Tarzoon - Schande des Dschungels

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Originaltitel: TARZOON, LA HONTE DE LA JUNGLE

Alternativtitel: JUNGLE BURGER; SHAME OF THE JUNGLE

Belgien/Frankreich 1975, 67 min, FSK 18

Titel

Credits

Sprecher:

Horst Niendorf (Tarzoon/Schande)
Beate Hasenau (June)
Christine Gerlach (Königin Bazonga)
Heinz Theo Branding (Bruno)
Joachim Tennedest (Craig)
Wilfried Herbst (Charles linker Kopf)
Gerd Duwner (Charles rechter Kopf)
Herbert Weißbach (Professor Zeberus Treppengeländer)
Arnold Marquis (Kommentator)

Crew:

Regie: Picha, Boris Szulzinger
Drehbuch: Pierre Bartier
Musik: Heloise Cohen, Marc Moulin
Schnitt: Claude Cohen
Produzenten: Boris Szulzinger
Produktion: SND Valisa Films

Vorwort

Es ist bekannt dass die Franzosen einen schlechten Geschmack haben (und dass der ehemalige Chef von Belgien eine Privatkolonie im Kongo hatte und dass sie generell sehr „kinderlieb“ sind). Außerdem, dass sich die Biere an ihren Prozenten messen lassen, was dem geplagten Ehegatten etwas zu tun gibt, wenn man Urlaub in Brüssel macht und die Dame des Hauses unbedingt Servietten mit Brüsseler Spitzen kaufen will. Küche ist auch nicht von schlechten Eltern. Wollen dabei auch nicht die belgischen Cartoonisten vergessen, vom alten Draner, hin zu den Visionären Herge, Peyo, Morris und Jije. Grundtenor: dass alles Belgier und sich zu fein für einen zweiten Namen sind. Genau wie Picha, die perverse Wanze, denn in den Gülle-Bottich jenes Pichas wollen wir heute tauchen (und dieser Bottich ist so tief wie der Witz von Picha selbst).

Inhalt

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“Africa: Hier ist mehr als eine Banane krumm.“, so versichert uns gleich zu Beginn der Erzähler (gesprochen von niemandem geringeren als dem deutschen Sprachrohr von, unter anderen, John Wayne, Kirk Douglas und Bud Spencer, AKA Arnold Marquis, dem „König der Synchronsprecher“). “Hier hat man nur Angst davor, dass die Krokodile Chinesisch lernen, die Mosquitos nach Öl bohren und die Kokosnüsse einen russischen Reißverschluss bekommen. Wo man den Rumba-Kassabubbu und Lumumba tanzt, wo man Gastritis für zu viele Gastarbeiter hält, Allgäu für einen nichtjüdischen Astronauten und wo man weiß, warum in London kein Schnee liegen bleibt: nämlich, weil sie einen Tower haben. Oder, dass der Papst im Winter in Rom wohnt, im Winter aber im Zöli-Bad.„


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Wobei sich der deutsche Text mit dem Englischen nicht unbedingt deckt
(hier wird noch von einem Ort gesprochen,
wo die Elefanten einen eigenen Friedhof haben,
die Menschen aber dort verrotten, wo sie hinfallen).


Diese und andere Weisheiten vermittelt uns der Erzähler, aber auch an Afrika sei die Zivilisation nicht vorüber gegangen und es ginge inzwischen so zu wie auf dem Broadway Stoßzeit, wo jeder jeden bumst und der mit der stärksten Stoßstange immer Vorfahrt hat.


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Wir mögen es bereits ahnen, dass wir uns heute auf relativ niedrigem Niveau bewegen
(selbst im Vergleich zu anderen Tagen).


