Tanz der Teufel

Aus Badmovies.de

Wechseln zu: Navigation, Suche
THE EVIL DEAD


Inhaltsverzeichnis

Credits

Stab:

Regie: Sam Raimi
Buch: Sam Raimi
Kamera: Tim Philo
Spezialeffekte: Tom Sullivan
Schnitt: Edna Ruth Paul, Joel Coen
Musik: Joseph LoDuca
Produktion: Bruce Campbell, Sam Raimi, Robert G. Tapert, Gary Holt für Renaissance Pictures

Vorwort

Hm. Okay, mit diesem Bestandteil meines kleinen persönlichen Zombie-Festivals werde ich mir vermutlich nicht viele Freunde machen.

Nicht unbedingt deswegen, weil THE EVIL DEAD möglicherweise technisch kein wirklicher Zombie-Film ist, aber who cares - die italienischen Hacks haben die dussligsten Ausreden erfunden, um lebende Tote ans Licht zu holen, also werd´ ich mit Sicherheit keine Haare spalten (und immerhin: ein per Definition echter Zombie ist auch hier enthalten, so shut up :-)). Und schliesslich hat auch unsere ehrbare Gerichtsbarkeit in ihrem Grundsatzurteil hinsichtlich der Aufhebung der Beschlagnahme ausgeführt, die diversen Grausamkeiten in THE EVIL DEAD würden an Zombies und nicht an Menschen durchgeführt (weswegen das Gericht auch das Verbot schlussendlich aufhob) und wer bin ich, unseren höchstricherlichen Besserwissern zu widersprechen? Also, ich betrachte THE EVIL DEAD hiermit als Zombie-Film und damit als für den Rahmen des Zombie-Specials ausreichend qualifiziert.

Aber warum werde ich mit dann keine Freunde machen? Immerhin ist THE EVIL DEAD einer der Klassiker des modernen Horror-(sprich: Splatter-)Films, katapultierte Sam Raimi aus dem Oblivion eines ambitionierten Amateurfilmers in die Riege der anerkannten Hollywood-People (wobei seine Regiearbeiten ihm bislang [finanziell] weniger eingebracht haben als seine diversen TV-Produktionen HERCULES, XENA etc... aber jetzt kommt ja bald SPIDERMAN), was mehr noch für seine Busenkumpel, die auch an unserem heutigen Film beteiligten Coen-Brüder zutrifft, machte eine Kult-Ikone aus Bruce Campbell und ist gerade in Deutschland, wie erwähnt, schon allein aufgrund der fast jahrzehntelangen juristischen Auseinandersetzungen um Indizierung, Beschlagnahme, Aufführungsverbot die Speerspitze jeglicher Lager im guten alten Zensurstreit. Dies alles sei dem Streifen unbenommen, aber Mr. Unbestechlich Merkwürden lässt sich von derartigen Dingen natürlich nicht beeinflussen und geht wieder an mal mit der "Tun-wir-so-als-sähen-wir-den-Film-zum-ersten-Mal"-Attitude an den Start.

Inhalt

Fünf Freunde, Ash, Scotty, Ash´s Sister Cheryl, sein Gspusi Linda und Scotty´s Girlfriend Shelly, sind auf dem Weg zu einer alten verlassenen (und daher billig zu mietenden) Blockhütte, um sich dort nicht näher spezifiziertem Treiben hinzugeben (da es sich um zwei Jungs und drei Mädels handelt, können wir unsere Fantasie aber spielen lassen). Das Böse an sich ist von Anfang an präsent (in Form von rasanten POV-Kamerafahrten) und sorgt gleich mal dafür, dass an kitzliger Stelle das Steuer ihres Wagens versagt und es zu einem Beinahe-Crash mit einem Pick-up-Truck kommt (und schon mein erstes Problem, ich setze den Inhalt als ziemlich bekannt voraus - der Film geht doch eigentlich davon aus, dass Ash und seine Compadres das Böse durch Abspielen des Tonbands freisetzen, aber andererseits ist es von Beginn an da und greift heftigst ins Geschehen ein... wie denn nu?)

