Universal Monster Legacy 3 - The Wolf Man

Aus Badmovies.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

THE WOLF MAN

USA 1941, 68 min, FSK 12 Regie: George Waggner Darsteller: Lon Chaney jr. (Larry Talbot/Der Wolfsmensch), Claude Rains (Sir John Talbot), Warren William (Dr. Lloyd), Ralph Bellamy (Col. Paul Montford), Patrick Knowles (Frank Andrews), Bela Lugosi (Bela), Maria Ouspenskaya (Maleva), Evelyn Ankers (Gwen Coliffe), J. M. Kerrigan (Charles Conliffe), Fay Helm (Jenny Williams)

Der Unfalltod seines älteren Bruders führt Larry Talbot nach achtzehn Jahren Abwesenheit zurück aufs heimatliche Schloss des Talbot-Clans, wo er von seinem Vater angelernt werden soll, die Pflichten des örtlichen Gutsherren zu übernehmen. Der amerikanisierte Talbot fühlt sich in der ländlichen Dorfgemeinde und seinem Vater fremd, verkuckt sich aber bei erstbester Gelegenheit in die hübsche Gwen, ungeachtet der Tatsache, dass das Mädel bereits verlobt ist. Als eine Truppe Zigeuner einreitet, entscheiden sich Larry, Gwen und deren Freundin Jenny unglücklicherweise zum Besuch beim Wahrsager. Unglücklicherweise deshalb, weil Bela, der Wahrsager, ein Werwolf ist und in Jenny sein nächstes Opfer erkennt. In Wolfsform greift Bela Jenny an und tötet sie. Es gelingt Larry seinerseits, den Wolf mit dem silbernen Griff seines frisch gekauften Werwolf-Spazierstocks totzuschlagen, aber er trägt einen Biss davon.

Die konservative Gemeinschaft der Dorffrauen macht die unselige Liason von Gwen und Larry ursächlich für Jennys Tod verantwortlich und Larry gerät zudem in Bedrängnis, als anstelle eines Wolfskadavers die Leiche Belas mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wird. Die alte Zigeunerin Maleva versucht Larry begreiflich zu machen, dass er durch Belas Biss selbst zum Werwolf geworden ist, aber der praktisch veranlagte Teilzeit-Yankee kann mit derlei metaphysischem Mumpitz nichts anfangen. Aber natürlich hat die alte Schrumpel Recht - schon in der nächsten Nacht erfreut sich Larry unnatürlicher Fell- und Pfotenbildung, streift hinaus und bringt den lokalen Totengräber um.

Larry kommt langsam zur Überzeugung, tatsächlich ein Werwolf zu sein, aber sein behandelnder Arzt hält ihn höchstens für psychisch gestört, dieweil der neuerliche Mord die Bevölkerung heftig beunruhigt. Larry versucht unauffällig das Weite zu suchen, wird aber von seinem Vater ertappt, der des Sohnemanns Vermutung, ein Lykanthrop zu sein, für Nonsens und eine Psychose hält, der sich Larry gefälligst wie ein Mann zu stellen habe. Die von Sir Talbot vollzogene Therapie, Larry an einen Stuhl zu fesseln, erweist sich allerdings als verbesserungswürdig. Natürlich gelingt es dem Werwolf-Larry, sich zu befreien und wer könnte sein nächstes potentielles Opfer schon sein außer Gwen...?

Der Film: Mit dem Wolfsmenschen brachte Universal 1941 den dritten (und letzten) großen Horror-Archetypus des klassischen Horrorfilms auf Spur - im Gegensatz zu den vorher ausgeschlachteten Dracula- und Frankenstein-Mythen konnte das Studio aber nicht eine bereits etablierte Romanvorlage nutzen, sondern musste etwas "from scratch" erschaffen. Zwar gehörte der Lykanthrop zum existenten, wenn auch eher obskuren Legendenschatz europäischer Folklore, aber ein echtes "Standardwerk" zum Thema gab es bis dato nicht (es sei denn, man rechnet R.L. Stevensons "Dr. Jekyll & Mr. Hyde", wie es Stephen King in "Danse Macabre" z.B. tut, aufgrund des entscheidenden Faktors "Aufspaltung der Persönlichkeit in eine apollonische und dionysische Seite [simpel ausgedrückt könnte man selbstverständlich auch "gut" und "böse" sagen, aber wir sind hier ja intellektuell] in die Werwolfs-Kategorie [mit gleicher Begründung kann man übrigens auch den "Hulk" zu den Werwölfen zählen]).

"The Wolf Man" war mitnichten Universals erster Versuch auf diesem Gebiet, bereits 1932 hatte Robert Florey (der auch die ersten "Frankenstein"-Treatments verfasste und "Murders in the Rue Morgue" drehte) ein Werwolfs-Script als neues Boris-Karloff- Vehikel vorgeschlagen, das von Universal aber wegen seiner religiösen und moralischen Komponenten abgelehnt wurde. Statt dessen entstand 1935 "The Werewolf of London" (demnächst hier zu besprechen) mit Henry Hull, der aber keinen besonderen Eindruck hinterliess. Als das Studio nun Anfang der 40er Jahre daran ging, Lon Chaney jr. zum neuen Horrorsuperstar aufzubauen, erinnerte man sich an das Thema und beauftragte Curt Siodmak ("Son of Dracula") ein entsprechendes Drehbuch zu verfassen, das von Floreys Original-Entwurf nur noch den Titel übernahm.

Trotz des moderaten Budgets von 180.000 Dollar trommelte das Studio eine namhafte Besetzung zusammen, allen voran den "Unsichtbaren" Claude Rains, der ein knappes halbes Jahr später einen gewissen "Casablanca" drehen sollte (und dafür eine seiner vier Oscar-Nominierungen erhielt). Warren William war speziell in den 30er Jahren ein Star in A-Produktionen und feierte gerade hauptrollenderweis in der "The Lone Wolf"-Reihe, einer der vielen damals kassenträchtigen B-Detektivserien, Erfolge, Patrick Knowles hatte gerade mit John Ford gedreht und war ein paar Jahre zuvor von Warner nach Hollywood gelockt worden, um Errol Flynn Konkurrenz zu machen (was das Studio nicht ahnte, war, dass Knowles und Flynn alte Kumpel waren). Maria Ouspenskaya hatte sich auch schon zwei Oscar-Nominierungen abgeholt, Bela Lugosi hatte, obwohl seine Karriere längst auf absteigenden Ast war, immer noch einen Namen; Evelyn Ankers galt als Universals vielversprechendstes Horror-Starlet (siehe "Ghost of Frankenstein" und "Son of Dracula") und war sowas wie die Stamm-Partnerin von Lon Chaney jr. (obwohl die beiden sich nicht ausstehen konnten). Dadurch wird deutlich - auch wenn Universal die Horrorabteilung vom Produktionsaufwand als "B"-Ware einstufte, man gab sich zumindest Mühe, für die knappen Budgets das bestmögliche Ensemble zu engagieren. Und auch hinter der Kamera standen Könner - Regisseur George Waggner war, wie viele Universal-Regisseure, die auf die Horrorfranchises losgelassen wurden, ein Routinier und die Fotografie besorgte mit Joseph Valentine ein multipler Oscar-Nominent (und späterer -Gewinner). Für die Make-ups war wie immer Jack Pierce zuständig, die optischen Tricks besorgte, ebenfalls wie üblich, John Fulton.

Dennoch gilt "The Wolf Man", aus filmhistorischer Sicht betrachtet, speziell im europäischen Raum, bei vielen eher als ungeliebtes Stiefkind des klassischen Universal-Monsterkanons. In Punkto Popularität kann's der Wolfsmensch nur schwerlich mit Dracula und dem Frankenstein-Monster aufnehmen, im Gegensatz zu den beiden anderen großen Archetypen des Genres wurde er nie diese Ikone der Pop-Kultur, obwohl Universal das Wolfsmonster fünfmal einsetzte (beginnend mit dem unmittelbaren Sequel "Frankenstein meets the Wolf Man" wechselte der Werwolf nahtlos ins Frankenstein-Franchise und blieb dort bis zum Schwanengesang der Serie, "Abbott & Costello meet Frankenstein", ansässig. Übrigens, was für Universals Horrorfranchises auch einmalig ist, wurde der Werwolf in allen Filmen von Lon Chaney jr. gespielt, während die Dracula- und Frankensteins-Monster- Darsteller munter durchwechselten).

Ein Grund für die "Vernachlässigung" des Wolfsmenschen liegt sicherlich darin begründet, dass die Werwolfslegende zwar durchaus, wie erwähnt, in vielen europäischen Legenden ihre Erwähnung findet, ihr jedoch das Aushängeschild in Form eines populären fiktiven Vorbildcharakters (sprich einer Figur wie eben dem literarischen Dracula oder Frankenstein).

Was dem Film vielleicht in Punkto Popularität schadete, war Curt Siodmaks Vorteil - der bereits im Review zu "Son of Dracula" gewürdigte deutsche Emigrant konnte für sein Script freies Land beackern, musste sich nicht an wohldefinierte Vorgaben hallten, sondern konnte frei fabulieren. Siodmak gab später zu Protokoll, umfangreiche Recherchen über die diversen europäischen Lykanthropen-Mythen durchgeführt zu haben, letztendlich erschuf er aber eine im Grundsatz eigene Mythologie, die aber ihrerseits ein Eigenleben entwickelte und bis zum heutigen Tag quasi den Status Quo der Werwolf-Regeln- und -Richtlinien darstellt. Das, wenn man so sagen will, "moderne" Werwolf-Bild geht also ursächlich auf Curt Siodmak zurück. Nach eigenen Aussagen verarbeitete Siodmak, ein deutscher Jude, in seinem Script eigene Erfahrungen, die er im Nazideutschland hatte machen müssen. In der Tat ist, um ein bis zwei Ecken gedacht, die eigentliche Werwolfproblematik für das "Drama" der Story relativ unerheblich - der zentrale Punkt des Films ist, dass Larry Talbot als "Rückkehrer" in seine alte Heimat von der dortigen Bevölkerung nicht mehr akzeptiert wird. Durch seinen langen Auslandsaufenthalt ist er für die Einheimischen nun "keiner von uns", er ist ein Fremder im eigenen Land, er wird abgelehnt, beleidigt, schlußendlich verfolgt. Es ist nicht allzuschwer, diese Diskriminierung auf die Situation eines Juden in Nazideutschland zu übertragen und den Werwolf als Metapher zu sehen (Siodmaks ursprüngliches Drehbuch sah sogar vor, dass der Werwolf bis auf die Schlussszene nie gezeigt werden sollte, es also, ähnlich wie es später in Tourneurs "Cat People" zelebriert wurde, dem Publikum den Zwiespalt eröffnete, ob Talbot sich *wirklich* in einen Werwolf verwandelte oder es, wie es im Endscript immer noch einige Male angedeutet wird, nur eine Psychose ist, die Talbot durch eine Art Massen-Fremdsuggestion seitens der feindseligen Dörfler aufoktroyiert wird. Dann wären die Parallelen zur Judenverfolgung noch offensichtlicher gewesen, alldieweil Larrys "Andersartigkeit" dann eben nur eine eingebildete gewesen wäre). Eine weitere Symbolik, für deren "Enttarnung" als Metapher man nicht Einstein sein muss, ist die "Markierung" der Opfer mit einem Pentagramm, mithin also einem Stern (und innerhalb der Werwolf-Mythologie macht es durchaus Sinn, dass der Werwolf das Pentagramm- Stigma selbst trägt als es auch als "Zeichen" seines nächsten Opfers an ebenjenem zu sehen. Schliesslich ist der Werwolf nicht bewusster Täter, sondern selbst Opfer eines Fluchs, dem er sich trotz Aufbietung aller Willenskraft nicht entziehen kann).

Aber lassen wir mal die politischen Implikationen des Scripts beiseite - das ist eher das Feld für die wirklich "harten" Filmhistoriker - hält man sich diese Parallelen vor Augen, machen sie das Script zweifellos interessanter und vielschichter, als man zunächst anhand einer "simplen Horrorstory" annehmen möchte, es ist aber nicht notwendig, sich zwingend die Vergleiche zu Nazideutschland vor Augen zu halten, um dem Film an sich folgen zu können. Unabhängig davon möchte "The Wolf Man" offenkundig ein psychologischer Horrorfilm sein, dem das Studio quasi nachträglich das Monster angetackert hat - unter diesen Voraussetzungen ist es nicht überraschend, dass die titelgebende Kreatur ihr haariges Antlitz nach ca. 40 Minuten (umgerechnet bei knapp 68 Minuten Laufzeit also ungefähr nach zwei Filmdritteln) erstmals vor die Linse hält. Obwohl Siodmak sein ursprüngliches Script auf Studiowunsch noch in Richtung konventioneller Monsterheuler umgestrickt hat, bleibt erkennbar, dass originär die Intention war, das Abgleiten Larry Talbots in den Wahnsinn zu schildern, wobei eine weitere vom Studio verlangte Änderung dem Film diesbezüglich *inhaltlich* (zu der darstellerischen Komponente komme ich noch) zum Vorteil recht - Universal erst hatte darauf bestanden, dass Larry der Sohn des Gutsherrn John Talbot sein sollte (in Siodmaks erster Fassung war Larry ein amerikanischer Techniker, der auf Talbots Schloss ein Teleskop installieren sollte). Dadurch gewinnt der Film die zusätzliche Ebene der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn - obwohl sie sich vordergründig einigermaßen zu verstehen scheinen, besteht eine psychologische Barriere zwischen den beiden - Larry fühlte sich als "Zweitgeborener" offenbar vernachlässigt bis ungeliebt und hat deswegen in Amerika die Laufbahn eines praktisch veranlagten Werktätigen eingeschlagen; das führt zu verdrängten Konfikten mit seinem Vater, einem Gentleman alten Schlages, ganz abgesehen davon, dass Larry der intellektuelle Zugang zum metaphysischen Bereich völlig fehlt (den jeder andere am Ort zu haben scheint, was ihn wiederum, siehe oben, zum Außenseiter stigmatisiert). Zum Ausbruch kommt dieser Konflikt dann kurz vor dem Finale, als Larry sozusagen bei Nacht und Nebel fliehen will, aber von seinem Vater daran gehindert wird, der scheinbar vermutet, dass Larry lediglich den Verantwortungen seiner zukünftigen Aufgabe und den Anfeindungen der Dorfgemeinschaft ausweichen will und seinen Werwolfswahn als bequeme Ausrede ansieht, womit der Vater zum (spoiler ahead) Verantwortlichen für den Untergang seines Sohnes wird (in mehrerlei Hinsicht...).

