erdgeboren" sei, was schlicht nicht stimmt (okay, das ist mir auch erst aufgefallen, nachdem Riley in zwei noch zu würdigenden Romanen wichtige Nebenrollen übernimmt und dort ausgiebig auf seine Vergangenheit eingegangen wird). Trotzdem ist das Buch kurzweilig geschrieben, hat einige nette Ideen (z.B. die, daß die Koloniebewohner eine Art Steno-"Englisch" sprechen), bei dem lediglich die etwas gedrängte (und stellenweise alberne) Auflösung mißfällt. Als "erfreulichen" Punkt für Nicht-Trekker kann man anführen, daß das Buch praktisch keinerlei Vorkenntnis in Sachen Star Trek erfordert und sich auch von absoluten Novizen im ST-Universum als leicht verdaulicher SF-Roman altmodischen Zuschnitts goutiert werden kann.

7 BIER


Simon Hawke, THE PATRIAN TRANSGRESSION

(Star Trek-TB Nr. 69, Pocket Books)

Die Welt Patria I, die den Beitritt zur Föderation erwägt, bittet eben jene um Hilfe - Terroristen verüben mit klingonischen Disruptoren blutige Anschläge. Am liebsten wäre den Patrianern, die Förderation würde die einheimischen Ordnungskräfte mit Phasern ausrüsten, aber das verbietet die Prime Directive, solange die Herkunft der Disruptoren ungeklärt ist. Als Schlupfloch-Lösung sollen Kirk, Spock und McCoy den Patrianern bei den Ermittlungen assistieren. Schnell finden sich die Freunde in einem mittelschweren Bürgerkrieg wieder. Die Tatsache, daß die Patrianer eine Geheimpolizei aufgebaut haben, die aus Telepathen besteht und die das Recht haben, beim bloßen Gedanken an ein Verbrechen die Todesstrafe sofort zu vollstrecken, erleichtert das Vertrauensverhältnis nicht. Während McCoy eine unerwartete Affäre mit der Assistentin des Föderations-Diplomaten beginnt, wird Spock von den Rebellen entführt - doch die wollen nur mit Kirk Kontakt aufnehmen. Die Rebellen versichern, nicht über Disruptoren zu verfügen. Die Enterprise-Crew kommt einer großangelegten innenpolitischen Intrige auf die Spur...

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten mausert sich Simon Hawkes Star-Trek-Roman zu einem echten Pageturner - der Roman verfügt über eine spannende Story, die sich in eine gänzlich andere Richtung orientiert als man es zunächst vermuten würde (leider verrät der Klappentext a- ein wenig zu viel, um trotzdem b- etwas neben der Sache zu liegen. Wenn man will, kriegt man das hin...). Es gibt einige großflächige Action-Szenen - inklusive Weltraum-Battle-Action, die sich auch in einer Verfilmung gut machen würden, die ein oder andere großartige humorigere Einlage und, vor allem, die Charaktere entsprechen dem, was sich der geneigte Trekker vorstellt. Kirk gibt den draufgängerischen Diplomatenfresser, Spock ist logisch bis zum Steinerweichen, dafür allerdings darf McCoy eine seiner wenigen Liebschaften eingehen (was relativ elegant und angenehm erfolgt) und auch die zentralen Patrianer-Charaktere sind raffiniert und vielschichtig ausgearbeitet - mit einem simplen Gut-Böse-Schema wird hier nicht vorgegangen. Insgesamt ist das Buch sehr flott lesbar (auch auf Englisch), läßt außer dem ein bissl zähflüssigen Auftakt nie Langeweile aufkommen und zählt zu den angenehmeren Erscheinungen in der "regulären" Star-Trek-Romanserie (sprich der "durchnummerierten"). Empfehlung des Hauses!

8 BIER

J.M. Dillard, DIE VERLORENEN JAHRE

(The Lost Years) (deutsche Erstausgabe Heyne TB 4869)