Um die Hütte zu erreichen, muss eine baufällige Brücke befahren werden, dann macht das Fahrzeug lächerliche Reifenquietsch-Geräusche auf einem Schotterweg, und schliesslich kommt die Rasselbande an. Mysterious things happen nahezu in an instant - ein komisches Holzteil, das ständig an die Wand der Hütte schlägt, hört mit seiner Aktivität sofort auf, als Scotty mit den Hüttenschlüsseln herumfummelt. Das Innere der Hütte ist nebliger als ein durchschnittlicher Tag in London, die Wanduhr bleibt stehen, und die zeichnerisch begabte Cheryl wird von einer unbekannten Macht dazu gezwungen, einen Cartoon eines Buches mit Gesicht zu zeichnen. Aus dem Keller dringen unheimliche Poltergeräusche.

Gut, jeder Mensch mit entweder einer Prise Menschenverstand oder wahlweise Kenntnis eines x-beliebigen Haunted-House-Films wäre spätestens jetzt schon im fünften Gang (jaa, ich weiss, die Amis fahren Automatik-Kutschen, und das ist gar nicht übel) auf dem Highway Richtung Safety, aber wie Kids in Horrorfilmen es nun mal tun, ignorieren sie das ganze und machen erst mal Brotzeit. Die Klappe zum Keller schwingt sich von selbst auf und Scotty beschliesst, sich ob dieser offenen Einladung im Keller umzusehen. Naturgemäss muss die verbliebene Belegschaft lange auf ein Lebenszeichen warten, so dass Ash seinem Kumpel nachfolgt. Ash sucht sich durch das umfangreiche Gewölbe, bis Scotty vor ihm auftaucht und BUH macht (und zwar wörtlich). Scotty hat interessante Funde gemacht, eine Schrotflinte, einen Dolch mit einem ekligen Schädelkpf, ein Tonbandgerät samt Tonband und natürlich auch ein ominöses Buch mit einem "Gesicht" und diversen dämonischen Zeichnungen und unleserlichen Schriftzeichen. Alles wird nach oben getragen, während sich draussen pflichtgemäss ein Gewitter einstellt.

Die "pesky kids" hören sich die Tonbandaufzeichnung auf, die zunächst ein bissel allgemeines Blabla eines namenlosen Archäologen über seine Ausgrabungen bezüglich sumerischer Begräbinisprozeduren und Rituale in Kandahar enthalten. Das bewusste Buch ist das "Buch der Toten", mit dem Dämonen, die von den Lebenden Besitz ergreifen, beschworen werden können und das, wie´s sich für ein ordentliches Necronomicon gehört, in menschliches Fleisch gebunden und mit Blut geschrieben ist. Cheryl wird´s zu gruselig, sie schaltet die Aufnahme ab, doch Scotty ist neugierig, spult vor und schaltet wieder ein, natürlich mitten in eine Beschwörungsformel (die in "real life" arabisch ist und soviel heisst wie "Sam Raimi und Robert Tapert sind die Kerle am Strassenrand"). Das Böse lässt sich nicht lang bitten. Ein Baum stürzt in ein Fenster, Cheryl freakt angemessen aus und wird in die Heia komplimentiert. Allgemeines Zurückziehen ist angesagt, Ash schenkt seiner Linda eine gar hübsche Halskette (sieht ungefähr so wertvoll aus, wie das, was man aus einem Kaugummitautomaten zieht), man schmatzt sich ab.

Das Böse itself beobachtet von draussen und entscheidet sich schliesslich dafür, die einzig alleinstehende Person zu bearbeiten, ergo Cheryl. Geräusche locken Cheryl in den finstren Wald, wo sie zunächst von Geräuschen beunruhigt wird und von POV-Shots belauert wird, bis die Bäume selbst zum Leben erwachen und Cheryl fesseln und ausziehen und, naja, ihr wisst ja, die berühmte "tree-rape"-Szene halt. Cheryl kann sich losreissen, wird von POV-Shots bis zur Hütte verfolgt, erst als Ash die Tür öffnet und die panische Cheryl reinzieht, zieht sich der POV-Shot zurück.