Für knappe 70 Minuten steckt in der Story also mehr als nur bloße Monsteraction (genau genommen sogar nur sehr wenig Monsteraction, da der Wolfsmensch genau EINMAL tötet). Die Geschichte ist in ihrer Unausweichlichkeit, in der sie aufs tragsiche Ende zusteuert (der Werwolf ist ähnlich dem Frankenstein-Monster eine zutiefst melodramatische Figur), ähnlich einer griechischen Tragödie strukturiert, inklusive des von den alten Griechen bekannten Hilfsmittels des erklärenden bzw. kommentierenden "Chors", der im "Wolf Man" von der immer wieder auftauchenden Zigeunerin Maleva verkörpert wird. Witzigerweise will Siodmak diese klassische Struktur völlig unabsichtlich geschaffen haben und zeigte sich überrascht, als ihm mehr als zwanzig Jahre nach der Filmentstehung fachmännischerseits eröffnet wurde, an welch antiken Vorbildern er sich vermeintlich orientiert hatte, während Regisseur George Waggner schon kurz nach den Dreharbeiten dahingehend äußerte. "The Wolf Man" mag für die zeitgenössische Kinozuschauerschaft zumindest dahingehend erschreckend gewesen sein, als seine Titelkreatur nun wirklich eine solche war, die für ihr Schicksal nichts konnte, keine moralischen Leitlinien verletzt und demzufolge ihre "Bestrafung" nicht verdient hatte (bei der "Frankenstein"-Kreatur hatten sich die Autoren ja noch den Kunstgriff mit dem "kriminellen Gehirn" ausgedacht).

Leider weist "The Wolf Man" auch einge auch schon fast klassisch zu nennende Plotholes auf. Nie erklärt wird z.B. warum Bela, der Zigeuner-Werwolf, sich in einen Wolf im animalischen Wortsinne verwandelt, während Larry in die halb-Mensch-halb-Wolf-Kreatur (auf deren Design ich noch zu sprechen kommen werde) transformiert. Auch kurios: Maleva reicht Larry einen Glücksbringer, der ihn vor dem Werwolfs-Fluch schützen soll, nachdem Bela ihn gebissen hat. Ihrem eigenen Sohn (Bela eben) hat sie ein solches Goodie aber nicht angedeihen lassen. Scheint keine glückliche Familie gewesen zu sein... Die üblichen Gestaltwandlerproblemchen (woher haben die nach der Rückverwandlung immer wieder ihre Klamotten?) lassen sich natürlich auch in "The Wolf Man" beobachten. Witzigerweise ist im Film übrigens kein einziges Mal ein Vollmond zu sehen.

Filmisch liegt Waggner auf der Linie der etwa zeitgleich entstandenen Dracula- und Frankenstein- Sequels. Die Kameraarbeit ist für die Entstehungszeit ausgezeichnet, sehr beweglich und stimmungsvoll (übrigens bemüht auch "The Wolf Man" das von James Whale geprägte Gimmick, den Film in einer "zeit- und raumlosen" Atmosphäre anzusiedeln. Auch Waggner bzw. Siodmak drücken sich um eine geographische Ansiedlung [im Script spielte die Plotte ursprünglich in Wales] und spielen bewusst mit Anachronismen [auch hier gibt's moderne Autos einerseits und Pferdefuhrwerke andererseits usw.]). Einige eher surreal- expressionistisch angehauchte Aufnahmen des unwirklichen Waldes rund um Dorf und Schloss sind inbegriffen. Dank der kurzen Laufzeit wird's nie richtig langweilig, auch wenn die Geschichte, wie angemerkt, einige Zeit braucht, um zum wirklichen "Horror" zu kommen, aber insgesamt ist das Tempo recht angenehm, auch dank des modernen visuellen Stils.

Der Score, eine Kollaboration diverser Universal-Hauskomponisten und vielfältig wiederverwendet, ist gefällig, wenngleich, wie so oft bei klassischen Horrorfilmen, etwas dick auftragend.

Auch "The Wolf Man" beinhaltet relativ wenig, was man heute noch als "Horror" bezeichnen würde. Der Body Count ist mit insgesamt vier Toten selbst für einen Kintopp-Thriller von anno dunnemals moderat, dafür ist der Streifen aber in seinen "Gewaltszenen" verhältnismäßig brutal - zum ersten Mal in der Geschichte der Universal-Horrorfilme dürfen wir einigen Mordtaten tatsächlich (wenngleich natürlich nicht frontal und exploitativ) tatsächlich zusehen! (Ich wundere mich tatsächlich, warum die in Sachen offener Gewaltdarstellung äußerst zahmen Frankenstein-Filme immer noch mit FSK 16 behaftet sind, der Werwolf aber, mit seinen drastischeren Bildern, als FSK 12 firmiert).

Kommen wir langsam zu den beiden Haken an der Geschichte, die meines Erachtens zum größten Teil dafür verantwortlich sind, warum "The Wolf Man", speziell im Vergleich zu "Frankenstein", einfach nicht diese Reputation als genrebegründender Klassiker genießt. Punkt Nummer Eins ist, ich muss es leider sagen, das extrem debil wirkende Monster-Make-up. Ja, ich weiß, es ist von Jack Pierce und daher nach Ansicht einer gewissen Klientel per se genial, aber, tut mir leid, das sieht nicht aus wie ein Werwolf, sondern wie ein sonnengebrunter Ivan Rebroff nach achtundzwanzig Pullen Wodka und einigen schlaflosen Nächten. Da tut mir Lon Chaney echt leid, dass er sich täglich vier-fünf Stunden schminken lassen musste (und das unter verschärften Bedingungen, weil er und Pierce sich nicht ausstehen konnten), aber das Endresultat ist einfach nur - natürlich aus heutiger Sicht - lächerlich. Das kann keinen Schrecken erzeugen... Einige Werwolf-Aufnahmen werden mehrfach im Film verwendet. Die Transformationssequenzen, von John Fulton durch Überblendung technisch gelöst, sind zurückhaltend (Ganzkörpertransformation traute man sich nicht zu und beließ es bei Nahaufnahmen von Füßen/Händen/Klauen bzw. Gesicht) eingesetzt und aus heutiger Sicht nicht mehr sonderlich beeindruckend.

Haken Nummer 2 ist die Besetzung, trotz ihrer Prominenz. Der grundlegende Malus des Casts ist, dass Claude Rains und Lon Chaney als Vater und Sohn völlig inkompatibel sind. Nicht nur, dass das "Männlein" Claude Rains ungefähr zwei Köpfe kleiner ist als der mittlere Kleiderschrank Chaney und die beiden ca. soviel Familienähnlichkeit aufweisen wie ein Pinguin und ein Nilpferd, verbindet die beiden keine Chemistry, die beiden spielen irgendwie aneinander vorbei (und dass Chaney zu alt und, ähm, etwas zu stattlich für die Rolle des jugendlichen Frauenhelden ist, hat nicht nur yours truly schon festgestellt). Ich hab Chaney durchaus schon schlechter aufgelegt gesehen (natürlich vor allem in den zahllosen Low-Budget-Heulern, die er im Spätherbst seiner alkoholgetrübten Karriere drehte), und auch Claude Rains macht für sich allein gesehen einen akzeptablen Job, aber es passt nicht zusammen.

Da können die Nebendarsteller auch nicht mehr viel retten, auch wenn Evelyn Ankers mal wieder eine charmante und attraktive Proto-Scream-Queen mimt und Maria Ouspenskaya eine grandiose Darbietung als Zigeunerin bietet (und übrigens jünger war als Bela Lugosi, der ihren Sohn spielt). Bela wird mit einer kleinen Nebenrolle, die ihm insgesamt SIEBEN Dialogzeilen gönnt, abgespeist, absolviert diese aber motiviert wie eh und je.

Bildqualität: Von der Universal-Legacy-Box ist man ausgezeichnete Bildqualität gewohnt und auch "The Wolf Man" enttäuscht nicht: ein ausgezeichneter Vollbildtransfer mit minimalen Defekten und Verschmutzungen, guter Schärfe und ausgezeichnetem Kontrast. Die Kompression arbeitet unauffällig.

Tonqualität: Der englische Dolby-Mono-Ton ist gelegentlich aufgrund des ein oder anderen Akzents nicht ganz optimal verständlich und bringt ein vernehmliches, aber nicht wirklich störendes Hintergrundrauschen mit. Alternativ kann man sich mit der deutschen Tonfassung behelfen oder auf eine der sechs Untertitelspuren zurückgreifen.

Extras: Wie üblich spendiert Universal dem "Stammfilm" eines Franchises nettes Zusatzmaterial. Neben dem Kinotrailer und der Fotogalerie findet sich die Dokumentation "Monster im Mondlicht", die allerdings im Vergleich zu den Dokumentationen zu "Dracula" und "Frankenstein" nicht nur deutlich kürzer ist, sondern auch mit (teilweise) weniger interessanten Gesprächspartnern aufwartet. Gehostet wird die Doku von John Landis und die wesentlichen wissenswerten Informationen liefern Rick Baker und Curt Siodmak. Ergänzendes bietet der Audiokommentar von Filmhistoriker Tom Weaver, der allerdings etwas konzeptionslos und "all over the place" wirkt.

Fazit: "The Wolf Man" ist, insgesamt gesehen, besser als sein Ruf. Er hat eine sehr interessante Grundgeschichte, die - vielleicht - als reiner psychologischer Thriller NOCH besser funktioniert hätte, und auf der nicht zuletzt quasi die gesamte moderne Werwolf-Folklore aufbaut (ergo verdanken wir diesem Film auch Meilensteine wie "Howling" ["Das Tier"] oder "American Werewolf"). Der flott gedrehte Streifen leidet hauptsächlich unter seinem kaum gruseligen Make-up und der dezenten Fehlbesetzung in den wichtigesten Rollen. In einer Classic-Horror-Sammlung darf der Film aber allein aus Vollständigkeitsgründen gar nicht fehlen...

FRANKENSTEIN MEETS THE WOLF MAN

USA 1943, 70 min, FSK 16 Regie: Roy William Neill Darsteller: Lon Chaney jr. (Larry Talbot/Der Wolfsmensch), Ilona Massey (Elsa Frankenstein), Patrick Knowles (Dr. Frank Mannering), Lionel Atwill (Bürgermeister von Vasaria), Bela Lugosi (Das Monster), Maria Ouspenskaya (Maleva), Dennis Hoey (Inspector Owen), Rex Evans (Vazec), Dwight Frye (Rudi), Don Barclay (Franzec)

Vier Jahre nach den Ereignissen aus "The Wolf Man". Grabräuber dringen in die Familiengruft der Talbots ein, wo sie nebst einem vermoderten Larry-Skelett hauptsächlich dessen angeblich mit ins Grab gelegte Wertgegenstände vermuten, die sie sich unrechtmäßig aneignen möchte. Zu ihrer Verblüffung ist Larry Talbot körperlich intakt und mit Eisenhut (engl. "wolfbane") bedeckt. Man addiere hierzu den friedlich in die Gruft scheinenden Vollmond und ehe man noch "Auferstehung" murmeln kann, weilt Larry auch schon wieder unter den Lebenden.

Wenig später wird Larry bewußtlos in Cardiff aufgelesen und in ein Hospital geschafft, wo Dr. Manering versucht, die vermutete Delle im Denkstüberl des Patienten auszubeulen. Larry verkündet wahrheitsgemäß, eben Larry Talbot zu heißen, doch der Kontrollanruf der Ordnungshüter in einer Heimatgemeinde führt zu dem zu erwartenden Resultat, dass Larry dort als allgemein bekannt verstorben, eingesargt und begraben betrachtet wird. Während Mannering und der ermittelnde Kriminalinspektor sich noch darüber streiten, ob Larry nun ein garstiger Betrüger oder nur ein armer Irrer ist, verwandelt sich der in den Werwolf und bringt einen nichts böses ahnenden Wachtmeister um. Wieder in menschlicher Form versucht Larry Mannering zu erklären, was Sache ist und bietet als potentielle Zeugin die Zigeunerin Maleva an. Soweit käm's noch, schimpft der Inspektor, dass man einer Zigeunerin glauben würde... Mannering und der Inspektor reisen in Larrys Heimatort, um der Sache dort auf den Grund zu gehen. Wären sie mal besser geblieben, denn kaum sind sie weg, macht Larry die Fliege...

Einige Zeit und strapaziöse Reisen quer durch Europa später treibt Larry tatsächlich Maleva auf und bittet sie um sachdienliche Hinweise, wie er es denn bewerkstelligen könne, tatsächlich und endgültig zu sterben. Entgegen der Warnungen ihrer Mitfahrensleut fühlt sich Maleva verantwortlich genug für Larry, um sich seiner anzunehmen und von einem Mann zu erzählen, der ihm möglicherweise helfen könnte. Eine weitere Tour D'Europe schließt sich an, ehe Larry und Maleva endlich Vasaria erreichen, vermutete Residenz eines gewissen Dr. Frankenstein...

Unglücklicherweise gewinnt der Name "Frankenstein" in Vasaria nach den Ereignissen aus "Ghost of Frankenstein" keine Popularitätspreise, außerdem ist der Doktor mitsamt dem Monster verschmurgelt. Dumm für Larry und noch dümmer, dass wieder mal Vollmond ist (die Anschaffung eines Mondkalenders würde sich für Larry langsam rentieren...), er pflichtschuldigst in den Werwolf mutiert und dafür sorgt, dass die eh schon gereizte Einwohnerschaft Vasarias schon bald mit bösem Blick die Leiche einer jungen Frau über die Hauptstraße tragen darf. Der Lynchmob ist schnell aufgestellt - der Werwolf flüchtet sich in die Ruine des Frankenstein-Schlosses (ja, mit der Continuity hat's Universal nie so gehabt...), wo er in die Kellergewölbe stürzt. Maleva wird von den aufgebrachten Städtern prophylaktisch verhaftet.

Larry kommt in den Katakomben des Schlosses zu sich und findet das wie in Bernstein hinter Glas konservierte Frankenstein-Monster und befreit es in der zutreffenden Hoffnung, dass es ihn zu den Aufzeichnungen des Dottores führen kann, von denen sich Larry Aufschluss über die Möglichkeiten zur terminalen Beendigung seiner Existenz verspricht. Obschon das Monster nominell mit Ygors machthungrigem Gehirn ausgestattet ist, ist es a) verstummt und b) in der Tat hilfreich, nur findet sich im feuerfesten Safe des Anwesens kein schriftliches Zeugnis der Monsterexperimente, dafür aber ein Foto von Elsa Frankenstein, der Tochter des Hauses.