Aber tief unter der Erde des Schwarzen Kontinents, wo dieser so schwarz sei, dass ein Bärenarsch dagegen hell und freundlich erscheint, dort lauert das Böse, beziehungsweise, das Reich der Königin Bazonga, die Anführerin des Stammes der Liebesknochen. Diese Dame ist eine Ausgeburt von Bosheit und so schlecht gelaunt wie eine moderne Feministin am Vatertag. Ihre Laune wird dadurch nur noch verschlechtert, dass sie so kahl wie ein Ei ist und sich diesbezüglich einen verrückten Wissenschaftler zugelegt hat, namentlich Charles Doppelrübe. Der doppelköpfige Wissenschaftler ist aber zunächst auch ratlos, empfiehlt einen Leihskalp, was die Königin nur noch mehr in Rage bringt. Einzige valide Alternative wäre eine Haarverpflanzung, aber dafür müsste man erst noch die richtige Tonsur finden (der Wuschelkopf von Golda Meir wird von ihrer Majestät abgelehnt, da sie nicht “wie der Fensterputzer von Mao-Zedong“ aussehen möchte). Bleibt schlussendlich nur noch eine Option: die rote Haarpracht von June, der Freundin von Schande (dem Titelhelden, hier nie als Tarzoon genannt), dem König des Dschungels. Die kommt der Königin gerade recht und 24 Stunden haben ihre Lakaien Zeit, das Haarwerk zu verpflanzen, sonst hätten sie ihren letzten Furz gemurmelt. Sogleich schickt Charles seine besten Männer für den Job (wobei man auf den Begriff „Männer“ später noch genauer eingehen muss).


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Wozu leistet man sich schon einen Doppelbirnen-Wissenschaftler,
wenn der nicht einmal einen ordentlichen Leihskalp transplantieren kann?


Inzwischen ist es Nacht über dem Kontinent und “ganz Afrika, von Kairo bis Kapstadt, bumst zum Rhythmus der Bongotrommeln“. Ganz Afrika? Nein, im Hause Schande / June herrscht die negative Harmonie. Zwar heißt es zunächst, „Schande über June“, aber diese Freude währt nur kurz – zumindest zu kurz für June. Nein, der Fakt, dass June ihren Angebeteten für sechs Wochen in eine dänische Bumsschule geschickt hat, hat nicht viel geholfen, mit einem in Zement gegossenen Regenschirmständer sei mehr los und so wird Schande mit den rüden Worten, “Hast du keinen, leih dir einen, du Flasche“, des Schlafzimmers verwiesen. Mit gekränktem Stolz zieht sich der König des Dschungels in den, nun, Dschungel zurück. June vergnügt sich – so wird angedeutet – mit Schandes treuem Gefährten, dem Schimpansen Flicka (worauf sich das wohl reimen soll?).


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Hatten wir das mit dem „extrem niedrigen Niveau“ eigentlich schon erwähnt?


Am nächsten Morgen scheint alles wieder in Ordnung: Schande rettet einen armen Neger, der, während er den Blues-singend durch den Dschungel zog, über einen hungrigen Löwen stolperte (nun, zumindest kann er dessen oberer Hälfte retten), was ihm erneut bestätigt: Schande ist der Chef im Dschungel! Außer natürlich im Hause Schande selbst, wo June ihrem Flicka gerade einem Kaffee kocht.


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Dankbar über die vermeintliche Rettung zeigt sich das kleine Negerlein
(auch wenn es praktisch gesehen zweimal ins Gras beißen muss).


Aber da nahen die Häscher der Königin Bazonga – um genau zu sein und es auf Französisch zu sagen, sind es ein Trupp überdimensionaler Schwänze – verlustigen sich zunächst mit June und entführen diese dann in das unterirdische Reich der Tyrannin. Schande, der Tollpatsch, kommt natürlich zu spät um seine Angebetete zu retten. Nur Flicka kann in Zeichensprache einen ausführlichen (und sehr graphischen) Bericht über jenes, das sich hier gerade ereignet hat, erzählen.


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“Schlimm genug, wenn einem die Alte mit einem Affen betrügt,
aber sich dann noch seine Schweinereien anhören zu müssen …“


Nun steht unser Held vor einem Dilemma: würde er June nicht retten, werden sich die Sumpfdotterblüten über ihn lustig machen. Würde er sie jedoch retten, macht June ihm einen Knoten in den Sack. Entscheidungen, Entscheidung. Es hilft kein hadern und kein zaudern, also auf zum Reich der meschuggen Königin, mit Flick buchstäblich im Schlepptau.