Die gute Maid ist verständlicherweise etwas aufgebracht ob des Erlebten und möchte so schnell wie möglich, genauer gesagt JETZT SOFORT hier weg. Nach kurzer Diskussion lässt sich Ash breitschlagen, sie in die nächste Stadt zu fahren, aber das Auto springt zunächst mal nicht an. "Es wird uns hier nicht weglassen," kreischt Cheryl, aber schon schnurrt der Wagen wie Pucki, der Badmovie-Kater, wenn er das von ihm verschmähte Katzenfutter durch anderes ersetzt sehen will. Die Flucht ist nur von kurzer Dauer, denn, wie könnte es anders sein, die wackelige Brücke ist nu endgültig im sprichwörtlichen Eimer, also muss man unverrichteterdinge (bzw. panischerweise, soweit es Cheryl angeht) zurückfahren.

Ash hört sich über Kopfhörer den Rest des Tonbands auf und erfährt so, dass dem unglücklichen Archäologen übles widerfahren ist, sein Weib wurde besessen und nur durch Zerstückelung lassen sich die Besessenen stoppen. Rosige Aussichten, während sich Linda und Shelly die Zeit damit vertreiben, ESP-Spielchen wie "erkenne die Spielkarte" zu spielen (und zu schummeln), doch da--- Cheryl rattert plötzlich die komplette Reihenfolge des Talons korrekt durch, beginnt zu schweben und sich ausserdem rein äusserlich nicht zu ihrem Vorteil zu verändern. Ich würde mal wagemutig raten, die Schnepfe ist besessen. Und nicht nur besessen, sondern auch böse... Linda bekommt einen Bleistift in den Fuss gebohrt und Ash wird ins nächstbeste Regal gefeuert. Scotty packt das Mädel und stopft die nun vollends zombifizierte Cheryl in den Keller und vergisst nicht, ein paar Ketten über der Bodenklappe zu installieren.

Beratschlagung der Jungs, nachdem Linda und Shelly erst mal zum Schlafen geschickt wurden. "Wir müssen bis zum Morgen aushalten," meint Scotty. "Da draussen ist etwas," vermutet Ash. Na aber hallo! Der böse böse POV-Shot ist auch schon zur Stelle und greift sich Shelly. Die Zombifizierung geht diesmal schneller von statten, denn kaum ist Scotty den Hilferufen gefolgt, greift ihn Zombie-Shelly auch schon munter ab. Ash greift sich eine Axt, steht aber ansonsten nur dumm rum, während Scotty und Shelly balgen. Shelly landet im Kaminfeuer, der edle Lover Scotty zieht sie heldenhaft aus den Flammen, was aber nicht mit angemessener Dankbarkeit, sondern versuchter Abstechung mit dem sumerischen Dolch quittiert wird. Scotty hat aber noch ein As im Ärmel bzw. ein Messer im Gürtel und schneidet seiner Freundin die dolchtragende Flosse ab. Nach kurzem weiteren Handgemenge fällt Shelly zu Boden, spotzt diversen ekligen Globber aus und liegt dann still. Scotty versucht, die vermeintliche Tote zu passieren, wird aber von Zombie-Shelly am Bein gegrabscht. Geistesgegenwärtig reisst Scotty dem immer noch blöde glotzend herumstehenden Ash die Axt aus der Hand und verhackstückt seine Ex-Freundin. Die diversen Einzelteile zucken zwar noch vor sich hin, aber Scotty ist gedanklich schon einen Schritt weiter. "Wir müssen sie begraben." Ash, in der Gehirnabteilung nicht unbedingt voll eingerichtet, entgegnet: "Wir können sie nicht begraben, sie ist unsere Freundin!" Gut, wenn du die "Freundin" lieber in diversen handlichen Stücken auf deinem Wohnzimmerfussboden rumliegen hast, ist das dein Problem, Ash...

links: Cheryl hat ihren Schönheitschirurgen nach ihrem letzten OP-Termin verklagt; rechts: ´Die Toten greifen nach den Lebenden´ - hm, ich hatte mir das anders vorgestellt
Scotty setzt sich durch, die Shelly-Parts werden begraben und als Scotty noch ein improvisiertes Kreuz aufs Grab rammt, gibt´s ein wenig unterirdisches Geblitzel (vermutlich ist die liebe Seele erlöst).