Larry entwirft einen genialen Plan - in der Maskerade eines reichen Amis (woher hat er die Kohle für den neuen Anzug und den Hut und wieso lässt er Maleva undankbar im Knast schmoren?) unterbreitet er dem Bürgermeister Vasarias das Angebot, das Frankenstein-Land aufzukaufen, wofür notgedrungen die Baroness (irgendwann zwischen "Ghost of Frankenstein" und diesem Film hat die Frankenstein-Sippe mal wieder den Adelstitel angenommen) persönlich vorbeikommen muss. Larry wünscht sich von ihr die Aufzeichnungen ihres Vaters, doch Elsa, aus Schaden klug geworden, lehnt ab. Nicht aber die Einladung zum örtlichen Weinfest, das nicht ohne eine ausführliche Sangeseinlage von statten geht. Larry rastet allerdings aus, weil er die arglos gesungenen Zeilen vom Schlage "mögest du ewig leben" auf sich persönlich bezieht und wird von Dr. Mannering aufgespürt, der seiner Spur quer durch Europa gefolgt ist (Leichen pflastern seinen Weg, nehme ich an). Noch während der Doktor und das liebe Vieh, eh, Larry, erregt diskutieren, gellen Schreie über den Platz - das Frankenstein-Monster stakst heran und verbreitet Angst, Terror usw. (d.h. es rempelt ein Pferd an). Larry kann die Kreatur beruhigen und kontrollieren, ergreift mit ihr die Flucht, was ihn speziell bei den Vasariern nicht wirklich beliebt macht. Die ventilieren ihren Zorn ersatzweise auf Elsa Frankenstein. Nur dem einigermaßen bedachten Eingreifen des Bürgermeisters ist zu verdanken, dass die Städter nicht der Einfachheit halber Elsa (und Dr. Mannering, weil der günstig rumsteht) lynchen.

Mannering offeriert seine Hilfe - als Mann der Wissenschaft hat er sich ausgerechnet, dass die künstlich geschaffene Kreatur nur auf gleichem Wege wieder vernichtet werden kann (hm.... darüber sollte man nachdenken), und er bietet sich als ausführender Exekutivscherge an, so man ihn lässt. Man lässt, und Maleva und Elsa begleiten ihn zur Schlossruine. Unter dem Vorwand, sowohl Larry als auch der Kreatur "helfen" zu wollen, finden sie Einlass. Elsa produziert aus einem Geheimfach die väterlichen Aufzeichnungen, die Mannering vermitteln, wie man dem Monster den Saft seiner übermenschlichen Lebenskraft abdreht (man kehrt die Polarität seiner Elektroden um, wenn ich das richtig verstehe...), und auch Larry ist zuversichtlich, dass er auf ähnliche Weise in die ewigen Wolfsjagdgründe geschickt werden kann. Frankensteins Maschinerie hat das Großfeuer erfreulicherweise weitgehend unbeschadet überstanden, so dass das fröhliche Experimentieren beginnen kann. Gewisse Teile der Stadtbevölkerung vermuten aber, dass dabei nix gutes rum kommt und schlagen vor, den praktischerweise über dem Schloss liegenden Damm (eh, geographische continuity?) zu sprengen. Der Bürgermeister verbietet es.

In der Zwischenzeit kommt Elsa zu der Erkenntniss, dass Mannering sich deutlich stärker für die Kreatur interessiert als es sich ziemen würde, und sie hat Recht. Mannering wird von dem Fanatismus der Frankensteine angesteckt und beabsichtigt im entscheidenden Experiment, die Kreatur nicht zu vernichten, sondern vielmehr voll aufzuladen! Elsa sabotiert den Vorgang, das Monster reißt sich los und klemmt sich, nachdem es Mannering ins Reich der Träume geschickt hat, das Weib unter'n Arm. Was komischerweise den mal wieder zum Tier gewordenen Larry so persönlich aufregt, dass er die Kreatur zum Showdown monster-a-monster stellt...

Der Film: Nachdem sich Universal bis dato geschwindigkeitsmäßig mit der Produktion von Sequels zu ihren Horror-Kassenknüllern nicht gerade überschlagen hatte, wollte das Studio nach dem Erfolg von "The Wolf Man" keine Zeit verlieren. Da parallel "Ghost of Frankenstein" auch noch mal einen leidlichen Batzen Geld eingespielt hatte, kamen die Studiokoryphäen auf den (letztlich) unglückseligen Einfall, die beiden Erfolgsfranchises zu kombinieren. Nun haben franchiseübergreifende Sequels noch selten wirklich *funktioniert* (frag nach bei Charles Band, der probiert das auch immer wieder und wird nicht schlau draus)...

Nun, das sollte nicht das Problem von Universal sein, die überliessen es fieserweise "Wolf Man"-Autor Curt Siodmak, sich was einigermaßen plausibles für ein Crossover einfallen zu lassen. Manchmal sind Drehbuchautoren nicht zu beneiden. Siodmak, bekanntlich nicht der schlechteste Autor, stand also vor der undankbaren Aufgabe, die Franchises zu verschmelzen, hatte dabei aber immerhin einen Vorteil - sowohl das "Frankenstein"-Franchise als auch der "Wolf Man" spielten in einem "Alternativuniversum", in dem genau zeitliche und örtliche Datierung vernachlässigt werden konnte (ironischerweise siedelt "Frankenstein meets the Wolf Man" den Vorgängerfilm definitiv in Wales an, worum sich "The Wolf Man" noch explizit drückte; dort stand's zwar so im Script, wurde im Film aber nie angesprochen), zumindest insofern bereitete die Vermengung der Motive also keine größeren Schwierigkeiten.

Grundsätzlich behandelt Siodmak den Stoff primär als "Wolf Man"-Sequel, was ja auch sinnig ist, da der Wolfsmensch nun mal "sein" Baby ist, während er mit dem Frankenstein- Franchise bis dato nichts zu tun hatte. Im Vordergrund steht also eindeutig das Schicksal Larry Talbots und sein Todeswunsch, den er noch in einigen Sequels hegen und pflegen sollte. Sicher die richtige Entscheidung, das Pferd von dieser Seite aufzuzäumen - da kann Siodmak sich erst mal darum kümmern, einen einigermaßen glaubhaften Aufhänger zu finden, Larry Talbot wiederzubeleben (auch wenn der nicht gerade stark ist - Vollmondlicht allein reicht? Das hätten die Zigeuner im Laufe der Jahre auch herausfinden können, dann wäre auch Bela zu helfen gewesen) und dann von dort aus SEINE Geschichte weiterzufabulieren. Mit Larrys Flucht aus dem Hospital wird allerdings das bis dorthin betriebene Storytelling sehr abrupt abgehackt, aber man muss irgendwann in Richtung Frankenstein-Story kommen, und dann darf man nicht zu viel Zeit mit walisischen Polizeiermittlungen totschlagen.

Mit der Frankenstein-Heritage gerät Siodmak allerdings ganz schön ins Schleudern - zwar war die Serie auch in den Vorgängerfilmen kein Ausbund an schlüssiger Kontinuität, aber unser Autor wirft doch, im Bemühen einigermaßen stimmig an "The Ghost of Frankenstein" anzuschließen, einiges durcheinander - gut, dass Ludwig Frankensteins Sanatorium sich zwischen den Filmen in eine mittelalterliche Trutzburg bzw. Ruine einer solchen verwandelt hat, muss nicht unbedingt Siodmaks Schuld sein, vielleicht hielten Produzenten und/oder Regisseur es für "filmischer", dass hinter dem Gemäuer seit "Ghost" aber ein mittleres Gebirge mit Stausee gewachsen ist, das MUSS so im Script stehen, schließlich baut das Finale darauf auf - und das ist einfach schlampig (zumal hier auch die Entschuldigung fehlt, dass seit dem letzten Film der Reihe ein paar Jahre ins Land gezogen waren, wie's bei den vorhergehenden Frankenstein-Sequels immer war. "Ghost", "Wolfman" und "Frankenstein meets the Wolf Man" entstanden in direkter Abfolge). Auch mit den diversen Frankensteinen verhaspelt Siodmak sich gelegentlich - verschiedentlich scheint das Script Ludwig und Henry Frankenstein durcheinanderzuwerfen, manchmal als eine Person aufzufassen (es wird impliziert, dass Frankenstein, welcher nun auch immer, das Monster im Sanatorium geschaffen hat). Unter diese Kategorie fällt auch, dass die Vasarier etwas sehr empfindlich auf den Namen Frankenstein reagieren, wo ihre Ortschaft doch nur einmal (und in überschaubarem Rahmen, was den Verlust an Menschenmaterial angeht) unter den Umtrieben des Monsters gelitten hat. Da haben die Bewohner des Dorfes Frankenstein schon ganz anderes ausgesessen...

Der Ansatz, Larry Talbot eine gewisse Sympathie für das Frankenstein-Monster empfinden zu lassen, ist ein praktikabler - er greift die schon von James Whale etablierte und in "Son of Frankenstein" zum zentralen Plotpoint gemachte These der "Solidarität der Außenseiter" erneut auf. Larry erkennt in dem Monster eine Art "Seelenverwandten" (auch wenn das insofern mit der Frankenstein-Timeline kollidiert, dass das Monster ja inzwischen das zweifellos "böse" Hirn von Ygor im Schädel hat, der Mitleidsfaktor sich also in gewissen Grenzen halten sollte. Aber das weiß Larry wiederum nicht), auch wenn mir nicht ganz klar ist, welches Interesse Larry daran haben sollte, dass Dr. Mannering das Monster "heilt", während es nach seiner eigenen Logik doch für Bemitleidenswerte seines Schlages das beste ist, endgültig zu sterben...

Speaking of that, die Punkte, mit denen Siodmak "Wolf Man" und "Frankenstein" verknüpft, sind auf den ersten Blick gar nicht mal so unelegant eingeführt, man darf nur nicht drüber nachdenken. Woher ausgerechnet Maleva weiß, an welchen Doktor man sich wenden müsse (gut, das fahrende Volk kommt bekanntlich gut rum, aber der Zigeuner-Geheimdienst hat nicht immer die neuesten Informationen, sonst wüsste Maleva auch, dass Ludwig Frankenstein hinüber ist), ist fraglich, ebenso, was genau an Frankensteins Forschungen nun Larry helfen sollte - das "Geheimnis von Leben und Tod" mit seiner unspezifizierten "Lebensenergie" ist doch sehr vage formuliert. Nicht wirklich schlüssig erklärt wird auch, warum Larry in Werwolfs-Form zu Elsas Rettung und zum Kampf gegen das Monster schreitet - schließlich war bisher etablierter Gospel, dass er, sobald in verwerwolfter Form, nicht mehr Herr seiner Sinne ist und nur noch instinktiv, nicht bewusst, handelt.

Und wenn schon das Script keine direkten Fehler macht, sorgt die Post-Production für Nonsens. Bela Lugosi, der nun zwölf Jahre nach "Frankenstein", wo er den Karloff-Part, wie auch an dieser Stelle schon beschrieben, dankend ablehnte, schlüpft nun doch noch ins Monster-Make-up und ist Opfer von viel Hohn, Spott und Häme, die über seine Performance ausgeschüttet werden. Okay, erst einmal tut es natürlich weh, den großen Bela zu einer Witzfigur (und nichts anderes als eine nebensächliche Witzfigur war das Frankenstein-Monster mittlerweile) reduziert zu sehen, aber seine theatrischen Armwedeleien (heutzutage der klassische, vielfältig imitierte Monsterwalk mit den weit ausgestreckten Armen) und sein sinnlos wirkendes Herumgestakse sind nicht unbeabsichtigt - im Originalscript war das Monster nämlich durch die Vorfälle in "Ghost of Frankenstein" erblindet und ertastete sich seinen Weg. Aus unerfindlichen Gründen entschieden sich die Produzenten aber, im Endschnitt sämtliche Verweise auf die Blindheit der Kreatur zu entfernen, ebenso wie sämtliche von Lugosis Dialogzeilen (das Monster sprach nämlich durchaus, hatte ja auch Ygors Gehirn), angeblich weil Lugosis ungarischer Akzent vom Testpublikum ausgelacht worden sei (dabei hätte es aufgrund der Ygor-Lugosi-Connection ja sogar Sinn gemacht) - man gab Lugosi also ohne Zögern der Lächerlichkeit preis, wo es doch für ihn schon demütigend genug gewesen sein muss, die Rolle, die er einst stolz abgelehnt hatte und für die Karloff berühmt wurde, anzunehmen (man machte sich nicht mal die Mühe, die Szenen, in denen die Kreatur sprach, "stumm" nachzudrehen oder sie zu schneiden, sondern kratzte einfach nur Belas Stimme von der Tonspur). Lugosi ist übrigens nicht der einzige Mann im Monster-Make-up, für einige Szenen (hauptsächlich den Showdown und die Szene, in der Larry Talbot das Monster entdeckt) springt Stuntman Eddie Parker ein, der leider keine besondere Ähnlichkeit mit Lugosi hat (Tom Mason oder ein anderer Chiropraktiker stand wohl nicht zur Verfügung...). Zusammenfassend kann man sagen, dass weder der Charakter des Monsters noch sein Darsteller von diesem Film wirklich gut behandelt werden...

Regisseur Roy William Neill, der wie die meisten Kollegen, die Universal an die Horrorfilme ran liess, bereits jede Menge Routine aus Stummfilmtagen mitbrachte und gerade erst die "Sherlock Holmes"-Serie mit Basil Rathbone übernommen hatte, die er bis zu seinem Tod 1946 betreute, kann sich auf den bewährt guten Kameramann George Robinson, der z.B. schon den spanischsprachigen "Dracula" und die letzten Frankenstein-Filme fotografiert hatte, verlassen. Der Film ist für eine moderat budgetierte B-Produktion recht sorgfältig inszeniert und angemessen fotografiert - natürlich fern jeder künstlerischen Vision, aber auch mit einigen netten Sequenzen (die Eröffnungsszene des Grabeinbruchs gilt als einer der späten Höhepunkte des Universa-Horrors, als recht gelungen betrachte ich auch das Zitat aus dem Ur-Frankenstein [totes Mädchen wird durch's Dorf getragen]). Das Tempo des Streifens ist eher mäßig - es gibt relativ wenig "Action", es wird viel gesprochen und einiges ist doch repetetiv, und ganz besonders auf die ausschweifende Sangeseinlage (auch wenn der Text von Siodmak ist und speziell auf die Filmstory abgestimmt ist) hätte ich verzichten können. Richtiger Leerlauf in Form von Langeweile kommt aber nicht auf - dafür sind 70 Minuten dann doch zu kurz. Die Action hebt sich der Film für seinen Showdown auf, in dem's dann zum langerwarteten Duell Werwolf gg. Monster kommt (wen's interessiert und spoilerresistent ist: es endet mit einem technischen Unterschieden aufgrund Zerstörung der Kampfstätte, Schicksal der Protagonisten bis zum nächsten Sequel ungewiss). Und Monsterkloppereien sind halt von Haus aus lustig...