Die Enterprise ist von ihrer Fünf-Jahres-Mission zur Erde zurückgekehrt und die Crewmitglieder gehen ihrer Wege. Kirk wird gegen seinen Willen (und mit allerlei Tricks von Großadmiral Nogura und begünstigt durch Amors Pfeil, der Kirk auf die Föderations-Diplomatin Lori Ciana anspringen läßt) zum Admiral und "diplomatischen Troubleshooter" befördert. Spock zieht sich auf den Vulkan zurück, um sich den Studien des kolinahr zu widmen und seine emotionale Seite endgültig auszumerzen, und McCoy, der (schon wieder? Alter Schwerenöter) eine neue Flamme namens Dwen aufgetan hat, sucht ebenfalls auf Vulkan Erholung und Entspannung. Nur kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Vulkanier nicht gefällt. Ein Renegat namens Sekar entwendet die Katra des antiken vulkanischen "Gedankenlords" Zakal, um mit dessen Hilfe Suraks Lehren zu stürzen. Der Zufall will es so, daß Sekar und Zakal (in Sekars Körper) zur Flucht McCoys Warp-Shuttle, samt dem friedlich darin pennenden Arzt, entwenden. Spock, der sich persönlich verantwortlich für den Vorfall führt, nimmt mit einer vulkanischen Hohepriesterin und Dwen, die gegen vulkanische Bewußtseinsverschmelzungen etc. immun ist, nehmen die Verfolgung auf. Währenddessen wird Sarek und die zufällig anwesende Uhura von Djanai entführt, die mit den Romulanern im Bunde stehen. Und gerade mit den Djanai und deren Intimfeinden, den Inari, soll Kirk in seiner ersten diplomatischen Mission einen Friedensvertrag arrangieren.

Irrationalerweise von Heyne in der Sub-Serie "Die Anfänge" herausgegeben, bildet "The Lost Years" den Auftakt zur seinerzeit von den Fans heiß antizipierten Chronik der Jahre zwischen dem Ende der TV-Serie und dem ersten Kinofilm. Grundsätzlich ist J.M. Dillard ganz gut gelungen, verschiedene Handlungsstränge mit verschiedenen handelnden Personen zu einem schlüssigen Ganzen zu verbinden - allerdings ist der Roman stellenweise zu langatmig und kommt erst nach ca. der Hälfte seiner stolzen 400 Seiten so richtig in die Gänge. Das macht das Buch für diejenigen Leser, die einfach kurzweilige Unterhaltung suchen, vielleicht etwas ermüdend, für den Trek-Geek allerdings eröffnet sich eine wahre Fundgrube - ein Kirk, der von der grauen Eminenz Starfleets Nogura mühelos in genau den Job manipuliert wird, den der frischgebackene Admiral ganz bestimmt nicht haben will, ein Spock, der von eben dieser Entscheidung menschlich, eh, vulkanisch enttäuscht wird und gerade DESWEGEN Starfleet Starfleet sein läßt und sich lieber der vulkanischen Mentaldisziplinierung unterwirft, McCoy, der einmal mehr eine (tragisch endende) Liebesbeziehung durchläuft - Fans freuen sich auch über recht große Rollen von Uhura, Sarek und dem bereits weiter oben angesprochenen Kevin Riley. Allerdings ist allein die Grundpräposition des Buchs ein ziemlicher Lapsus - der Film spielt ja deutlich vor Star Trek III, wo aber allen Beteiligten die Gesichtszüge entgleisen, als Sarek ihnen von Spocks "katra" erzählt - scheinbar haben Kirk und seine Gesellen ein ziemliches Kurzzeitgedächtnis, wenn sie das zwischen "The Lost Years" und "The Search for Spock" vergessen haben. Gerade McCoy, der in beiden Events Erste-Reihe-Mitte-Plätze einnimmt, sollte sich sowas doch merken können (es sei denn, er hat sich seine grauen Zellen vor Star Trek III mit Bourbon weggesoffen). Und da "The Lost Years" erst 1989 geschrieben wurde, muß man den Rüffel hier eindeutig an J.M. Dillard erteilen. Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß The Lost Years trotz dieses Goofs ein Roman eher für Hardcore-Trekker als für Neulinge und Gelegenheits-Reinleser ist - ohne "emotionalen" Bezug zu Kirk & Co. dürfte einem die Handlung zu wischi-waschi, zu wenig spannend und zu langatmig sein. Zu echten Star-Trek-Epen wie Diane Duanes Schlüsselromanen über Vulkan und Romulus fehlen Welten.