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Wieder einmal reitet der König des Dschungels die Liane
(und sein Affe, der reitet den König des Dschungels).


Vorbei an wild fotografierenden Touristen aus Japan und Tintin (zu Deutsch: „Tim und Struppi“), der wieder einmal die Negerlein missionieren will, kreuzen sich die Pfade von Schande und dem Anthropologen Zeberus Treppengeländer, der eigens nach Afrika gereist ist, um den legendären Weißen Affenmenschen mit eigenen Augen zu sehen. Begleitet wird Professor Treppengeländer von seiner jungen Nichte Kitt Kolbenfresser (die nur mistspielt, weil sie dem Produzenten einen geblasen hat) und dem ewig nörgelnden Abenteurer, der Brutale Bruno, nebst dessen geschwätzigen Faktotum Hugo. Diesen Trupp hat es in das Gebiet der Schwarzen Steinbeißer verschlagen, die sich der Legende nach nur von den Steinen der Schwarzen Olive ernähren, in Wirklichkeit aber arge Fleischfresser sind, die im Prinzip alles anknabbern, was sich bewegt.


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Afrika wäre nicht Afrika, gäbe es da keine
vertrottelten Entdecker und schurkische Abenteurer.


Bruno und Hugo haben natürlich eigene Pläne für Schande, schmeißen den lästigen Professor ins nächste Gebüsch (wo dieser zum Fraß der Steinbeißer wird) und verschleppen Schande in einem Käfig, um ihn in der Ersten Welt als Attraktion zu vermarkten. Aber die beiden Schurken haben nicht mit den agilen Steinbeißern gerechnet und enden selbst als abgenagte Gerippe. Bleibt nur mehr Schande. Diesen wollen die Steinbeißer wohl auch verköstigen, haben aber nicht damit gerechnet, dass Schande ein arger Waschlappen ist, der schon beim ersten Biss in den Finger in ein gotterbärmliches Gejammer verfällt, dabei seinen Käfig sprengt und das Weite sucht.


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Kein Wunder, dass John Belushi der Gestalt in der US-Fassung seine Stimme lieh
(irgendwo muss der Suffkopp eine Seelenverwandtschaft gespürt haben).


Also geht die wilde Jagd zwischen Kannibalen und Schande weiter, bis die Horde der hungrigen Eingeborenen auf eine Horde wilder Büffel trifft, die nun als Snack herhalten müssen. Schande selbst wird von einem amerikanischen Touristen gerettet, der sich als Craig Baker aus Illinois vorstellt; mit 19 schon beglaubigter Frührentner, wie ihm Craig versichert. Craig bereist die Lande auf seinem fliegenden Teppich (von einem duzend Tauben, mit einer Peitsche betrieben), und hat außer Bier saufen und über die Vorzüge von japanischen Quermösen, Gelb- und Schleierschwänzen zu labern (“da hat man immer Angst, man kommt hinten wieder raus“), nicht viel im Sinn. Die schöne Reise hat ein Ende, nachdem sich Craig entscheidet, auf eigenen Flügel weiterzufliegen, sich mit dem Wahr-Wort “Und nicht vergessen: trinkst du ein Bier, iss die Büxe mit! Die ist das Beste“, verabschiedet und davonflattert. Vertikal, versteht sich.


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Schande ist seinem Ziel schon sehr nahe, aber noch lauern Gefahren auf dem Weg
(und die hat uns „Alice im Wunderland“ verschwiegen).


Inzwischen ist June im Reich der bösen Königin angekommen, in Bazonga (aus dem Afrikanischen übersetzt, auch „Loch ohne Wiederkehr“). Auch Schande hat den Ort beinahe erreicht, muss aber zuvor noch durch ein Blumenfeld wandern – aber jenes Gewächs hat es in sich: Es handelt sich um sprechende Blumen, die auf Spermaraub aus sind. Und unglücklicherweise ist auch noch Muttertag. Nur knapp und dank seiner sexuellen Kurzlebigkeit, entkommt unser Held dieser Falle.