Auf der Effektseite ist zu vermelden, dass Jack Pierces' Werwolf-Make-up immer noch nicht furchterregender aussieht als im Vorgängerfilm, man sich aber "transformationstechnisch" mehr zutraut - Larry verwandelt sich vollständig vor der Kamera in die Wolfskreatur, während man bei "Wolf Man" doch lieber nur mit einzelnen Körperteilen (und gelegentlichen "Stunthänden") gearbeitet hatte. Neue Einfälle wie ein Gips-Kissen (für die Krankenhaus-Verwandlungsszene), das es durch seine Härte und Unverformbarkeit unmöglich machte, den Schädel in einer anderen als der gewünschten Position zu betten, machten es möglich. Das Frankenstein-Monster sieht natürlich aus wie üblich, auch wenn Lugosi nicht die ideale Statur dafür hat. Die Miniaturtricks im Finale (wenn der Damm bricht und das Schloss zerstört) sind achtbar.

War der "Wolf Man" im Kontext des alten Universal-Horrors relativ brutal, gibt sich dieses Sequel zahmer - der Bodycount ist mit "drei" auf der reichlich konservativen Seite, und nur einen der Morde gibt's on-screen.

Zur Schauspielerkritik: Lon Chaney, der ursprünglich, so munkelt man, beide Monster spielen sollte (schließlich war er in "Ghost of Frankenstein" schon das dortige Monster) und gegen Ende seines Lebens auch behauptete, beide Monster gespielt zu haben (das dürfte er dann aber doch geträumt haben), hat in "FmtWM" den Vorteil, nicht gegen Claude Rains anspielen zu müssen (wg. der erwähnten zip chemistry) und keine Love Interest zu haben (was an Chaneys nicht gerade "romantic lead" brüllenden Looks und seinem beachtlichen Bauchumfang scheiterte). Chaney kann also Nebenkriegsschauplätze wie komplizierte Vater-Sohn-Beziehungen und unglückliche Liebeleien ad acta legen und sich darauf konzentrieren, der Verzweiflung und dem Todeswunsch seines Charakters Ausdruck zu verleihen. Das funktioniert ganz gut - sicher ist Chaney kein Karloff, aber ansatzweise gelingt es Chaney, den Kummer seiner Rollengestalt angemessen zu transportieren.

Das mitunter in den Universal-Filmen irritierende Wechselspiel der Schauspieler von einem Charakter zum nächsten feiert auch in "FmtWM" fröhliche Urständ. Patrick Knowles, in "The Wolf Man" noch Chaneys Nebenbuhler um Evelyn Ankers' Gunst, spielt nun seinen behandelnden Arzt und späteren Frankenstein- Nacheiferer Dr. Mannering - seine Wandlung vom hilfsbereiten Samariter bis zum fanatisierten Aushilfsmonsterbastler wird von seiner Performance nicht ausreichend gestützt, das ist mehr die "zack-und-das-ist-jetzt-so"-Schule, das muss man einfach glauben.

Die Rolle der Elsa Frankenstein, ursprünglich von Evelyn Ankers gespielt, übernimmt die Ungarin Ilona Massey (weswegen man sich nicht wundern darf, warum Elsa sich seit dem letzten Film einen osteuropäischen Akzent antrainiert hat). Massey war ursprünglich eine Operettensängerin, die hoffte, in amerikanischen Musicals Beschäftigung zu finden. MGM spannte sie mit dem damals populären Operettenfilmstar Nelson Eddy zusammen, aber die Verbindung klappte aus ungewöhnlichen Gründen kommerziell nicht: Eddy lieferte sich gerade einen in der Öffentlichkeit ausgetragenen wüsten Streit mit seiner bisherigen Stamm-Filmpartnerin, was Massey überhaupt erst die Chance ermöglichte, an seiner Seite zu spielen. Blöderweise hielt das (offenbar nicht wirklich intelligente) Publikum Eddy und vormalige Partnerin für ein ECHTES Ehepaar und betrachtete es als "Ehebruch", Eddy mit Massey auf der Leinwand poussieren zu sehen. Da Masseys Singstimme auch nicht allerhöchsten Ansprüchen genügte, sah sich die Aktrice bald dazu veranlasst, Klischee-Rollen als Russin o.ä. in B-Filmen anzunehmen (z.B. im "Invisible Spy"). Als Elsa Frankenstein macht sie eine ganz passable Figur, sie gibt der in "Ghost of Frankenstein" recht stiefmütterlich behandelten Rolle etwas mehr Tiefgang.

Zu Bela Lugosi hab ich mich schon ausgelassen - vielleicht war es gerade diese Rolle, die Lugosi kommerziell das Genick brach; als lächerlich herumstolpernder Pausenclown ging er wohl jeglicher Glaubwürdigkeit als ernsthafter Horror-"Star" verloren und drehte danach auch mit der Ausnahme von "Abbott & Costello meet Frankenstein" auch nichts mehr wirklich gehaltvolles (außer natürlich die Ed Wood-Filme, gelle).

Lionel Atwill, bereits bekannt und beliebt als Inspektor Krogh und Dr. Bohmer, gibt in seinem dritten Auftritt in der "Frankenstein"-Reihe den Bürgermeister von Vasaria, keine besonders große, aber eine einigermaßen brauchbare Rolle. Maria Ouspenskaya, die ihre Rolle als Zigeunerin Maleva wieder aufgreift, hat nicht wirklich viel zu tun (und verschwindet auch mal für einen längeren Zeitraum aus der Handlung). In einer kleinen Rolle als Einwohner Vasarias verdingt sich "Renfield" Dwight Frye.

Bildqualität: Dafür sollte ich mir eigentlich langsam 'nen Textbaustein zulegen. Auch bei "Frankenstein meets the Wolf Man" gibt's keine gravierenden Probleme mit dem Bild. Ein paar altersbedingte Defekte und Laufstreifen schleichen sich zwar ein, aber nichts, was den Filmgenuss entscheidend trübt. Schärfe und Kontrast sind, ebenso wie die - allerdings bei 70 Minuten Laufzeit ohne Extras kaum geforderte - Kompression hochanständig.

Tonqualität: Der englische O-Ton (Dolby Mono 2.0, wie immer) klingt sogar etwas besser als bei "The Wolf Man". Die Dialoge sind insgesamt klarer verständlich, der Rauschpegel ist minimal. Wahlweise gibts den Ton auch in Deutsch oder Französisch, Untertitel werden zusätzlich noch für's Holländische mitgeliefert.

Extras: Leider nur der Wiederaufführungs-Kinotrailer von 1948, in arg ramponiertem Zustand.

Fazit: "Frankenstein meets the Wolf Man" ist für ein Crossover-Sequel wahrscheinlich "as good as it gets". Der Film zeichnet sich durch eine professionelle Machart aus und sein Script bemüht sich redlich, die beiden Franchises in einen annehmbaren inhaltlichen Zusammenhang zu bringen. Dass sich der Film heutzutage beinahe schon im "camp"-Lager wiederfindet, liegt hauptsächlich an den Fehlentscheidungen von Universal hinsichtlich der Lugosi-Monsterrolle; das allein zieht den Film ins Lächerliche; die anderweitigen Schwächen im Script sind vergleichsweise verzeihlich (die interne Continuity der "Frankenstein"-Reihe war eh nie die bestem, warum sollte es der fünfte Teil also besser machen...).Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf durchschnittlichem Niveau, die Effektarbeit zeigt sich gegenüber "The Wolf Man" verbessert.

Letzte Worte - nötig war dieser Film sicher nicht, aber er ist erträglich. Der Abstieg speziell der Frankenstein-Kreatur vom tragischen, tiefgründigen Anti-Helden zum Pausenkasper ist allerdings vollzogen: die Position des zentralen Charakters übernimmt nunmehr eindeutig Universals eigene Schöpfung, der Werwolf. Betrachtet man den Streifen außerhalb des Kanons der "richtig guten" Frankenstein-Filme, sorgt er aber immer noch für eine ansehnliche Fuhre old fashioned fun.

HOUSE OF FRANKENSTEIN

USA 1944, 68 min, FSK 16 Regie: Erle C. Kenton Darsteller: Boris Karloff (Dr. Gustav Niemann), J. Carrol Naish (Daniel), Lon Chaney jr. (Larry Talbot/Der Wolfsmensch), John Carradine (Dracula), Anne Gwynne (Rita Hussman), Peter Coe (Carl Hussman), Lionel Atwill (Inspector Arnz), Elena Verdugo (Ilonka), George Zucco (Professor Lampini), Glenn Strange (Das Monster)

Im Gefängnis von Neustadt schmachtet seit fünfzehn Jahren Dr. Gustav Niemann mit seinem buckligen Gehülfen Daniel vor sich hin. Wie einst Dr. Frankenstein ist er besessen von Gehirntransplantationen und künstlichem Leben, wurde wegen diesbezüglicher, Leichenteile beinhaltender Experimente in Vasaria einst verknackt, lässt sich aber von derlei Widrigkeiten nicht abhalten und arbeitet auf rein theoretischer Basis weiter (Narrenhände bemalen in diesem Falle Zellenwände mit Formeln und graphischen Darstellungen der Experimente). Daniel, der Bucklige, mischt mit, weil er sich von Niemann einen besseren Körper erhofft. Kollege Zufall kommt den Eingeknastelten in Form eines Sturms zu Hilfe - der reißt die Mauern des Gefängnisses ein und erlaubt ihnen die Flucht...

Professor Lampini, Inhaber einer mobilen Jahrmarkts-Horrorschau, gabelt die Flüchtigen auf. Der Mann hat keine Feld-, Wald- und Wiesengeisterbahn, sondern eine Spezialattraktion - das originale Skelett des leibhaftigen Grafen Dracula, nur echt mit dem Pflock zwischen den Rippen. Weil Lampini sich nicht Niemanns Willen unterwerfen will, muss er ins Gras beißen. Niemann nimmt seine Identität an und reist nach Reigelburg, wo er den mittlerweile dort in Amt und Würden bürgermeisternden Hussmann aus purer Rache für die einstmalige Verurteilung umbringen will.

Hussmann hat einen Enkel namens Carl und eine amerikanische Schwiegertochter namens Rita, die, being american and stuff, ganz begeistert davon ist, sich um Mitternacht die Spätvorstellung der Horrorshow anzusehen. Hussmann wird, ebenso wie Polizeiinspektor Arnz, von ihr mitgeschleift. Niemann aka Lampini führt das Dracula-Skelett vor, aber Hussmann verlacht die Attraktion. Niemann schäumt vor Wut und entfernt den Pflock aus dem Vampirskelett - einen (für 1944 ausgezeichneten) Effekt später ist Dracula in Fleisch und Blut wieder auf dieser unserer Welt. Ein Unterstützungsabkommen auf Gegenseitigkeitsbasis ist schnell geschlossen, für fortwährenden Schutz ist der alte Halsbeißer bereit, Niemann die ein oder andere Gefälligkeit zu erweisen. Und er macht sich flott ans Werk, beißt in Fledermausform Hussmann tot, hypnosaftet Rita und entführt das Mädel. Die berittene Gebirgsmarine unter Arnz' Führung nimmt die Verfolgung auf. Niemann vergißt die versprochene Hilfeleistung und opfert den Vampir, um selbst unauffällig entkommen zu können. Mit Draculas erneutem Tod durch Sonnenlicht wird der Hypno-Bann von Rita genommen...

Niemanns nächstes Ziel ist das Dorf Frankenstein, wo er die Aufzeichnungen des alten Monsterbastlers zu finden hofft. Vor Ort entbrennt Daniel in ewiger Liebe zu der Zigeunertänzerin Ilonka und rettet sie vor dem mißgünstigen Clanchef Fejos und dessen Peitsche. Erwartungsgemäß ist Ilonka von Daniels Hässlichkeit eher schockiert, findet ihn aber trotzdem ganz nett. In einem der wüsten Anfälle von Dis-Kontinuität, die die Frankenstein-Serie schon seit längerem auszeichnet, ist Frankenstein nunmehr wieder der Ort, an dem Ludwig Frankenstein einst mit dem Monster experimentierte und Dr. Mannering den Wolf Man zu heilen versuchte (ungeachtet der Tatsache, dass das ein bzw. zwei Filme früher noch in Vasaria, das jetzt eh "Visaria" heißt, stattfand). In den Ruinen des Frankenstein-Schlosses stossen Niemann und Daniel auf die in einer Eisgrotte (!) tiefgefrorenen Monster und tauen sie auf. Niemann erhofft sich von den Tiefkühlmonstern Informationen über den Verbleib der Aufzeichnungen. Larry Talbot ist sauer, wieder einmal unter die Lebenden geholt zu werden und damit wieder dem Werwolfs-Fluch anheim gefallen zu sein, aber Niemann kann ihn mit der Aussicht auf endgültige Heilung einwickeln. Mit Talbot, dem stark angeschlagenen Frankenstein-Monster und der Gebrauchsanweisung Henry Frankensteins im Gepäck macht sich der Tross auf nach Vasaria, wo Niemanns altes Labor auf neue Belebung wartet.

Für Daniels Geschmack macht Ilonka Larry Talbot zu schöne Augen - klar, gegen Daniel kann sogar der Nicht-Adonis Larry gut aussehen. Der Bucklige schiebt heftige Eifersucht, aber für derlei Kinkerlitzchen hat Niemann keinen Nerv. Zunächst mal gilt es, sich an den zwei Zeugen, die Niemann einst hinter Gitter brachten, zu rächen. Aus denen werden unfreiwillige Gehirnspender für Niemanns finstere Experimente. Sein (mir nicht ganz plausibler) Plan: die beiden sollen zukünftig die diversen Monster-Körper bewohnen. Allerdings scheint der Herr Doktor ein wenig den Überblick verloren zu haben, fügt er doch einen Satz später an, dass er das Monster-Gehirn in Larrys Körper verpflanzen möchte (ganz so, als wären Wolfsmensch und Larry Talbot zwei unterschiedliche Entitäten mit unterschiedlichen Gehirnen). Dies erzürnt Daniel, der sich selbst Hoffnungen auf Larrys Körper gemacht hat, um damit bei Ilonka landen zu können (den kleinen Haken des Werwolfsdaseins nimmt Daniel wohl gern in Kauf). Angesäuert bindet Daniel Ilonka ans Bein, dass Larry seines Zeichens ein Lykanthrop ist und erntet für diese völlig richtige Information blanken Hass: "Du lügst, und außerdem bist du gemein und hässlich!" Dabei hat er ja völlig Recht - es ist übrigens mal wieder Vollmond und damit Zeit für's Gassi gehen mit Wölfi. In Wolfsform tötet Larry einen Dorfbewohner und ist ganz zerknirscht, zumal er sich in der nächsten Nacht wieder verwandeln werde und vielleicht sogar Ilonka umbringen werde (erstens: äh, ich dachte, Vollmond gibt's nur EINMAL pro Monat, und zweitens, nein, natürlich entschuldigt sich Ilonka nicht beim armen Daniel, nachdem sie auch von Larry erfährt, was Sache ist). Im übrigen präzisiert Larry die Methode, wie man einen Werwolf erfolgreich plättet: eine Silberkugel, abgefeuert von jemandem, der den Werwolf "genug liebt, um zu verstehen!" Da fühlt sich Ilonka betroffen, erinnert sich an ihre Ausbildung im Gold- und Silberschmiedhandwerk und backt sich eine Silberkugel.