6 BIER


L.A. Graf, TRAITOR WINDS

Star Trek-TB Nr. 70, Pocket Books

Buch Nummer 3 der Lost-Years-Saga, chronologisch aber das zweite. Ein Jahr ist vergangen, seit Kirk die Enterprise halbwegs heil zur Erde zurückgebracht hat. Er selbst gammelt unmotiviert in seinem Bürokratenjob herum, Uhura hält Vorträge an der Akademie, Sulu betätigt sich als Testpilot für ein neues Shuttle, in das man den romulanischen Tarnmechanismus eingebaut hat, und Chekov läßt sich von seinen Mitschülern auf der Security-Akademie auf der Nase herumtanzen. Als die Pläne für das cloaking device verschwinden, wird Sulu als Hauptverdächtiger von der StarFleet-Security festgenommen. Wenig später geschieht ein Mord - Dr. Mark Piper, der frühere Chefarzt der Enterprise, der die Wirkungsweise klingonischer Disruptoren untersucht, wird getötet und Pavel Chekov ist als Hauptverdächtiger auf der Flucht! Kirk, von der Unschuld seiner früheren Untergebenen überzeugt, vermutet, daß eine Verschwörung es darauf anlegt, ihn selbst zu diskreditieren und macht sich gemeinsam mit Sarek auf, um die vermeintlichen Abnehmer des Tarnmechnismus und der Disruptoren aufzustöbern. Währenddessen liegt es an Uhura, Sulu und Chekov zu finden und vor dem Zugriff der in die Verschwörung involvierten StarFleet-Security zu bewahren, ein Unterfangen, das sich als lebensgefährlich herausstellt...

L.A. Graf ist unter den Star-Trek-Autoren insofern spezialisiert, als er/sie (tut mir leid, ich weiß es nicht) nicht die allseits bekannten Figuren Kirk, Spock und Pille in den Mittelpunkt stellt, sondern das von anderen Autoren (und auch den Filmen) weit weniger gewürdigte "kleine" Triumvirat Uhura, Chekov und Sulu (immerhin etablieren auch die späteren Filme durchaus, daß es gerade zwischen diesen Figuren eine tiefgehende Freundschaft gibt). In "Traitor Winds" geht's fast vollständig ohne Beteiligung der "großen" Drei ab - Spock ist auf Vulkan, McCoy übernimmt eine bescheidene (aber umso "feurigere") Nebenrolle und Kirk findet nur in relativ kurzen Zwischenspielen statt. Den Löwenanteil der Handlung übernehmen die "kleinen" Charaktere und fahren dabei ziemlich gut. Grafs Charakterisierung ist gut getroffen - besonders Chekovs latenter Minderwertigkeitskomplex als jüngstes Brückencrewmitglied gefällt. Die Story ist gut konstruiert (wobei auch freut, daß Graf Zeit gefunden hat, noch "unbedeutendere" Charaktere wie Rand und Chapel einzubauen), leidet aber unter dem insgesamt eher hektischen Schreibstil des Autors - Graf arbeitet viel mit dem, was ich den "TV-Serien-Stil" nenne - vor einer dramatischen Entwicklung einer Szene wird der Schauplatz gewechselt (grad so, als würde im Fernsehen die Schwarzblende zur Werbung kommen). Das ist manchmal etwas nervig und gelegentlich übertreibt Graf auch mit inneren Monologen, die besonders Chekovs eigentlich hochdramatische Flucht fast etwas zu langatmig erscheinen lassen. Die interessante Grundidee und der insgesamt recht aktionsreiche Ablauf der Story hieven das Buch aber dennoch ins obere Mittelfeld der Trek-Romane, wobei auch hier insgesamt Trek-Geezer mehr von der Sache haben dürften als Einsteiger ins Thema.


Brad Ferguson, A FLAG FULL OF STARS

Star Trek-TB Nr. 54, Pocket Books

Das zweite Buch der Lost-Years-Saga, chronologisch aber nach "Traitor Winds" angesiedelt. Achtzehn Monate nach der Rückkehr der Enterprise ist deren Überholung fast abgeschlossen - Captain Will Decker soll auf persönliche Empfehlung Kirks, der sich mit seinem Admiralitätsposten resigniert arrangiert hat, auch wenn seine Ehe mit Lori Ciana schon in die Brüche geht, das Kommando übernehmen. Nogura verdonnert Kirk zu einer neuen "Strafaufgabe", er soll die Öffentlichkeitsarbeit Starfleets (die Raumflotte hat in letzter Zeit schlechte Presse bekommen) aufmöbeln. Dafür bietet sich das Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit an (!) - zu diesem Anlaß soll die Enterprise, das originale erste Space Shuttle, mit modernster Impulstechnologie ausgestattet, eine Raumschiffparade anführen. Gleichzeitig macht ein klingonischer Wissenschaftler, G'Dath, der sich auf der Erde als Schullehrer verdingt, eine beeindruckende technische Entwicklung, ein grandioses neues Antriebssystem, gegen den sich der Warp-Antrieb wie ein stotternder Diesel ausnimmt. Klingonische Geheimagenten, die ihn überwachen, wittern ihre Chance auf ehrenvolle Rückkehr in die Heimat und kidnappen ihn, einige seiner Schüler und Kevin Riley, dessen Schludrigkeit überhaupt erst die Entführung möglich gemacht hat. Während Kirk sich mit dem alten Space Shuttle an die Fersen der Klingonen hängt, läßt Decker die "neue" Enterprise ins Geschehen eingreifen.