Erschlafft aber nicht geschlagen trifft Schande endlich in Bazonga ein. Dort trifft er prompt auf das nächste Hindernis, sprich, die Spezialeinheit der Armee der Königin von Bazonga, die… nun, wie will man diese nun beschreiben? Wie nennt man sowas? „Ein Manöver absolvieren“?


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Man sagt ja schnell ganz lapidar, dass die Bundeswehr nicht mehr das ist,
was sie schon früher niemals war.


Also, die… Soldaten marschieren, Schande muss sich notgedrungen als Rekrut einordnen, kann aber niemanden foppen und wird bald als vermeintlicher Spion ertappt. Zwar bleibt Schande das Erschießungskommando erspart, aber er wird direkt in die Höhle der Löwin gebracht, wo auch June schon auf ihren „großen Auftritt“ warten muss. Auf diesen Weg wird Schande auch noch Zeuge, wie die Soldaten der Königin rekrutiert, beziehungsweise, erschaffen werden (man stelle sich vor seinem geistigen Auge nur eine Fabrikschleife mit Säuglingen, eine Hochdruckpumpe und schlussendlich ein scharfes Messer vor).


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… und der letzte wünscht noch recht fröhlich „Ein gutes, neues Jahr!“


Königin Bazonga macht Schande ein Angebot, das er im Prinzip nicht ablehnen kann: entweder zusammen mit ihr die Welt regieren, oder seinen Bocksbeutel amputiert bekommen, den in Spiritus eingelegt sehen, damit die Königin ihn zum Nachtisch verspeisen kann. Was Schande aber abstößt, ist nicht nur die kahle Platte alleine, sondern auch die 14 Titten, die die Königin ihr Eigen nennt. Kurz: Schande flüchtet.


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Jetzt sind die kleinen Geheimnisse der Königin raus
(alle 14 am Stück).


Natürlich „blasen“ die Sondereinsatzkommandos sofort zum Angriff und nur durch Schusseligkeit gelingt es Schande, in die Kommandozentrale des königlichen, unterirdischen Gefährts vorzudringen, das von penisoiden Lebensformen vorwärtsgetrieben wird und wo er unbeabsichtigt das Vehikel in Bewegung setzt. Dieses bahnt sich nun den Weg Richtung „Obergrund“. Zu allem Übel haben die „Salven“ der Soldaten auch noch für Brand an Bord gesorgt. June entgeht ihrer Skalpierung nur durch pures Glück (Doppelrübe hat einen Streit mit sich selbst und halbiert sich selbigst), und die Königin wird Opfer ihrer eigenen Feuerwehr… männer, die ihre Herrscherin von innen schützen wollen. Bis diese explodiert.


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Um noch einmal auf das „Niveau“ zurückzukommen …
(ach, vergessen wir es, der Film ist sowieso gleich aus).


Während der Dildo-förmige Flitzer der (ehemaligen) Königin zunächst in die Luft geht und dann abschmiert, schaffen es June und Schande mittels eines Doppelcouchfallschirms zu entkommen. In der Ferne sieht das Liebespärchen noch Kitt Kolbenfresser, welche die Herrschaft über die Schwarzen Steinbeißer übernommen hat und nun die Invasion von Hollywood (und danach den Rest der Welt) vorantreibt.


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FIN!


Analyse

Freunde, nun kenne ich mich im Erdeck Afrika ganz gut aus und, Freunde, kann bestätigen, dass dieser Film so authentisch ist, wie eine italienischer Dokumentarfilm aus den 70er Jahren. Froinde! Was das mit dem ständigen „Freunde“ soll? Nun, ich musste gerade an die Auftritte des alten Fipps Asmussen denken, den auf diesem Niveau liegt der Humor von TARZOON – SCHANDE DES DSCHUNGLES. Was heißt „auf Fippsens Niveau“? Der durchschnittliche Asmussen-Joke fliegt im Vergleich so hoch, dass er im Himmel Loriot und Kishon einen High-Five geben kann, bevor er wieder zu Boden stürzt! Kurzum, der Witz ist so flach wie des Negers Vorderfuß.