Während sich in den Wäldern um Niemanns Labor bereits der übliche fackelbewehrte Mob der Dörfler zum Sturm sammelt, bastelt Niemann am Frankenstein-Monster: 100.000 Megavolt (!!!) sollen die Kreatur zu neuem Leben erwecken. Und Ilonka plant, Larry zu erlösen - das sollte doch einen netten Showdown abgeben...

Der Film: Nachdem "Frankenstein meets the Wolf Man", das erste Franchise-Crossover der Universal Studios, doch wieder genug Kohle eingespielt hatte, um eine weitere Fortsetzung lukrativ erscheinen zu lassen, kamen die schlauen Studioköpfe auf den grandiosen Gedanken, die Crossover-Idee weiterauszubauen und auch noch den blutsaugenden Vampir Dracula (zuletzt von Lon Chaney jr. in "Draculas Sohn" verkörpert) einzubauen (ursprünglich sollte auch noch die "Mumie", von Universal nach dem noch zu würdigenden Boris-Karloff-Klassiker auch durch ein ganzes Rudel unterfinanzierter Sequels gehetzt, mitmischen, was aber aus Budgetgründen verworfen wurde. Dennoch wurde der Film als Aufeinandertreffen von FÜNF Monstren vermarktet - die cleveren Marketingstrategen zählten den "Mad Scientist" und den "Hunchback" als Monster).

Als Regisseur wurde Erle C. Kenton verpflichet, der bereits "Ghost of Frankenstein" realisiert hatte, als besonderes Plus kehrte, nach zwei Filmen Auszeit, Boris Karloff in die Serie zurück, allerdings mitnichten, um das Monster zu spielen, nein, in einem spektakulären Seitenwechsel mimte er nunmehr den Mad Scientist. Lon Chaney jr. gab erneut den Wolfsmenschen, die Rolle des Frankenstein-Monsters übernahm den unbekannte Western- Nebendarsteller Glenn Strange und als neuen Dracula verpflichtete man den bis weit in die 80er Jahre im Horror-Genre nahezu unverzichtbaren John Carradine, der in der "Frankenstein"-Reihe bis dato nur als Jägersmann in "Frankensteins Braut" aufgetaucht war.

Die Story erdachte erneut Curt Siodmak, die Ausformulierung in Drehbuchform besorgte allerdings Edward T. Lowe jr., der 1915 sein erstes Script ablieferte, u.a. 1923 die legendäre Lon-Chaney-sen.-Version des "Glöckners von Notre Dame" schrieb und in der Tonfilmära für einige beliebte Detektiv-Filmserien wie "Bulldog Drummond" und "Charlie Chan" Bücher ablieferte. Die Kamera bediente erneut George Robinson, die Effekte teilten sich wie üblich Jack Pierce (Make-up) und John Fulton (Trickfotografie).

Auch wenn Universal das Konzept auslutschte wie ein drei Wochen altes Drops - man kann dem Studio nicht vorwerfen, es hätte nicht professionell arbeiten lassen; die Voraussetzungen hätten viel schlimmer sein können, auch wenn man sich schon gefährlich dem puren "camp" annäherte.

Ändert nur leider nichts daran, dass das Script, was seine Monster angeht, ein ziemlicher Schuss in den Ofen ist - was vor allem daran liegt, dass der schreibenden Zunft zum eigentlichen Thema "Monster-Crossover" nicht wirklich was gewinnbringendes eingefallen ist, vielmehr macht "House of Frankenstein" den Eindruck, als hätte man zwei Kurzfilme aneinandergeschnitten - die Dracula- und die Werwolfs-Episode (vom Frankenstein-Monster will ich gar nicht reden) laufen ohne jegliche Berührungspunkte, sie haben keinen Zusammenhang (lustigerweise wurde in den 60er Jahren, als 8-mm-Heimkinofilme populär wurden, die Dracula-Geschichte quasi als "Single" unter dem Titel "Doom of Dracula" ausgekoppelt...), die Monster haben keinerlei Interaktion (es kommt nicht mal zu einem Kampf zwischen Werwolf und Frankenstein- Monster). Speziell die Dracula-Episode macht einen sehr alleingelassenen Eindruck (was schade ist, da sie eigentlich die sorgfältiger geschriebene ist und durchaus Potential hätte; die Beziehung zwischen Dr. Niemann und dem Vampir birgt einiges an an dramaturgischen Möglichkeiten, die völlig ungenutzt bleiben), sie ist für die Handlung irrelevant und schindet nur gut zwanzig Minuten Laufzeit, ehe wir zum eigentlichen Plot kommen, der dann wieder einmal um Larry Talbot kreist und, wie es sich schon in "Frankenstein meets the Wolf Man" andeutete, das Frankenstein-Monster selbst zur Staffage im Hintergrund degradiert, das nur noch des Wiedererkennungswerts wegen mit von der Partie ist. Schon bedenklich, wie Universals berühmtestes Monster inzwischen wirklich zur besseren Komparserie verkommen ist (und einmal mehr möchte man Boris Karloff zu seiner Entscheidung beglückwünschen, nach "Son of Frankenstein" das Handtuch zu werfen). "House of Frankenstein" ist, trotz seines Titels, bestenfalls ein halber "Dracula" und ein halber "Wolf Man", hat mit Frankenstein und seiner Kreatur aber wirklich nur noch ansatzweise zu tun.

Wie schon gewohnt und in der Inhaltsangabe schon angeklungen verheddert sich der Streifen heftig in der internen Continuity (besonders der geographischen) der Serie, was ich, da wiederhole ich mich, glaube ich, besonders schade und lässlich finde, da die Filme ja doch in enger zeitlicher Abfolge entstanden sind - sowas KANN man mit etwas gutem Willen korrigieren, aber Universal, auch das habe ich schon an anderer Stelle erwähnt, sah in seinem Horror-Franchise wohl nur noch eine einfache Methode zum schnellen Geldscheffeln. Angesichts diverser Logiklöcher (was hat Dr. Niemann eigentlich mit seiner Hirnchen-wechsel-dich-Spielerei vor?) darf man wohl schon froh und dankbar sein, dass der Autor sich nicht einen neuen angeheirateten Schwippschwager derer von und/oder zu Frankenstein aus dem Daumen lutschte, sondern mit Niemann einen neuen, externen Charakter ins Spiel brachte, der, ähnlich dem Dr. Praetorius in "Bride of Frankenstein", für neuen Schwung sorgt. Was allerdings nichts daran ändert, dass der Showdown eine echte Enttäuschung ist.

Ein paar gute Ideen verirren sich allerdings doch ins Script, die sind aber weniger im Horrorö und Monstergehalt, sondern eher im character stuff zu finden. Sowohl Daniels Beziehung zu Niemann als auch die bizarre Dreiecksliebesgeschichte zwischen ihm, Ilonka und Larry sorgen dafür, dass dem Streifen trotz des Verzichts auf große Monsteraction nicht die Puste ausgeht (und, auch hier sei mir die Wiederholung erlaubt, aus dem Niemann/Dracula- Angle hätte man durchaus einen eigenständigen Abendfüller stricken können).

Wenn man von den dramaturgischen Schwächen absieht, erweist sich der Film aber als von routinierter Hand gestrickter, flott dahinrollender Kintopp. George Robinson zaubert wieder einige ansprechende Bilder (teilweise auch mit leicht gekippter Kamera) und beweist, dass die klassischen Universal-Filme bei aller Kommerzreißer- Mentalität eigentlich immer gut fotografiert waren. Regisseur Kenton lässt, was bei zwei fein säuberlich getrennten Plots und nur 68 Minuten Laufzeit auch kein soo großes Kunststück ist, keine Langeweile aufkommen, auch wenn die Monster selbst nur wenig screentime haben (das ist irgendwie der running gag dieses Reviews, fürchte ich).

Erle C. Kenton, der auch schon "Ghost of Frankenstein" zu einer recht kurzweiligen Angelegenheit gestaltete, macht aus dem episodenhaften Script das bestmögliche - der Streifen ist recht schwungvoll, ist optisch ansehnlich geraten und schafft es beinahe zu übertünchen, dass das, wofür man eigentlich bezahlt hat, nämlich ein munter meuchelndes Monstertrio, verdammt kurz kommt.

Sogar einige nicht unspektakuläre Stunts sind zu bewundern (von einem könnte man, wenn man will, sogar eine direkte Linie zur Megagraupe "Van Helsing" ziehen, aber da ich steif und fest behaupte, dass es einen Film wie "Van Helsing" nicht gibt, tue ich das nicht).

Die fotografischen Tricks von John P. Fulton sind ausgezeichnet - neben der on-screen- Verwandlung von Fledermaus in Vampir und umgekehrt (da spielt wieder, wie schon bei "Son of Dracula", Kollege Zeichentrick die helfende Hand) beeindruckt vor allem die "Wiedererweckung" Draculas - wenn sich Draculas Skelett per zwar simpler, aber wirkungsvoller Überblendungstechnik über die Zwischenstation Blutgefäßsystem/Muskeln in John Carradine verwandelt, entlockt das auch heute noch ein wohlwollendes Nicken. Die Masken von Jack Pierce erfüllen ihren Zweck, aber auch nicht mehr - Chaneys Werwolfsmaske regt immer noch hauptsächlich die Lachmuskeln an, Stranges Frankenstein-Monster-Make-up wirkt der mangelnden Screentime des Monsters angemessen eher lau.

Der Score, eine Mixtur aus Originalklängen von Hans J. Salter und Stock Music aus früheren Monsterfilmen, trägt zeitgemäß dick auf.

Zu den Schauspielern - Boris Karloff sorgt eigentlich immer für zufriedene Gesichter im Publikum. Manch einer warf Karloff vor, die Rolle des mad scientists Dr. Niemann im Automatik-Modus zu absolvieren - das kann man so sehen, muss man aber nicht. Mir persönlich gefällt sein zurückgenommenes, sachlich-distinguiertes Spiel sehr gut als Konterpart zu dem bislang in der Serie gewohnten over-the-top-Acting der diversen Monsterbaumeister von Colin Clive bis Patrick Knowles. Karloff pendelt mit minimalem mimischen Aufwand, aber sehr gutem Effekt zwischen Kaltblütigkeit, die ihn ohne mit der Wimper zu zucken Morde in Auftrag geben lässt und gelegentlich durchschimmernder Menschlichkeit. Die Show gestohlen wird ihm allerdings von J. Carrol Naish als Daniel, der Bucklige. Naish hatte zum Drehzeitpunkt schon fast 150 Filme auf dem Buckel und sich durch so manche "Bulldog Drummond"- oder "Mr. Moto"-Folge gespielt, auch mit dem Horrorfach schon Bekanntschaft gemacht ("The Monster Maker"). Als Daniel bietet er eine fast schon anrührende Performance. Seinen schwermütigen, unglücklich verliebten Buckligen wünschte man sich in "Bride of Frankenstein", wo die von mir schon oft herangezogene "Solidarität der Schwachen" in James Whales Vision ausgeprägt war. Naish spielte später in einer 50er-Jahre-TV-Serie den Charlie Chan und schaffte es 1971 in Al Adamsons Trashheuler "Dracula vs. Frankenstein" noch zum Dr. Frankenstein persönlich. .

Lon Chaney jr. hat als Larry Talbot nicht wirklich viel zu tun - er taucht erst zur Halbzeit auf und hat nicht mehr als seine bereits zu diesem Zeitpunkt in der Serie bekannten und ermüdenden "I want to die" -Statements zu murmeln. Man kann sagen, dass sein Charakter kein besonders toller ist, aber den hat er zumindest drauf...

John Carradine gibt einen interessanten Dracula ab, der mit seinen Vorgängern Bela Lugosi und Lon Chaney jr. überhaupt nichts gemein hat. Carradine spielt den Grafen mit viel Understatement als leicht blasiert wirkenden Aristokraten. Leider ist sein Auftritt zu kurz, um nachhaltig Eindruck schinden zu können. Ein *kompletter* "Dracula"-Film mit Carradine wäre sehr interessant geworden, spekuliere ich mal.

Glenn Strange korrigiert den von Bela Lugosi hinterlassenen Eindruck des Frankenstein- Monsters wieder stärker in Richtung der Karloff-Interpretation (kein Wunder, denn Karloff war ja notgedrungen am Set und gab Strange Tipps) - alas, er hat quasi nichts zu tun, da das Monster erst in den letzten drei-vier Minuten überhaupt handlungsrelevant eingreift - insgesamt ein wirkungsloser und überflüssiger Auftritt.

In den Nebenrollen gibt's u.a. ein Wiedersehen mit Lionel Atwill, mal wieder in anderer Rolle als in den letzten drei Frankenstein-Filmen (das muss für das zeitgenössische Publikum ziemlich verwirrend gewesen sein). Ann Gwynne und Elena Verdugo teilen sich sozusagen die weibliche Hauptrolle. Gwynne gefällt mir dabei etwas besser (auch optisch, ähem), aber beide Frauen machen einen ganz akzeptablen Job. Peter Coe bedient die praktisch unnötige Rolle des Carl Hussmann eindruckslos. Eine Fußnote der Filmgeschichte sei nicht verschwiegen - in Coes Haus verstarb 1978 der legendäre Ed Wood, nachdem er aus seiner letzten Wohnung flog. George Zucco (Professor Lampini) machte hauptsächlich in B-Movies der PRC und in der Universal-"Mummy"-Serie von sich reden.

Bildqualität: Einmal mehr ziehe ich meinen Hut vor Universal - mit "House of Frankenstein" sind wir nun wirklich bei den "lesser" Monsterfilmen von anno dunnemals angekommen und auch für diesen zaubert das Studio aus seinen Archivgrüften einen blitzsauberen s/w-Print, der völlig problemlos abgespult wird. Schärfe, Kontrast, Störungs-, Defekt- und Verschmutzungsfreiheit, alles im absolut grünen Bereich, dito die Kompression (aber 68 Minuten sollte man ja wohl auf eine DVD pressen können, ohne kompressionstechnisch in Bedrängnis zu kommen...).