Scotty hat nu offiziell die Schnauze voll und will den Abflug machen. Ash zieht die "Linda kann nicht laufen und wir können sie nicht zurücklassen"-Routine ab, kommt bei Scotty aber damit an den Richtigen, sein Standpunkt mehr oder minder: "Deine Freundin - dein Problem!". Damit packt er seinen Rucksack und ist weg. Zombie-Cheryl im Keller lacht sich scheckig.

Ash besucht Linda und wird zu seiner überschaubaren Begeisterung Zeuge der Zombifizierung seiner Holden. Bevor sie allerdings üble Dinge anstellen kann, stolpert ein mehr tot-als-lebendiger Scotty wieder in die Hütte, murmelt "es wird uns nicht gehen lassen" und "wir werden alle sterben", bevor er Ash mit dem einzig sachdienlichen Hinweis beglückt, dass es tatsächlich einen Pfad gibt, der als Fluchtweg dienen könnte. "Aber die Bäume ... leben!" Hm, dem armen Scotty ist wohl ähnliches wie Cheryl widerfahren, wie ausgesprochen unangenehm.

Linda kichert vor sich hin und lässt sich auch von einem ordentlichen Schlag vor die Kauleiste seitens Ash´ nicht weiter beeindrucken. "Töte sie!" empfiehlt Scotty, ganz offensichtlich der Denker unter den Anwesenden und Ash greift sich tatsächlich die Schrotflinte. Aber, so knee-deep in love, wie Ash nun mal ist, bringt er´s nicht übers Herz. Und tatsache - auf einmal ist Linda wieder ganz die alte und fällt Ash um den Hals. Und auch aus dem Keller dringen nicht mehr die ekligen Grunzlaute, sondern klare artikulierte Sprache. "Ich bin wieder in Ordnung, lasst mich raus". Ash ist drauf und dran, das auch zu tun, aber Cheryl, selbstverständlich nicht wirklich in Ordnung, greift sich Ash´ Fahrgestell, bringt ihn zu Bioden und würgt ihn. Ash kann sich befreien, hört aber wieder das böse Gekicher und ja klar, auch Linda ist wieder zurück in Zombieland. "Wir werden dich kriegen", singt sie fröhlich vor sich hin. Ash schmeisst Linda vor die Tür und versucht dann, Scotty davon zu überzeugen, dass sie die Nacht tatsächlich überleben könnten. Vermutlich wäre er überzeugender, wenn Scotty nicht tot wäre.

Linda beweist die Ineffektivität Ash´ Handlungsweise, indem sie plötzlich wieder da ist und ihm mit dem sumerischen Dolch in den Arm piekst. Ein Handgemenge spielt sich ab, Cheryl grabscht vom Keller aus nach Ash´ Fuss und irgendwie schafft es Linda, sich auf den Dolch zu stürzen und durchbohren zu lassen. Ash schleppt den vermeintlichen Kadaver in die praktischerweise gut ausgerüstete Werkstatt der Hütte, kettet den Korpus an einen Tisch und wirft die Kettensäge an (was in verlassenen Hütten nicht alles rumsteht...). Alas, ein Blick auf die ach-so-hübsche Halskette und Ash vergisst glatt, dass sein Liebling ihn gerade eben mindestens killen wollte und begräbt die natürlich mitnichten verblichene Linda en bloc. Bad idea. Noch baddere idea, dann noch nach dem Halskettchen zu greifen, denn schon wühlt sich Linda durch´s Erdreich und grabscht nach Ash. Sie kratzt ihn gar bös am Bein blutig, Ash schnappt sich einen herumliegenden Pfosten und haut ihn Linda zu deren minderstarken Beeindruckung um die Ohren. Linda springt den armen Ash an, der greift sich den Spaten und haut damit Linda die Rübe vom Hals. Okay, that´s dismemberment for you.