In einem Wort: BLECH! Brad Fergusons Versuch eines Star-Trek-Romans ist so ziemlich die gröbste Mißhandlung eines Mythos, die man sich vorstellen kann. In diesem Buch stimmt fast nichts... Die Story ist schon mal ziemlich hanebüchen (wer zum Geier, außer ein paar flaggewedelnden Amis, könnte auf die Idee kommen, die Föderation und Starfleet täten sich um die Unabhängigkeit eines längst verblichenen Nationalstaats scheren?), killt sich selbst durch die Einführung eines ganzen Haufens annoying kid characters (natürlich hauptsächlich deswegen, um die moralinsaure Geschichte für Gehirnamputierte verfolgbar zu machen... der wichtigste Kinder-Akteur ist ein latenter Klingonenfresser und muß durch die Geschichte lernen, daß es auch "liebe" Klingonen gibt), kommt daher mit einer völlig unglaubhaften Charakterisierung Kirks (selbst prä-"Klingon sons, you killed my bastard"-Kirk traue ich nicht zu, sooo edelmütig und vorurteilsfrei an einen Klingonen heranzugehen, wie er hier dargestellt wird), garniert das mit einem oberweinerlichen Kevin Riley und einem so makellosen Klingonen-Pazifisten, das einem fast schlecht werden kann. Als ob das alles nicht schon beleidigend genug wäre, spult Ferguson seinen Roman auch noch derart spannungsarm und langweilig herunter, daß sich das Telefonbuch als unterhaltsame Alternative für einen Leseabend förmlich aufdrängt. Sicher ist das alles fürchterlich gut gemeint, aber die verquaste Kombination von "laßt-uns-alle-liebhaben"-Knuddel-Antirassismus und US-Hurrapatriotismus der ekligsten Sorte läßt diesen Roman absolut ungenießbar werden. Das schöne daran: sowohl Trekker als auch Nur-SF-Freunde werden diesen Roman gleichermaßen als das qualifizieren, was er ist: Gülle.

1 BIER


Gene Roddenberry, STAR TREK - DER FILM

(deutsche Erstauflage, Moewig-PLAYBOY-Taschenbuch)

Die Story dürfte hinlänglich bekannt sein - als eine unidentifizierbare Wolke gigantischen Ausmaßes erst ein paar Klingonen-Kreuzer abfrühstückt, eine Föderations-Raumstation tiltet und zudem direktemang auf die Erde zurast, ist die gerade fertiggestellte Enterprise das einzige Schiff in Abfangreichweite. Kirk gelingt es, durch eine kleine Erpressung das Kommando über das Schiff, mit dem er sich dank der zahlreichen technischen Überarbeitungen gar nicht mehr auskennt, zu ergattern und Will Decker, den designierten Captain, kräftig ans Knie zu pinkeln. Durch einen Transporterunfall werden Kirks Ex Lori und der Vulkanier Sonak aus dem Leben gerissen, verstärkt wird die Crew durch die deltanische Navigatorin Ilia und den durch die von der Wolke ausgesandten Logikmuster neugierig gemachten Spock. Die Woke schlupft die Enterprise auf, klaut Ilia und schickt eine Sonde in deren Körperform zurück. Die Sonde stellt dumme Fragen nach dem Schöpfer und soll von Ilias einstigem Geliebten Decker bei Laune gehalten werden, damit Kirk überhaupt erst mal rausfinden kann, wer oder was sich hinter "V'Ger", wie sich das geheimnisvolle Etwas nennt, verbirgt. Die Antwort ist - sofern man den Film nicht gesehen hat - überraschend.