TARZOON sollte der erste von drei Zeichentrickfilmen sein, mit dem sich der belgische Comiczeichner und ehemaligen Karikaturisten für (unter anderen) die New York Times, Picha (gebürtiger Jean-Paul Walravens) seinen guten Namen versauen wollte. DAS FEHLENDE GLIED wurde 1980 der zweite Streich, eine Steinzeitsatire, die ein wenig stubenreiner als TARZOON war – aber nur ein wenig – und sogar bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. DER GROSSE KNALL hieb dann wieder voll in die dreckige Kerbe des Erstlings, nicht viel mehr als TARZOON in der Zukunft (hier ist der Held ein galaktischer Müllmann, der zwischen die Fronten zweier terranischer Armeen gerät, wo sich Männlein und Weiblein bis aufs Blut bekriegen). Der wurde aber ein Vollflopp und da Picha begriff, dass die Zeit für derlei Zeichentrickfilmgut endgültig passe war – gerade in den Tagen, in denen AIDS Furcht und Schrecken verbreitete, und das Wort „Sex“ auch nur in den Mund zu nehmen einem Todesurteil gleich kam. Danach wurde es ruhig um Picha, der von nun an für das belgische Fernsehen arbeitete. Ob das als gut oder schlecht zu bewerten gilt, liegt im Auge des Betrachters.

Das Ganze erinnert natürliche an die alten Sex- und Pornozeichentrickfilme, mit denen sich Opa in den 1970er Jahren an der Stütze seines Alters erfreute. QUASTELWIX MIT DEM SUPERPINSEL, SCHWÄNZEL UND GRETEL FICKEN IM WALD, JACK UND DIE NEGERSTANGE (und wie sie alle hießen). Freilich konnte man hier nicht wirklich von Qualität sprechen. Selbst die Frühwerke von Ralph Bakshi, FRITZ THE CAT oder STARKER VERKEHR – an sich schon purer Kult, egal wie man es dreht – sahen im direkten Vergleich aus wie Disneys CINDERELLA. Die U-Comix waren im vergleich Hohe Kultur, Walter Moers Frühwerke große Kunst und selbst das Zeugs von Jean-Marc Reiser … okay, vielleicht nicht der degenerierte, alte Reiser, da muss eine tiefere Schublade erst noch gebohrt werden.

In diesen strengen Zeiten, wo langsam wieder Sitte und Political-Correctness einkehren (und somit sowieso ein jeder unter Generalverdacht steht), muss noch erwähnt werden, dass es nicht allzu politisch-korrekt vonstattengeht. Klar, die Schwarzen sind so schwarz, dass man sie schon wieder blau zeichnen musste. Außerdem Kannibalen und nicht sonderlich helle. Andererseits hat man sich doch ein wenig zurückgehalten und man kann TARZOON kaum zur Last legen, dass der Film offen rassistisch ist, selbst in der heutigen, gestrengen Zeit. Es mag aber auch daran liegen, dass die deutsche Fassung doch ein wenig „entschärft“ wurde, und die Spitzen gegen den (post)-Kolonialismus in der englischen Version doch noch ein wenig härter sind. Auch wenn man einen Tanz nach dem ermordeten kongolesischen Politiker benannt hat. Aber vielleicht täuschen wir uns da, und der „Rumba-Kassabubbu und Lumumba“ wurde nach dem beliebten Getränk getauft (Geheimrezept: man nehme eine Tasse kalten Kakao, geize dabei nicht mit Rum und Amaretto und gebe einen Spritzer Schlagsahne dazu. Der Lumumba wird gerne mit einem Negerkuss und/oder einer Portion Mohr im Hemd kredenzt).


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Ein Wunder, dass Herge nicht auch noch geklagt hat.
Oder vielleicht hatte der Zeichner nur Angst,
man würde ihn an „Tim im Kongo“ erinnert.