Indes hat sich Cheryl aus ihrem Kellergefängnis befreit und ist bereit, ihr Bruderherz anzugreifen. Die Schrotflinte hilft wenig, aber Ash kann sich Cheryl immerhin vom Hals und ausserhalb der Hütte halten und verrammelt sich. Auf der Suche nach Munition für die Knarre stapft Ash in den Keller und fällt erst mal die Treppe runter. An Ort und Stelle entdeckt Ash, dass die Wasserrohre Blut ausschwitzen. Blut fliesst aus den Steckdosen, Blut füllt eine Glühbirne. Ein Grammophon setzt sich selbst in Gang und spielt einen netten Charleston. Auch ein Filmprojektor startet sich selbst. Ash ist zwar dem Wahnsinn nahe, findet aber trotzdem ein paar Patronen, bevor der Projektor und die Glühbirne explodieren und das Grammophon stehen bleibt. Dafür macht nun die Wanduhr wunderliche Dinge, denn sie läuft rasend schnell rückwärts.

Experimentielle Kamerawinkel veranschaulichen, dass Ash auf dem direkten Weg ins La-La-Land ist, erst recht, als ein Spiegel sich nicht als das entpuppt, was er scheint, sondern eine flüssige Oberfläche aufweist. Schritte und andere ähnliche Geräusche bringen Ash dazu, dass er eine potentiell wertvolle Schrotpatrone ins Nirvana schiesst. Dann macht er den Fehler, sich mit dem Rücken an die Tür zu stellen und wird prompt von draussen angegriffelt, it´s Cheryl. Ash schiesst ihr das halbe Gesicht weg. Dafür hat Ash ein weiteres Problem, denn Scotty hat sich erfolgreich dem Zombie-Team angeschlossen und zieht bei Ash den patentierten Undertaker-Choke-Slam-Griff durch. Ash hat aber seine Three-Stooges-Filmchen gesehen und sticht Zombie-Scotty die Finger in die Augen. Yummy. Das haut Scotty erst mal um, aber mittlerweile hat sich Cheryl in die Hütte gekämpft. Ash kommt ein seltener Geistesblitz. Wenn er es schafft, das "Buch der Toten" ins Feuer zu werfen und zu verbrennen, könnte der Spuk vorbei sein. Dummerweise liegt es ausser Reichweite, wobei erschwerend hinzukommt, dass ihn zwei Zombies am Wickel bzw. an den Haxen haben. Ash erwischt das herumliegende Halskettchen und benutzt es als Lasso. Nach diversen vergeblichen Anläufen und einigem an Prügel, die ihm Cheryl mit einem Schürhaken verabreicht, gelingt es Ash, sich das Buch anzueignen und in die Flammen zu werfen. Die Zombies vertragen das nicht wirklich gut und zeigen Auflösungerscheinungen, ebenso das Buch. Buch und Cheryl zeigen Ash eine (bzw. natürlich respektive eine) lange Zunge, bevor die Zombie-Körper aufplatzen und sich die Dämonengestalten offenbaren, die drin wohnen. In ekligen Schplotz-Effekten lösen sich die Dämonen in gelb-grünen Glibber auf und lassen skelettierte Wirtskörper zurück.

Tja, abgesehen von der Tatsache, dass er nun vier Freunde bzw. Blutsverwandte weniger hat, könnte für Ash jetzt alles wunderbar sein, würde er nicht "join-us"-Stimmen hören. Ansonsten ist alles peaceful, die Sonn´ ist aufgegangen, die Uhr tickt wieder richtig. Ash tritt vor die Hütte und stapft von dannen, doch --- ein böser POV-Shot rast durchs Unterholz, durch die Hütte und attackiert den schreienden Ash...(lustigerweise haute man beim Drehen der Szene Bruce Campbell dabei die Kamera direkt auf die Beisserchen, haute ihn damit k.o. und nötigte ihn zum Besuch des Zahnklempners).

Bewertung

Zwanzig Jahre ist der Streifen nun mittlerweile auch schon alt und, hiermit eröffne ich die muntere Provokation aller Deadites, die Jahre haben dem Streifen nicht gut getan.