Meister Roddenberry selbst klemmte sich hinter die Novelization des ersten, vielgescholtenen Star-Trek-Kinoabenteuers und eins muß man ihm lassen - das Buch selbst ist um Klassen besser als der Film, was aber kein großes Kunststück ist. Roddenberry, der dem Roman geschickt ein selbstironisches Vorwort voranschickt (von James T. Kirk persönlich) eliminiert nämlich naturbedingt die "oooh-aaah"-Effektaufnahmen des Films, die jeglichen inhaltlich narrative und inszenatorischen drive (trotz der technischen Perfektion) mühelos vernichteten (Spötter nennen den Film ja auch "The Motionless Picture") und füllt statt dessen einige, im Normalschnitt des Films deutlich erkennbare inhaltliche Lücken - die "Vorgeschichte" ist im Buch wesentlich griffiger (so macht der Transporterunfall im Film kaum Sinn, weil niemand wirklich weiß, wer Sonak und Lori Ciana sind - das Buch nimmt sich die Zeit, die Charaktere einzuführen und läßt den "Schock" erheblich stärker wirken, zumal der Roman logischerweise auch etwas "graphischer" an die Sache herangehen kann). Natürlich ist die Story selbst auch im Buch nicht wirklich der Rede wert - als Vehikel für den ersten Kinofilm war die Plotte schon ein wenig sehr dünn (und erinnerte auch sehr an die klassische "Nomad"-Folge der Serie) und das kann auch der Roman nur bedingt kaschieren. Dennoch macht das Buch insgesamt mehr Spaß als der Film, der Roman ist einfach flotter, da die "Leerstellen" des Films gnadenlos gekürzt wurden, Roddenberrys Schreibstil (so er's denn selbst war, vielleicht war's ja auch ein Ghostwriter) ist angenehm flüssig, ein wenig nervig sind nur ein paar Übersetzungsfehler in der deutschen Erstausgabe, die darauf schließen lassen, daß der Herr Dolmetscher kein Trek-Fan war/ist. Dennoch hat die Moewig-TB-Ausgabe einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: die Blicke, die man sich zuzieht, wenn man in der U-Bahn ein Buch rausholt, auf dem in fünf Zentimeter großen Buchstaben PLAYBOY prangt, sind unbezahlbar (wen's denn interessiert - unter dem PLAYBOY-Banner leistete sich Moewig in den guten alten Zeiten eine durchaus interessante SF-Reihe mit klassischem Stoff der großen Autoren Leinster, Cordwainer Smith, Asimov etc.).

6 BIER


L.A. Graf, FIRESTORM

Star-Trek-TB Nr. 68, Pocket Books

Unmittelbar nach dem ersten Film spielt dieses Buch - die Enterprise soll ein Team von Geologen unterstützen, die auf dem Planeten Rakatan einen gigantischen Vulkan untersuchen. Die Unterstützung ist von nöten, weil Elasianer unter Führung einer besonders naseweisen Dohlman den Planeten und angeblich vorhandene Dilithium-Vorräte für sich reklamieren. Das kommt Kirk spanisch vor, denn die Elasianer sollten überhaupt nicht über Warp-Technologie verfügen - ihr Raumschiff entpuppt sich auch als Gebrauchtkübel aus klingonischer Fertigung. Da die kecke Dohlman nicht mit minderwertigen Männern zu reden beabsichtigt, gibt Kirk Uhura als seine Dohlman (sprich Scheffin) aus. Mit Chekov und Sulu beamt Uhura auf den Planeten, um mit dem Teenage-Mädel Tacheles zu reden. Doch die Ereignisse überschlagen sich - unglückliche Umstände lassen Sulu "Opfer" der Tränen der Dohlman und damit zu ihrem loyalen Gefolgsmann werden (TOS-Kenner wissen Bescheid), eine elasianische Raumflotte unter Führung der "Kronregentin" taucht auf und Rakatan Mons bricht aus. Während Kirk versucht, irgendwie zu verhindern, daß die Elasianer das Kriegsbeil ausgraben und zu seinen "Bodentruppen" durchzukommen, kämpfen Chekov, Sulu, Uhura und die von Verrat geplagte Dohlman ums Überleben...