Tonqualität: Zur Wahl stehen Mono-Tonspuren auf Deutsch, Englisch und Französisch. Selbstredend ist die englische Tonspur vorzuziehen. Die ist sehr gut verständlich, klar und rauschfrei und ebenso selbstverständlich lebendiger als die aber recht akzeptable deutsche Synchrofassung. Untertitel gibt's natürlich auch.

Extras: Wie bei praktisch allen "kleineren" Filmen der Legacy-Collection muss der Filmfreund sich mit dem Kinotrailer (der Wiederaufführung Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre) begnügen, der dieses Mal aber in besserem Zustand ist als bei so manchem anderen Film der Box.

Fazit: Mit "House of Frankenstein" erreicht die Universal-Horror-Reihe einen ersten wirklichen Tiefpunkt. Konnte man mit "Frankenstein meets the Wolf Man" noch, schraubte man die Ansprüche zurück und strich mental die James-Whale-Filme und ihre künstlerischen Meriten, recht zufrieden sein, zerfällt "House of Frankenstein" in eine mitunter zwar passable, aber leider vor allem im Drehbuchdepartment ziemlich verhunzte Nummernrevue, der die Substanz fehlt - und diese Substanz heißt halt, speziell bei dem versprochenen Monster Mash, so leid's mir tut, "Monster". Auf der Habenseite verbucht der Streifen allerdings gute Performances von Karloff, Naish und Carradine, der Wechsel vom "seriösen" Schauer-Horrordrama zum trashigen Kintopp ist aber unumkehrbar vollzogen.

HOUSE OF DRACULA

USA 1945, 64 min, FSK 16 Regie: Erle C. Kenton Darsteller: Lon Chaney jr. (Larry Talbot/Der Wolfsmensch), John Carradine (Dracula), Martha O'Driscoll (Miliza Morelle), Lionel Atwill (Inspector Holtz), Onslow Stevens (Dr. Edelmann), Jane Adams (Nina), Ludwig Stoessel (Siegfried), Glenn Strange (Das Monster), Skelton Knaggs (Steinmuhl)

Universalmedizingenie Dr. Edelmann, ansässig im bekannten Nabel der studierten Welt Visaria (immerhin, man rettet die Schreibweise vom letzten in diesen Film), wundert sich über ungewöhnlichen Besuch: Graf Dracula! Der alte transsylvanische Blutsauger (der, wie auch immer, seinen eigentlich terminal beendeten Auftritt in "House of Frankenstein" unbeschadet überlebt hat) ist aber, zumindest nicht primär, hinter dem Lebenssaft der attraktiven Assistentinnen des Dottores (Miliza und Nina, letztere ausgestattet mit einem dem Gesamteindruck abträglichen Buckel), her, sondern sucht Heilung von seinem "Fluch". Nachdem er Edelmann erfolgreich davon überzeugt hat, ein echter Vampir (nebst Sarg mit Heimatscholle) zu sein, darf er sich in des Doktors Kellergewölben häuslich einrichten und sich alle Nase lang zu Bluttransfusionen einfinden.

Im Zuge seiner Forschungen findet Edelmann heraus, dass des Vampirs Blutkörperchen von einem fiesen Parasiten befallen sind, was ihn eben zum Blutsauger macht. Doch nicht nur daran forscht der Doktor, nein, er will auch noch Ninas Buckel heilen und züchtet daher in einem Treibhaus einen pflanzlichen Wirkstoff, der, wie sich der Doktor ausdrückt, kalziumbasierte Feststoffe (manche Leute sagen auch "Knochen" dazu) aufweicht und verformbar macht.

Dieweil kündigt sich ein weiterer Patient an - Larry Talbot (auch er eigentlich im letzten Film per Silberkugel endgültig erlegt), auch er bittet um Hilfe. Da Edelmann gerade mit Dracula beschäftigt ist (und ihm, warum auch immer, sein, also Edelmanns, Blut überträgt), andererseits auch gerade Vollmond ansteht, kann Larry nicht warten und liefert sich lieber zwecks Schutzhaft im örtlichen Knast ein (der Lynchmob formt sich bereits prophylaktisch. Diese Dörfler sind auf Zack). Der von Inspektor Holtz alarmierte Edelmann kann an Ort und Stelle miterleben, wie Larry sich in den Werwolf verwandelt. Das überzeugt ihn, Larry als Patienten aufzunehmen. Er hat auch eine streng wissenschaftliche Hypothese am Start, warum Larry zum Tier wird: "Druck auf gewisse Gehirnregionen" kombiniert mit einer Selbsthypnose lassen Larry die physische Transformation gelingen. Mit seiner Wundersubstanz könnte Edelmann Larrys Schädel aufweichen und den Druck vom Brägen nehmen. Allerdings hat er nicht genug von der Substanz, um sofort zur Tat zu schreiten, weswegen der gefrustete Larry sich stantepete in suizidärer Absicht von einer Klippe ins Meer stürzt (das Visaria an der Küste liegt, ist übrigens ein neuer Aspekt der Geographie. Mann, könnt Ihr Euch EINMAL einigen?). Zum Glück weiß jeder, inklusive Nina und Miliza, dass es eine Höhle gibt, in die Larry gespült worden sein könnte. Todesmutig lässt sich der Doktor abseilen, wird vom Werwolf prompt attackiert, aber dank hervorragenden Timings geht der Mond rechtzeitig genug unter, um Larry zurückverwandeln und von killenden Aktivitäten Abstand nehmen zu lassen. In der Grotte findet sich, weil wir lassen ja nichts aus, auch das immer noch nicht hinübere Frankenstein-Monster nebst der skelettierten Leiche von Dr. Niemann (schön, dass wir zumindest DIESEN Fakt aus dem Vorgängerfilm aufgreifen, wenn wir schon den ganzen Rest ignorieren). Edelmann ist über den Fund begeistert - nicht nur, dass die Höhle ideales Aufzuchtgebiet für seine Wunderkur ist, nein, am Monster möchte er am liebsten sofort basteln. Larry und Nina reden ihm grad noch so erfolgreich ins Gewissen.

Was macht dieweil Dracula? Mir Kopfzerbrechen. Denn obwohl er bei Edelmann Heilung von seinen blutsaugerischen Umtrieben sucht, hält ihn das nicht davon ab, Miliza zu hypnotisieren und möglichst zu seinesgleichen zu machen (könnte sich der Herr vielleicht mal einigen?). Edelmann gelingt es, unter einem Vorwand Dracula zu einer sofortigen weiteren Bluttransfusion zu überreden, von der er erhofft, sie würde den Vampir von seinem Vorhaben abbringen. Doch Dracula dreht den Spieß um, schaltet die assistierende Nina temporär aus und dreht die Bluttransfusion um! Nun rinnt Draculas Blut in Edelmanns Venen!

Edelmann kommt rechtzeitig genug zu sich, um sich mit einem Kreuz zu bewaffnen, Miliza vor des Grafen (in treuer Serientradition nie gezeigten) Fangzähnen zu retten und ihn in die Kellergewölbe zu verfolgen. Dracula gelingt der vermeintlich rettende Sprung in den Sarg, aber der fiese Doktor schiebt den Sarg ins Licht der aufgehenden Morgensonne und reißt den Deckel auf. Instant Vampire Skeleton!

Aber Draculas Blutgeschenk wirkt nach - der Doktor ist seltsam verändert und bemerkt bei einer Inspektion vor dem Spiegel, dass sich sein Spiegelbild in Luft auflöst. Tja, der Doktor ist nun selber ein Vampir geworden, so ein Ärger (allerdings äußert sich das eher in einer "Jekyll & Hyde"-Variante. Edelmann hat klare Momente, verfällt aber in schöner Regelmäßigkeit in einen Wahnsinn, der ihn offensichtlich auch die Kontrolle über Haar- und Bartwuchs verlieren lässt. Die üblichen Vampirregeln gelten für ihn nicht). Und sein neues vampirisches Selbst befiehlt ihm umgehende Frankenstein-Monster- erweckende Tätigkeit (in einer Flashback-Visions-Traumsequenz fiedelt das Script frecherweise sogar Footage aus "Bride of Frankenstein" ein), und Nina soll er von ihrem Buckel befreien und vermutlich ehelichen oder beißen oder beides zusammen.

Sein erster Versuch, das Monster zu erwecken, scheitert an mangelnder Kapazität der elektrischen Anlagen. Nina stellt ihn zur Rede - der Doktor kunftet aus, sofort zu ihrer Operation schreiten zu wollen, aber sie wehrt ab, der arme Larry Talbot sei der wichtigere Fall, auch wenn von der Wundersubstanz nur genug für eine OP vorhanden ist (natürlich hat sich Miliza inzwischen unsterblich in den "jungen Mann" verliebt. Dabei sieht Talbot mindestens aus wie Mitte 40). Edelmann verordnet postoperative Ruhe, jeglicher psychische oder physische Stress könnte die positiven Effekte der Behandlung ungeschehen machen.

Larry gehorcht skeptisch, dafür erwacht in Edelmann der Blutrausch. Heimlich, aber von Larry verwundert beobachtet, versteckt sich Edelmann auf der Kutsche seines Lakaien Siegfried, fährt mit ihm in die Stadt, aber nur, um ihn während der Fahrt anzugreifen und unter fadenscheinigen Argumenten umzubringen. Wie jeder weiß, ist ein Lynchmob innerhalb von drei Sekunden organisiert - die Dorfbevölkerung möchte zur Selbstjustiz schreiten, aber Holtz verhindert schlimmeres, fahndet aber persönlich in Edelmanns Klinik - unter chronischem Verdacht steht Larry, aber der hat der OP sei dank ein wasserdichtes Alibi. Larry weiß aber, wer der Killer ist und stellt Edelmann zur Rede. Der gesteht alles, bittet Larry aber, solange die Klappe zu halten, bis er Nina auch operiert hat.

In Siegfrieds Faust wurde inzwischen ein Kleideranhänger o.ä. gefunden, der Edelmann belastet. Holtz verspricht Überprüfung, aber der Mob mag nicht warten und formiert sich zum Sturm auf die Klinik. Vollmond ist auch und Larry testet aus, ob er transformiert oder nicht - die Operation war ein Erfolg! Alles jubelt, alles lacht, bis auf Edelmann, der ist nämlich schon wieder in seinem Labor und jagt dem Monster belebenden Strom in die Elektroden. Nina ertappt den vampirischen Monsterbastler, wird aber von ihm angegriffen und umgebracht. Larry stürmt mit Holtz und seinen Cops ins Labor...

(SPOILER) Das Frankenstein-Monster killt die namenlosen Sidekick-Cops, Holtz wird von Edelmann in einen Trafo geschubst und verröchelt elektrotechnisch. Larry kann Edelmann mit handelsüblicher Wumme erschießen. Das Frankenstein-Monster empfindet Trauer über den neuerlichen Verlust eines Monsterdaddys und möchte Larry killen. Es gelingt dem Ex-Wolfsmenschen, ein Feuer zu legen und den hereinplatzenden Lynchmob erfolgreich zu warnen. Das Monster bekommt wieder mal ein Haus auf den Kopf (genauer gesagt, das aus "Ghost of Frankenstein", woher die Schlussszene recyclet wurde), Larry ist geheilt und kann mit Miliza ein neues Leben in Angriff nehmen...

Der Film: Mit "House of Dracula" nahm die klassische Universal-Frankenstein-Reihe (zu der der Film trotz des Titels gehört, allerdings ist die Betitelung zumindest ehrlich, denn wieder einmal spielt das Frankenstein-Monster nicht mal die zweite, sondern bestenfalls die vierte oder fünfte Geige) ihren Abschied, um erst 1948 für den Spoof "Abbott & Costello meet Frankenstein" (der die Geschehnisse in "House of Dracula" selbstredend völlig ignorierte, was aber wieder zur dis-continuity der Serie passt) letztmals belebt zu werden.

Das Team, das "House of Dracula" in Angriff nahm, war im großen und ganzen mit dem von "House of Frankenstein" identisch - wieder führte Kenton Regie, wieder schrieb Lowe das Script (dieses Mal aber eine Originalstory ohne Curt-Siodmak-Ideen). An der Kamera wie fast immer George Robinson, der Cast, zumindest, was die Monster angeht, wieder dabei - Lon Chaney als Werwolf, John Carradine als Dracula, Glenn Strange als das Monster.

Und dennoch (oder gerade deswegen?) ist "House of Dracula" eine ziemlich konfuse Angelegenheit, speziell im Story-Department, und gerade was den Anschluss an "House of Frankenstein" angeht. Tragisch, wo Edward T. Lowe doch beide Filme schrieb und eigentlich hätte wissen müssen, was er tut. Jaja, ich weiß, Geschichten sind Schall und Rauch, interessieren keinen Menschen und schon gar nicht beim siebten Teil der Frankenstein-Reihe, aber in seiner vorliegenden Form ist der Film ein einziges Plothole in sich. Woher Dracula und der Wolfsmensch kommen, die ja im letzten Film, gerade mal ein Jährchen zuvor, recht endgültig aus dem Verkehr gezogen wurden, bleibt völlig offen - die sind einfach da! Damit hätte ich leben können, wenn der Film nicht ausdrücklich, beim Auffinden des Frankenstein-Monsters, auf die Ereignisse des Vorgängers Bezug nehmen würde (hätte man auch das Monster ohne Verweis auf "House of Frankenstein" übernommen, hätte ich weniger Bauchschmerzen Das wäre zwar einfallslos, aber zumindest konsequent inkonsequent und würde beim mitdenkenden Publikum - das natürlich nicht vorausgesetzt wird - weniger Kopfzerbrechen auslösen). Die grandiose geographische Continuity des Orts Visaria wird wieder mal gnadenlos fortgesetzt, jetzt liegt der mitteleuropäisch-deutsche Ort also direkt am Meer und hat seine eigene Felsklippe - schick. Würde gern mal in so einem Wandel-Ort leben, da ist das Leben wenigstens spannend, wenn man nie weiß, welche Berge, Seen oder sonstige topographischen Eigenheiten der Herrgott über Nacht neu gebaut hat.. Bemerkenswert ist selbstredend auch Visarias Mad-Scientist-Schwemme. Dort muss wirklich jeder dritte Einwohner Absolvent der Frankenstein-School-of-Bad-Ethics-and- Experimental-Medicine sein (lustig ist insofern auch, dass die diversen Doktoren, die sich ja, die räumliche und zeitliche Nähe der diversen Filmfolgen mal als Gospel akzeptiert, alle kennen müssten, jeder vor sich hin forschen und experimentieren). Und natürlich hat jeder aufrechte Forschersmann, so auch unser Dr. Edelmann, im Keller seines Schlosses (das er natürlich bewohnt) eine voll funktionsfähige Frankenstein-Monster-Auferweckungs-Maschine (vermutlich serienmässig mitgeliefert). Ja, ich weiß, wenn man nur 'ne knappe Stunde Spielzeit hat, kann man sich nicht mit großartiger Handlungs- und Charakterentwicklung aufhalten, da muss alles fertig sein, ohne umständlich eingeführt werden zu müssen, aber wenn man länger als 'ne Mikrosekunde drüber nachdenkt, ist das schon sehr belustigend.