Wer über den ganzen Schmarn nun gar nicht lachen konnte, das waren die Erben des Tarzan-Erfinders Edgar Rice Burroughs, die prompt den Produzenten und Co-Regisseur Boris Szulzinger verklagten. Zwar wurde die Klage vor einem französischen Gericht zurückgewissen, die TARZOON korrekterweise als Satire identifizierten, aber trotzdem durfte der Namen „Tarzan“, beziehungsweise „Tarzoon“ im Film nicht vorkommen. Im Gegenzug bestraften die Produzenten den Burroughs-Clan, indem sie ihn mit keiner Silbe erwähnten. Wenn man es sich recht bedenkt: wer möchte schon gerne seinen guten Namen unter so einem schundigen Machwerk sehen?

Aber man versuchte sogar allen Ernstes, TARZOON für den „Besten fremdsprachigen Film“ bei den Academy Awards vorzuschlagen. Nominiert wurde er jedoch nicht. Wir vermuten: wegen Chauvinismus. Der Legende zufolge, setzte sich SNL-Komödiant John Belushi persönlich dafür ein, dass man den Film auch in den Vereinigten Staaten publizieren sollte – auch hier, vermutlich frei nach Belushis Prinzip, „Bier im Bauch, Koks in der Rübe und Liebe im Herzen“, und der Schauspieler, neben seinen Kollegen Bill Murray und Christopher Guest, lieh dem Tunichtgut Craig Baker seine Stimme. Als besonderen Gimmick besetzte man die Stimme von Johnny Weissmuller Junior, den Sohn des wohl ikonischsten Tarzan-Darstellers aller Zeiten, als Tarzoon. Beziehungsweise, hieß er in den USA „Shame“. Auch hier hatte der Nachlass von Burroughs geklagt, und da die amerikanischen Gerichte in Sachen Plagiatsvorwürfen etwas rabiater zu Gericht gingen, gewann der Burroughs-Clan die Klage sogar.

Große Erfolge konnte der Streifen nur in – wem wundert’s? – San Francisco feiern. Für den Rest des Landes wurde eine Rated-R-Fassung angefordert, die den Perversen aber zu harmlos und den Normalos zu unwitzig war. In Deutschland hatte TARZOON mehr Glück und lockte knapp 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos. Grund genug für den FSK, den Streifen zu indizieren (erst 2008 wurde die Indizierung wieder gestrichen). Vermutlich waren es auch weniger die krude gemalten Genitalien und mehr Szenen wie diese, die den besorgten Müttern und Pfaffen beim FSK sauer aufstießen (Hakenkreuzszenen gehen bekanntlich gar nicht – auch wenn’s nur tanzende Schwänze sind):



Lange Rede, wenig Sinn: Für Feingeister und Ästheten ist TARZOON natürlich nix. Man muss seine Leiste schon verdammt niedrig anlegen, um den Streifen viel abzugewinnen. Muss zu seiner Verteidigung noch gesagt werden, dass die deutsche Synchronfassung noch die beste Empfehlung ist. In bester deutscher Synchron-Tradition hat man den Kalauer-Level noch einmal in die Höhe geschraubt und es vergehen kaum 10 Sekunden, in denen nicht ein „flotter Spruch“ den nächsten jagt. Da lacht das einfache Gemüt gerne spontan mit, auch wenn es dann meist noch ein paar Sekunden dauert, bis man den Sinn des Nonsens, über den man gerade gelacht hat, überhaupt erst begreift. Kommen noch (wie gewohnt) erstklassige Sprecher hinzu, allesamt die Sahne der Sahne, die sich nicht zu fein waren, dem Dreck ihre Stimme zu leihen. Man kann sich das ansehen, wenn man ein Faible für oben genannte Bakshi-Streifen a la FRITZ THE CAT oder den Sauereien der alten U-Comix hat. Muss ja nicht immer Kaviar sein, oder?

(PS: Sollte dennoch ein Abkömmling von Edgar Rice Burroughs hier mitlesen und über diese Zeilen stolpern: legal, rechtlich, finanziell und notarische festgelegt liegt jegliche Schuld einzig und allein beim Impressumsinhaber). In diesem Sinne,


OTTO FISCHBEIN


Trailer

© 2015 Thorsten Atzmueller


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