Wobei ich natürlich auch nicht verschweigen kann, dass der Film auch anno 1982 nicht wirklich gut ausgesehen haben kann... okay, es ist eine Low-Budget-Produktion, aber trotzdem. Verschiedene Quellen sprechen von einem Budget zwischen 50.000 und 300.000 Dollar, und, seien wir ehrlich, wenn´s denn mehr bei 300 als bei 50 lag, dann war Sam Raimi zu der Zeit ein ziemlicher Geldverschwender. Denn ehrlich gesagt sieht THE EVIL DEAD nicht mal nach 50.000 Dollar aus. Es gibt quasi Null Ausstattung, die Geld gekostet haben könnte und die Special FX sind, bei aller Liebe zum Genre, schon fast erbärmlich. Weder das Make-up der Zombies noch die Gore-Effekte sind technisch überzeugend und die finalen Decomposing-Shots der sich auflösenden Zombies, die stop-motion-animiert sind, sind schon verdächtig auf Augsburger-Puppenkiste-Niveau. Ja, ich rechne durchaus ein, dass seinerzeit Amateure im besten Sinne des Wortes tätig waren, aber meine Meinung ist da halt eher: "If you can´t do it properly - leave it!" Das ist ja auch der Grund, warum andere Horror-Milestones aus dieser Epoche (und etwas älter) auch zwanzig-dreissig Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrem Flair verloren haben, so z.B. HALLOWEEN oder TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Deren Macher waren sich darüber im klaren, dass sie überzeugende Gore-Effekte nicht hinkriegen würden und setzten auf andere Methoden, um ihr Publikum in Angst und Schrecken zu versetzen (bei DAWN OF THE DEAD liegt die Sache wieder anders - George A. Romero, sicherlich auch unverdächtig, ein majormässiges Budget gehabt zu haben, hatte mit Tom Savini einen kompetenten, wenn nicht den besten Gore-FX-Hexer der Filmgeschichte am Start). Die FX in EVIL DEAD sind meist abwechselnd nur eklig oder einfach in ihrer Primitivität lachhaft.

Dazu war auch die Story anno 1982 schon reichlich abgedroschen (EQUINOX, anyone?) - die Charaktere sind austauschbare Pappnasen (inklusive Ash) und selbst parodistischen Wert muss ich dem Film einfach absprechen. Weite Strecken des Streifens sind relativ langatmig, das gesamte Tempo des Streifens ist mässig (kein Wunder, dass Raimi im Sequel-Remake EVIL DEAD II die komplette Story des Vorgängers in den ersten 20 Minuten abhandelte - mehr gibt´s, bei Licht betrachtet, einfach nicht her). Ganz witzig ist der "Twist", dass Ash, in der ersten Filmhälfte eigentlich nicht mehr als "bystander", gen Filmmitte spontan die nominelle Heldenrolle übernimmt, die bis dahin eigentlich Scotty ausfüllte, was aber wohl hauptsächlich damit zu tun hatte, dass ein Grossteil des Streifens schon 1980 abgedreht wurde und als Raimi 1982 dann den Film vollendete, stand vom Original-Cast nur noch Campbell zur Verfügung, so dass die zweite Filmhäfte quasi ein Campbell-Solo mit diversen Stand-ins (darunter die Raimi-Brüder Ted und Ivan) wurde.

Relativ gruselig sind die dargebotenen darstellerischen Leistungen. Bruce Campbell entwickelte sich über die Jahre ja zu einem zwar mehr oder minder auf eine Rolle festgelegten, nichtsdestoweniger ansehnlichen Akteur, aber anno 1982 ist von dem, was ihn später berühmt machen sollte, relativ wenig zu sehen. Klar ist er (der ja in jedem Raimi-Projekt mit von der Partie ist und so auch in SPIDERMAN seinen kleinen Part haben wird) der beste Schauspieler des Films, aber wenn der Rest des Ensembles seine Probleme damit haben würde, bei der Laienspielschar Neukölln eine dialogfreie Statistenrolle zu ergattern, ist das halt auch keine grosse (Schauspiel-) Kunst. Besonders Betsy Baker und Hal Delrich bekleckern sich nicht wirklich mit Ruhm und Ehre.