Dabei hat die Story durchaus ihre guten (bzw. besseren) Ideen - Dracula als "Opfer" seines Fluchs darzustellen, fiel der Universal-Serie zuletzt bei "Dracula's Daughter" ein, wo sich die sort-of-Titelcharakterin ja ebenfalls wünschte, von ihrem Zwang zum Blutsaugen geheilt zu werden. Im Bestreben, ja keine Zeit zu verlieren, modelte Lowe die komplette Story von "Dracula's Daughter" hier in die drei größeren Auftritte des Vampirs und machte sie damit lächerlich bis unglaubhaft. Die Gräfin aus "Dracula's Daughter" verfiel erst auf den Gedanken, sich einen neuen Gefährten für die Ewigkeit zu suchen, als ihr klar wurde, dass ihre "Krankheit" nicht heilbar ist - unser hiesiger Dracula operiert gleich zweigleisig - er sucht Heilung, bearbeitet aber gleichzeitig ein potentielles Opfer. Wie denn nu? Ist Dracula nun eine tragische Figur, der unter seiner Unsterblichkeit leidet oder begreift er die Behandlung bei Edelmann nur als Chance, dessen attraktiver Sprechstundenhilfe bei bester Gelegenheit in den Hals zu beißen (aber wenn, warum lässt er dann des Doktors zweifelhafte Behandlung mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen?)? Der Mann weiß nicht, was er will.

Larry Talbot AKA der Wolfsmensch weiß dagegen ziemlich genau, was er will, nämlich seit drei Filmen das Gleiche, aktive Sterbehilfe, wenn's mit Heilung nicht klappt. Es ist das Manko des eigentlich durchaus interessanten Werwolfs-Charakter, dass Universal bzw. deren Lohnschreiberlingen nie wirklich etwas besonders Denkwürdiges, was man mit ihm anstellen könnte, einfiel. Larry zieht wieder mal seine "ich-will-sterben"-Routine durch, darf aber zumindest ein Happy End erleben. Es bleibt aber dabei, dass der Werwolf bzw. das, was die Autoren zum Thema zu Drehbuchpapier brachten, von den großen drei Horrorarchetypen des Franchise-Crossovers, mit dem Frankenstein-Monster und Dracula in seinen diversen Inkarnationen rein vom Interesse des Zuschauers her nicht mithalten kann. Da Chaney aber der nominelle Star der Serie (seit "The Wolfman") war, wurde er künstlich zum zentralen Charakter aufgebaut und die anderen Figuren an den Rand gedrängt. Dracula geht's, obwohl sein Auftreten teilweise sogar vom Aufbau der Szenen her wie ein Wiederholungsspiel wegen des großen Erfolgs aus "House of Frankenstein" wirkt, besser als dem Frankenstein-Monster, das erneut nur für einen Zwei-Minuten-Auftritt gen Filmende gebraucht wird (und der besteht teilweise aus Stock Footage aus "Ghost of Frankenstein" mit Stuntman Eddie Parker im Monster-Make-up) - die kuriose Traumsequenz, in der die Filmemacher auch Material aus "Bride of Frankenstein" verwursteten, mal ausgeklammert.

Aber es ist nichts neues, spätestens seit "Frankenstein meets the Wolf Man" (eigentlich aber schon ab "Son of Frankenstein") war Universal jede noch so billige Ausrede für einen neuen Frankenstein- Film Recht, also erwarten wir keine nobelpreisverdächtigen Dramen, sondern einfach einen einigermaßen funktionierenden Reißer. Immerhin ist "House of Dracula" nicht so episodisch wie "House of Frankenstein", die Geschichte ist einheitlicher und erlaubt zumindest allen prinzipiellen Monster-Charakteren, innerhalb der selben Rahmenhandlung zu agieren (wenngleich Wolfman und Frankenstein-Monster erneut keine Sekunde mit Dracula zusammen auftreten). Von den Monstern hat Dracula eindeutig die spektakulärsten Auftritte - Larry Talbot begnügt sich mit einer einzigen Verwandlung (und hat am Body Count überhaupt keinen Anteil), das Frankenstein-Monster, nunja, siehe oben, ist wieder der Hintergrund-Hinkucker und besserer Komparse. Dafür führt der Film eine Art "neues Monster" ein - wie schon in der Inhaltsangabe erwähnt, ist der "vampirisierte" Dr. Edelmann weniger ein Vampir im Sinne der Mythologie denn vielmehr ein klassischer Jekyll & Hyde-Charakter. Durchaus möglich und wahrscheinlich, dass Universal mit Wonne ein Horrormotiv, an dem das Studio keine eigenen Rechte hielt, abrippte, um's die Konkurrenz zu ärgern (die letzte große Verfilmung der Stevenson-Vorlage hatte MGM 1941 mit der allgemein geschätzten Spencer-Tracy-Version abgeliefert und damit die Paramount-Version von 1931 mit Fredric March abgelöst). Das ist ein bisschen frischer Wind, der über die ausgetretenen Pfade bläst.

Drollig sind übrigens die mit todernster Miene vorgetragenen pseudowissenschaftlichen Erklärungen für die Vampir- bzw. Werwolfsymptome. Ich weiß nicht, ob Universal bzw. Lowe absichtlich versuchten, die Serie aus dem Reich des Okkult-Übersinnlichen in die wissenschaftliche Ratio zu verpflanzen, um damit ggf. Zensoren einen Gefallen zu tun, auf jeden Fall ist es unfreiwillig witzig, Edelmann über (sogar bildhaft gezeigte und gar niedliche!) Blutparasiten und "Druck auf das Hirn" rhabarbern zu hören. Fun!

Stilistisch-optisch ist "House of Dracula" trotz seines gelegentlichen übertriebenen Stock-Footage-Einsatzes (neben den Leihnahmen aus "Ghost" und "Bride" bedient sich der Film für Überblendungen und Landschaftsaufnahmen beinahe ausschließlich Stock Footage) manchmal wieder richtig gut. George Robinson zeichnet einige tolle Bilder auf die Leinwand, die man der Serie spätestens seit "Son of Frankenstein" eigentlich gar nicht mehr zugetraut hätte - vielleicht war Robinson bekannt, dass die Serie mit diesem Film vorläufig eingestellt werden würde und wollte noch mal zeigen, was er kann, auf jeden Fall geizt der Streifen nicht mit sehenswerten Schattenspiel-Einstellungen, die manchmal wieder an große expressionistische Traditionen erinnern.

Regisseur Kenton treibt das Geschehen, der kurzen Laufzeit geschuldet, mit Siebenmeilenstiefeln voran und verschwendet kaum eine Sekunde auf langweiliges Charakter-Blabla - auch wenn die Monsterauftritte, wie gesagt, nicht übermäßig zahlreich sind, bei 64 Minuten kann man sich Überflüssigkeiten nicht erlauben und muss daher flott zu Werke gehen. Kenton gelingt das mit all seiner Routine ganz gut.

Auf der FX-Seite geht "House of Dracula" auf Nummer Sicher - es gibt ausschließlich bewährte Tricksereien - Draculas Verwandlung mittels Zeichentrick, die Sequenz aus "House of Frankenstein", in der dem skelettierten Vampir Blutgefäße und Muskeln "wachsen", wird dieses Mal in umgedrehter Reihenfolge zelebriert, des Werwolfs Verwandlung ist mittlerweile auch Routine (und das Make-up wird und wird nicht furchteinflößender). Für John P. Fulton ungewohnt schlampig sind ein paar Fledermaus-Tricks, bei denen man überdeutlich die Marionetten-Drähte bewundern kann.

Darstellerisch muss man konstatieren, dass Lon Chaney seine Rolle mitlerweile wirklich im Automatik-Modus absolviert - einzig sein exklusiv in diesem Film getragener Schnurrbart unterscheidet seine Vorstellung hier merklich von denen aus den Vorgängerfilmen. Chaney ist, man verstehe mich nicht falsch, nicht unsympathisch, aber er wirkt unmotiviert - ich kann's ihm angesichts der Schwäche des Charakters bzw. des Scripts dahingehend nicht wirklich verübeln. John Carradine knüpft seine Performance exakt an "House of Frankenstein" an. Er spielt den Dracula ohne "erotische" Ausstrahlung erneut als distinguierten Aristokraten. Das Problem an dieser Herangehensweise ist, dass man ihm nie abkauft, dass er tatsächlich unter dem "Fluch leidet" (vielleicht ist das aber der Punkt...). Ich halte erneut - und trotzdem - daran fest, dass ein reinrassiger Dracula-Film mit Carradine eine sehenswerte Variation des Themas hätte sein können. Glenn Strange als Frankenstein-Monster hat zu wenig zu tun, um ernstlich bewertet werden zu können. Von der "Stammbelegschaft" lässt sich natürlich auch der unvermeidliche Lionel Atwill wieder blicken, mit Sicherheit aber in seinem eindrucklosesten Auftritt in der Serie.

Die "Neuzugänge" sind nicht schlecht - Jane Adams, später im B-Horror "The Brute Man" und im ersten "Batman & Robin"-Serial als Vicki Vale am Start, ist ein Schnucki, selbst mit Buckel (und ich empfinde es übrigens als ziemlich uncharmant, dass ihr Nina-Charakter im "Monsteraufzähl"- Trailer tatsächlich als Monster gezählt wird... sie ist ja eindeutig eine von den "Guten") und macht auch schauspielerisch nicht den schlechtesten Eindruck. Zumindest gefällt mir ihre Vorstellung besser als die der nominell höhergebillten Martha O'Driscoll als Miliza. O'Driscoll hatte zuvor in einigen Abbott & Costello-Komödien gespielt und zog sich im Alter von 25 Jahren, nach ihrer zweiten Eheschließung, aus dem Biz zurück. Ich weiß nicht genau, was mich an ihrer Leistung "stört", vielleicht ist es die mangelnde Chemie mit ihrer "Love Interest" Lon Chaney, aber sie haut mich halt einfach nicht vom Hocker. Immerhin gönnt ihr George Robinson einen für damalige Verhältnisse sicherlich ziemlich, eh, frechen "upskirt"-Shot (was man 1945 darunter verstand, of course).

Onslow Stevens, verdienter Character Player des 30er- und 40er-B-Films, am Start in Filmen wie "The Monster and the Girl", "Appointment in Berlin" und "Mark of the Gorilla", überzeugt dagegen. Sowohl den streng wissenschaftlichen Akademiker als auch den durchgeknallten Wahnsinnigen verkörpert Stevens mit Gusto - zurückhaltende, nuancierte Mimik im "Normalo"-Modus, exaltiertes Overacting vom Feinstern im "Monster"-Modus. Schön! In einer kleinen, aber nervigen Nebenrolle präsentiert sich Skelton Knaggs (gefragter 40er-Jahre B-Bit-Player, so z.B. in "Isle of the Dead", "The Invisible Man's Revenge" oder "Dick Tracy meets Gruesome") als Dwight Frye für chronische Bankrotteure.

Bildqualität: Im Vergleich zu den anderen Filmen aus der Monster-Legacy-Box ist das Bild von "House of Dracula" insgesamt ein wenig weicher, grieseliger und besonders in den Bildecken verwaschener. Minimale Laufstreifen stellen sich ein, aber insgesamt stört das den Filmkonsum kaum. Die Kompression (der Datenträger beherbergt auch "Son of Dracula") ist in Ordnung, der Kontrast könnte stellenweise verbessert werden, aber das Ausgangsmaterial war wohl nicht ganz so proper wie bei den meisten anderen Filmen der Sammlung.

Tonqualität: Dafür kann der Ton überzeugen - der englische Mono-Track klingt beinahe wie aus dem Ei gepellt, ist klar und exzellent verständlich, der pompöse Soundtrack kommt ebenfalls zur Geltung. Universal bietet die üblichen weiteren Tonspuren auf Deutsch und Französisch sowie einige Untertitelspuren.

Extras: Auch hier das bekannte Bild - mehr als den Kinotrailer gibt's nicht.

Fazit: "House of Dracula" ist also der Schwanengesang der, hüstel, ernsthaften "Frankenstein"- Reihe. Drei Jahre später traten Werwolf, Vampir und Monster (in identischer Besetzung) noch in "Abbott & Costello meeet Frankenstein" auf und sicherten so den dortigen Hauptdarstellern einen unerwarteten zweiten Karrierefrühling, der sie noch weit in die 50er Jahre trug (auch wenn der A & C-Humor eher schlecht gealtert ist) und ergaben sich damit endgültig dem Schicksal, Witzfiguren zu sein. Wenn man "House of Frankenstein" und "House of Dracula" mal zusammengerechnet betrachtet, muss man froh sein. Es ist klar, dass den Autoren schlicht nichts mehr einfiel - immer wieder wurden die gleichen Ideen aufgewärmt (speziell was den Werwolf anging), immer weniger war neu und originell und WENN man sich an Originalität, wie hier den pseudowissenschaftlichen Schwurbeleien, versuchte, wurde es lächerlich. Als Film für sich allein ist "House of Dracula" trotz des höheren Anteils an unfreiwilliger Komik etwas besser als "House of Frankenstein" - die einheitlichere Geschichte und vor allem Onslow Stevens tragfähige Vorstellung als zwangsweise persönlichkeitsgespaltener Mad Scientist verschaffen "House of Dracula" die Pluspunkte. Unterhaltsam ist das allemal, ein guter Film ist's deswegern aber noch lange nicht.

WEREWOLF OF LONDON

USA 1935, 72 min, FSK 16

Regie: Stuart Walker Darsteller: Henry Hull (Dr. Wilfred Glendon), Valerie Hobson (Lisa "Lee" Glendon), Warner Oland (Dr. Yogami), Lester Matthews (Captain Paul Ames), Lawrence Grant (Sir Thomas Forsythe), Spring Byington (Auntie Ettie Coombes), Clark Williams (Hugh Renwick), J. M. Kerrigan (Hawkins)

Der Botaniker Dr. Glendon sucht in Tibet nach einer geheimnisvollen, nur im Mondlicht blühenden Pflanze, findet sie auch, aber unglücklicherweise auch einen Werwolf, der ihn in den Arm beißt. Glendon macht sich nichts aus der Angelegenheit und kehrt nach London zu seiner hübschen Frau und seinem modernen Labor (mit einer Video-Sprechanlage!) zurück, um an der Primel zu forschen. Bei einem abendlichen Empfang macht der vage asiatische Dr. Yogami seine Aufwartung und interessiert sich mächtig für Glendons geheime Pflanze - die ist nämlich, wie Yogami ausführt, das einzig bekannte Gegengift gegen Werwölfigkeit. Und nach Yogamis Expertise gibt's in London zwei akute Fälle. Glendon lässt Yogami trotzdem nicht an die Blume.