Wieder einmal stellt L.A. Graf seine Lieblingscharaktere in den Hintergrund, diesmal vor einer Rahmenhandlung, die die klassische Episode "Elaan von Troyus", eine der beliebteren TOS-Folgen, in denen Kirk aufgrund der Tränen einer Dohlman (die aufgrund einer gewissen biochemischen Eigenart auf Männer die Wirkung haben, sie zum willigen Schoßhund der Tränenspenderin werden zu lassen), eh, beeinträchtigt wurde. Wie schon in "Traitor Winds" erweist sich Graf als durchaus fähig, die Story recht rasant voranzutreiben, sowohl dramatische als auch komödiantische Elemente einzuschieben und seine speziellen Freunde unter den Figuren trefflich zu charakterisieren (wobei, wie schon in "Traitor Winds" Chekov die zweifelhafte Ehre des allgemeinen Punching Balls zukommt). Leider bedient sich Graf auch hier der schon weiter oben bemängelten Schreibweise,vor klimaktischen Ereignissen grundsätzlich den Schauplatz zu wechseln, was auch hier gelegentlich nervt, und auch hier übertreibt es Graf mit (vor allem Chekovs) inneren Monologen. Da sich der Autor aber hier besonders erfreulich gelungen mit Uhura beschäftigt, der trockene Humor (der absurden Situation entsprechend) noch häufiger durchschimmert und das Buch mit einer wohlmeinenden Referenz an den St.Helens-Ausbruch daherkommt, kann "Firestorm" letztlich durchaus überzeugen. Es ist kein großer Wurf, aber recht unterhaltsam. 7 BIER

Rebecca Neason, GUISES OF THE MIND

Star-Trek-TNG-TB Nr. 27, Pocket Books

Die monarchistisch regierte Welt Capulon IV soll der Föderation beitreten. König Joakal, der demnächst gemäß den alten Regeln des Königreichs zum "Absoluten" gekrönt werden soll, gilt als fortschrittlich und freidenkend und will auch viele der alten, fundamentalistischen Gesetze abschaffen und erhofft sich hierfür die Mithilfe der Föderation und des Franziskaner-Nonnen-Ordens "Kleine Mütter". Als die Enterprise eintrifft, scheint sich die Lage allerdings geändert zu haben. Joakal ist bei weitem nicht mehr so föderationsfreundlich und kann sich sichtlich nicht mehr an seine Nonnen-Anforderung erinnern. Das hat seine guten Gründe, denn der König ist nicht er selbst, sondern sein böser Zwillingsbruder Beoharam (der von Rechts wegen als zweiter Zwilling tot sein müßte - auf Capulon herrschen diesbezüglich rauhe Sitten), der mit Hilfe eines von den alten Gesetzen geplagten Hofschrats den wahren König hat einkerkern lassen. Ehe sie sich's versehen, finden sich auch Picard, Troi und Mutter Veronica, eine Telepathin, die unter ihren Fähigkeiten leidet, eingeknastelt wieder. Mit Hilfe von Joakals Braut gelingt ihnen die Flucht und die Aufdeckung des Kompotts, eh, Komplotts, doch noch muß den alten Riten entsprechend ermittelt werden, wer denn nun der echte Kini is...

Eh, I must correct myself: Gegen "Guises of the Mind"ist "A Flag Full of Stars" ein brillant geschriebenes Weltraumabenteuer erster Kajüte. Wer immer Rebecca Neason erlaubt hat, ihre obskuren religiösen Überzeugungen in Form eines Star-Trek-Romans unters Volk bringen zu dürfen, gehört auf einen Scheiterhaufen. Mindestens zwei Drittel des Buchs werden mit theologischem und religösem Dummfug der gröbsten Kelle totgeschlagen (so darf sich Data "auf die Suche nach Gott" begeben. Braucht doch bloß Star Trek V anzusehen, der Trottel), und was dazwischen noch an Handlung übrigbleibt, wird mit übelster klischeebeladener Fantasy zugekleistert, die eigentlich nur dem Hirn eines vierzehnjährigen Mädels, das von wunderschönen Prinzessinnen, edlen Prinzen und Elfenbeintürmen träumt, entsprungen sein können. Mit Star Trek hat das ganze jedenfalls nichts zu tun, weswegen konsequenterweise auch die TNG-Belegschaft zu sinnfrei in der Handlung umherstolpernden Rand- und Witzfiguren degradiert. Picard verkommt ebenso zum Pausenclown wie die zwar prominent hervorgehobene, aber eine eine ultrapeinliche Klischeerolle gedrängte Deanna Troi (gut, der Charakter ist eh schon für die Füße, aber die Behandlung hier hat nicht mal Troi verdient. Da ist sie schon mal "Hauptfigur" und muß absolut stupide Dialoge von sich geben, fußnägelaufrollende innere Monologe halten... yech). Rebecca Neason sollte ihre schriftstellerischen Versuche (und bei Versuch bleibt's aufgrund eines grausigen Prosastils, der sich zäh wie Kaugummi über die Seiten windet) lieber in einer Bibelgruppe ihres Vertaruens ausleben oder gleich den nächsten Teil von Megiddo scripten. Das ist kein Star Trek, das ist nur Dreck. Direct-to-Mülltonne.

0 BIER

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