So, also dann doch ein totaler Schuss in den Ofen? Natürlich nicht ganz, denn es muss ja irgendwo seine Gründe haben, warum THE EVIL DEAD sich zu dem Kultfilm gemausert hat, der er ist (mal ganz abgesehen von der germanischen Sondertatsache, dass der Reiz des Verbotenen hier eine gewisse, nicht ganz unmassgebliche Rolle spielen dürfte). Und die hat er. Was Raimi und sein Kameramann Tim Philo teilweise fertigbringen, ist herausragend - und damit sind natürlich die rasenden halsbrecherischen (bzw. zahnbrecherischen, hehe) POV-Kamerafahrten gemeint, die das Horrorgenre regelrecht neu definierten und sich ihren Weg auch in den Mainstreamfilm gebahnt haben. Diese Szenen sind schlichtweg atemberaubend und die obskuren Kamerawinkel, die im Finale aufgefahren werden, haben´s ebenfalls in sich. Ebenfalls nicht absprechen kann man Raimi ein Gespür für Atmosphäre, das er leider nicht konsequent über die komplette Filmlaufzeit retten kann (was sicher auch ein "Verdienst" der recht lausigen Effekte ist) - der legendäre "Tree Rape" gehört zweifellos zu den ganz grossen "Klassikern" des modernen Horrorfilms und das vollkommen zurecht, eine aussergewöhnliche, intensive Szene - die Intensität erreicht THE EVIL DEAD ansonsten nie, aber der Film hat seine Momente (wie z.B. die zwar vollkommen irrationale, aber ziemlich effektiv fabrizierte Ash-im-Keller-mit-Blut-Szene).

Was im Fazit bleibt, ist eigentlich (und ich höre das kollektive Aufschreien der Deadites bis hier) ein reichlich durchschnittlicher Horrorfilm - eine ziemlich schlecht gespielte Dutzendstory, aufgewertet durch die stellenweise grandiose Kameraarbeit, abgewertet wiederum durch die nicht sonderlich speziellen Effekte. THE EVIL DEAD ist in gewisser Hinsicht also ein überschätztes Werk, das seinen Status als "groundbreaking movie" nur durch die in dieser Form bis dahin nie gesehenen POV-Kamerafahrten (habe ich erwähnt, dass die atemberaubend sind?) definiert. Das, was Sam Raimi dann wirklich auf den Olymp der Grossen Regisseure hob, war EVIL DEAD II - all das, was EVIL DEAD in Ansätzen versprach und dann nicht wirklich halten konnte - Humor, Horror, Tempo und Stil. Die Fans werden mich steinigen, aber ich bleibe bei meiner vollkommen objektiven (hehe) Meinung, dass die EVIL-DEAD-Serie eigentlich erst mit Nummer 2 losgeht. EVIL DEAD, das Original, ist nicht mehr als eine Fingerübung, ein Aufwärmen für die richtig grossen Dinge, die Raimi in petto hatte. Als solches sollte der Gelegenheitsgucker sich also nicht grossartig auf die Suche machen, sondern sich mit EVIL DEAD II und ARMY OF DARKNESS, was ja auch insofern Sinn macht, da diese beiden Filme inhaltlich eine abgeschlossene Story bilden und nicht auf dem ersten Teil "aufbauen". Horror-Komplettisten müssen´s aufgrund des historischen Werts wohl haben. Meine private Horrorparty würde ich aber mit diesem Film nicht unbedingt anheizen wollen.

BOMB-SKALA

Bild:bomb.jpgBild:bomb.jpgBild:bomb.jpgBild:bomb.jpgBild:bomb.jpgBild:bomb.jpgBild:bomb.jpg

BIER-SKALA

Bild:bier.jpgBild:bier.jpgBild:bier.jpgBild:bier.jpg

SPEZIELLE ZOMBIE-SKALA

Bild:zombieklein.jpgBild:zombieklein.jpgBild:zombieklein.jpgBild:zombieklein.jpgBild:zombieklein.jpgBild:zombieklein.jpg


(c) 2000-2006 (and beyond) Markus Risser, alle Rechte vorbehalten, usw. usf. Review-Klauer werden mit mindestens einem Ein Schloß am Wörthersee-Marathon bestraft. Wer Tippfehler findet, darf sie behalten. Preis zuzüglich 16 % Mehrwertsteuer. Angebot nicht gültig am dritten Donnerstag im Monat und in Österreich. Fahrer während der Fahrt nicht ansprechen. You must be THIS tall to take the ride. Peter Jackson is God. Spendenkonto auf Anfrage.

Persönliche Werkzeuge