Dummerweise ist grad Vollmond (was mich darüber nachdenken lässt, wieso Glendon seine arme Pflanze mit "künstlichem Mondlicht" bearbeitet, anstelle sie einfach ans Fenster zu stellen), was dazu führt, dass Glendon spontanen Haarwuchs auf seinen Griffeln bemerken muss. Ein Stich mit dem Stiel der Pflanze verhindert zunächst schlimmeres - zumal Glendon auch andere Sorgen hat. Die Jugendflamme seiner Holden, der schneidige Fliegersmann Paul Ames, ist aus Amerika eingetroffen und geht ersichtlich mit der Hoffnung schwanger, das zarte Liebesband zwischen ihm und Lisa Glendon wieder stärken zu können - da Lisa sich wegen der Forschereien ihres Männes eh vernachlässigt fühlt, ahnt auch Glendon, dass da eventuell was draus werden könnte.

Yogami behelligt Glendon mit weiteren düsteren Drohungen - erstens mal kann die Pflanze das Wolfssein nicht permanent ausknipsen, sondern nur für ein paar Stunden die Symptome unterdrücken, zweitens werde der Werwolf instinktiv dazu getrieben, das zu töten, was er am meisten liebt. Bei Glendon ist der Shilling halbwegs gefallen - sein suspektes Verhalten (z.B. eine ausgeprägte Lichtscheu) irritiert Lisa sowieso schon (und die Familienkatze reagiert allergisch auf ihn). Lisa geht mit Paul zu einer Party von "Tante Ettie", wo auch Pauls Onkel, der Scotland-Yard-Scheffe Forsythe anwesend ist. Dieweil transformiert Glendon in den Werwolf und erschreckt die stockbesoffene und von den restlichen Partygästen ins Bett verfrachtete Ettie, deren Gelaber von Paul & Co. anschließend natürlich nicht für bare Münze genommen wird. Glendon killt zum Ausgleich ein paar Straßenecken weiter eine junge Frau.

Paul, für einen rationalen Ami erstaunlich offen, was mythologischen Mumpitz angeht, stellt eine Verbindung zwischen Etties nächtlichem Besuch und dem Mord her und kombiniert: "Werwolf!" Mit lykanthropischen Eskapaden hat er nämlich schon Erfahrung aus Yucatan. Forsythe will davon verständlicherweise nix wissen.

Lisa und Paul möchten gern einen nächtlichen Ritt im Mondschein unternehmen, Glendon mag nicht (kann man ihm nicht verdenken) und verweigert nicht nur persönlich, sondern in Autorität des Ehemannes auch in Lisas Namen. Die eintretende Ehekrise sorgt dafür, dass Lisa sich an Paul ranschmeißt, ein paar emanzipatorische Statements abgibt und mit dem Yankee verschwindet. Verschwinden ist ein gutes Stichwort, denkt sich Glendon, und mietet inkongnito bei einer älteren, trinkfesten und schlagkräftigen alten Landlady (die einer zimmervermietenden Konkurrentin unbürokratisch eins auf den Nüschel haut) ein schäbiges Zimmer. Nützt natürlich, so rein werwolftechnisch, nichts - er verwandelt sich, eilt in den Zoo, lässt einen Wolf frei und tötet ein Mädchen, das sich dort mit einem verheirateten Zoowächter auf ein nächtliches Schäferstündchen trifft.

Yogami offeriert nach dem zweiten Todesfall seine Hilfe, wird aber von Forsythe nicht ernst genommen, zumal man mit dem entkommenen Wolf aus dem Zoo einen hervorragenden Tatverdächtigen hat. Paul wirft zwar berechtigterweise ein, dass der erste Mord passiert ist, bevor das Vieh aus dem Tiergarten ausgebüxt ist, wird aber ignoriert.

Glendon fantasiert dieweil Schlagzeilen vom Mord an Lisa und zieht sich auf den Landsitz ihrer Familie zurück, um dort in einer alten Mönchszelle einsiedlerisch zu hausen. Unglückseligerweise suchen Lisa und Paul ebenfalls den Landsitz auf (das hätte Glendon sich eigentlich denken können). Glendon verwandelt sich, greift Lisa an, wird aber von Paul k.o. geschlagen. Das helle US-Köpfchen identifiziert den Angreifer als Glendon und geht mit dieser seiner Theorie bei seinem Scotland-Yard-Onkel hausieren. Forsythe aber nimmt Paul den Wind aus den Segeln - während Keule Paul in der britischen Pampa mit Glendonwolf gerungen hat, wurde in London ein weiteres Mädchen ermordet. Eine Inspektion des Tatorts ergibt rasch, dass es sich bei selbigem um Yogamis Hotelzimmer handelt. The plot thickens und langsam glaubt auch Forsythe, dass an der Werwolfthese was dran ist.

(SPOILER) In Glendons Labor balgen Yogami und Glendon um die einzig verfügbare Pflanze. Yogami gewinnt, wird aber vom werwolfisierten Glendon gekillt. Der hat nun Lust auf mehr und möchte nun auch Lisa kalt machen. Paul hält ihn wenigstens lange genug auf, bis die Polizei in Form von Forsythe eintrifft und Glendon erschießt...

Der Film: Wenngleich, wie schon an anderer Stelle erwähnt, der Werwolf als Horror-Archetyp erst durch Universals 1941er "Wolf Man" und dort besonders durch das Script von Curt Siodmak definiert und etabliert wurde, war das Lon-Chaney-Vehikel mitnichten der erste Versuch Hollywoods bzw. Universals, das Publikum mit Werwolf-Horror zu schocken. 1935 entstand unter der Regie von Stuart Walker, der später sein Geld als Produzent der "Bulldog Drummond"-Reihe verdiente, nach einer Story von Robert Harris und dem Drehbuch von John Colton ("The Invisible Ray") "Werewolf of London" und hinterließ prompt an Kinokassen und auch filmhistorisch gesehen keinen gesteigerten Eindruck.

Dabei ist der Film nicht totalemente forgettable, auch wenn er durch Aufbau und Struktur den Eindruck erweckt, weniger einen eigenständigen Horrormythos kreiren zu wollen, als sich vielmehr am "Jekyll & Hyde"-Motiv zu orientieren (was andererseits ja auch nicht so fernab der Spur ist, da man "Jekyll & Hyde" mit gewisser Berechtigung ein werwolfähnliches Motiv nennen kann). Wobei der Streifen zunächst mal mit einem Ausflug ins damals auch recht beliebte Genre des Expeditionsfilms nimmt und den Zuschauer mit zwei Minuten unsynchronisierten tibetanischen/chinesischen/wasauchimmerdiedamurmeln Dialogen überrascht. In Tibet gibt's bis zum Auftauchen des Werwolfs einiges an recht hanebüchener Mystik zu überstehen (den tapferen Briten paralysiert's die Beine aus unerfindlichen Gründen u.ä.).

In London angekommen spult sich die Geschichte - aus heutiger Sicht natürlich, aber 1935 hatte man ja noch keine hunderte ähnlich gelagerte Plotten gesehen - weitgehend überraschungsfrei und in den üblichen Bahnen einer Jekyll/Hyde-Variante ab. Das, was später mal zum Klischee werden würde, wird routiniert dargeboten - unglückliche Ehe, jugendlicher Rivale, ungläubige Polizei, notorischer comic relief (in Form der Landladys Mrs. Wack und Mrs. Moncaster, deren alkoholische Eskapaden aber gar nicht mal so unwitzig sind, jedenfalls erheblich spaßiger als der fußnägelaufrollende comic relief in "Bride of Frankenstein"). Was aus heutiger Sicht ein wenig stört, ist, dass es keinerlei erläuternde Mythologie zum Werwolf innerhalb des Filmkontexts gibt - weder übernatürlich noch "wissenschaftliche" Ursachen werden angesprochen, der Werwolf ist einfach "da". Mehr als dass die Lykanthropie per Biss übertragen wird und der Werwolf, das allerdings ein zukünftig gerne aufgegriffenes Motiv, danach trachtet, sein "Liebstes" zu töten, gibt's an Background nicht (dazu passt dann auch, dass sich die Bestie mit einer handelsüblichen Polizeiwumme umbringen lässt. Nix mit Silberkugeln..). Der MacGuffin der tibetanischen Mondscheinblume gibt auch nichts her - er ist nur ein Grund dafür, dass Yogami auf Glendon losgehen kann (für einen "battle of the wolves" reicht's dann aber auch wieder nicht, schade), im Gegenteil, es ist eher verwirrend, was Yogami diesbezüglich an Exposition verkünden darf - einerseits ist die Blume das einzige Gegengift (was dann eher für eine wissenschaftliche Ursache des "Fluchs" spricht), andererseits ist der Besitzer der zarten Pflanze "verdammt" (also was jetzt?).

Ein paar kleine Details am Rande sind gefällig - so ist Glendon stolzer Besitzer einiger fleischfressender Pflanzen unterschiedlichen Kalibers (von der Venusfliegenfalle bis zum gefräßigen Grünzeug in LKW- Größe) - eine vorgesehene "maneating"-Szene wurde allerdings gestrichen; interessant sind auch die technologischen Gizmos Glendons, speziell seine Video-Anlage (Botaniker? Universalgenie!), die dem ganzen einen leichten SF-Anstrich gibt.

Leider kann Stuart Walker trotz der kurzen Laufzeit von knapp über 70 Minuten ein paar Längen nicht vermeiden. Die Ausflüge ins gesellschaftliche Leben der Beteiligten (geprägt von Empfängen und Stehpartys) tragen nicht viel zur Handlung bei, der comic relief der beiden alten Vermieterinnen-Schachteln ist zwar nicht per se unlustig, aber zu ausgewalzt. Manchmal möchte man dem Streifen den metaphorischen Tritt in den Hintern geben - ja, der Film ist auf der eher langsamen Seite und daher nichts für diejenigen, die unter Aufmerksamkeitsdefiziten leiden (ich musste den Film auch auf zwei Sitzungen verteilen, kann aber auch was damit zu tun haben, dass man nach ein paar Stunden Renovierungsarbeiten doch nicht mehr ganz so in der Lage ist, um Mitternacht einem getragenen Film zu folgen). Die Inszenierung ist dabei noch recht bieder - nicht mehr so statisch wie Tod Brownings versehentlich vertonter Stummfilm "Dracula", aber auch noch nicht so modern und frech in seiner Ästhetik wie z.B. "Draculas Tochter". Zudem sind die Bilder ein wenig uneinheitlich - manchmal bemüht Walker ein realistisches Flair mit einem Hauch Utopie (Glendons modernes Labor), dann wieder zieht er sich in den "Slumszenen" in eine dunkel-düstere, beinahe expressionistische Ecke zurück, ohne das, wie vergleichsweise James Whale, in eine eigene künstlerische Vision umzumünzen. Statt des von Whale erzielten "Alternativwelteffekts" stellt sich bei Walker eher ein "der weiß nicht, was er will"-Reflex ein (wobei die "modernen" Szenen m.E. besser funktionieren als die "gothischen"). Die Kameraarbeit klebt sklavisch an dieser "Zweiteilung" - die "modernen" Shots sind teilweise recht beweglich, dafür ergehen sich die "gothischen" Shots in monotoner Statik. Es fügt sich nicht recht zusammen, auch nicht einige verblüffend moderne Montage- Sequenzen, von denen man mit gutem Willen eine Linie zu "Citizen Kane" ziehen könnte.

30er-typisch ist von den eigentlichen Mordtaten des Werwolfs natürlich nichts im Bild (on-screen gibt's nur einen Mord im Zweikampf und natürlich den finalen Rettungsschuss). Die set-ups der beiden "wichtigen" Mordszenen (den dritten Mord gibt's ja komplett im off) sind ein wenig beliebig. Dem Film fehlt die Chuzpe, einen seiner etablierten Charaktere abzumurksen, die Opfer sind daher namenlose Statistinnen - das mag 1935 noch schockierend gewesen sein, heute allerdings "wirkt" ein Tod in einem Horrorfilm eigentlich nur noch, wenn wir den Charakter, der ins Gras beißt, kennen und eine "Beziehung" zu ihm entwickelt haben.

Fotografische Effekte werden sparsam, aber effektiv eingesetzt - Glendons erste "Totalverwandlung" vollzieht sich geheimnisvoll, während er hinter einigen Säulen spaziert und jede neue "Einstellung" einen Schritt Richtung Werwolf weitergeht. Später darf John P. Fulton sein Können aber auch mit einer on-screen- Überblendungsverwandlung zeigen. Das Make-up von Henry Hull als Werwolf gefällt mir, Blasphemie voraus, wesentlich besser als Lon Chaneys Zottelfell. Es ist zurückhaltender, erlaubt dem Akteur, seine Gesichtszüge kenntlich zu halten und so auch unter der Maske zu "spielen" und wirkt insgesamt deutlich furchteinflössender als der laufende Bettvorleger in "Wolf Man". Manchmal ist "weniger" halt doch "mehr".

Die Schauspieler machen ihre Sache recht gut, auch wenn viele Hauptdarsteller Henry Hull ("Große Erwartungen" unter der Regie von Stuart Walker, "Jesse James" nebst Sequel "The Return of Frank James" sowie der Hitchcock-Thriller "Lifeboat") als Schwachpunkt des Films ausmachen. In der Tat geht Hull die Sache vielleicht etwas von der falschen Seite an. Er portraitiert Glendon als durchweg unsympathischen Charakter - er spielt ihn als egoistischen Idioten, der in keiner Sekunde die Tragik seines Schicksals vermittelt. Er ist in seiner "menschlichen Form" zu kalt, zu abweisend, zu wenig liebenswert. Man mag nicht wirklich darauf hoffen, dass er ein Happy End mit seiner schönen Frau erlebt. Valerie Hobson hatte gerade in "Bride of Frankenstein" die Elizabeth gespielt und spielt in "Werewolf of London" eigentlich die Rolle, die Mae Clarke in "Frankenstein" absolviert hatte - die an ihrem Mann stark zweifelnde, sich aber durch ihr Eheversprechen gebunden fühlende Frau (in "Bride" war sie ja die vorbehaltlos hinter ihrem Mann stehende treue Seele). Sie verfügt über eine bemerkenswerte Ausstrahlung und beweist sich auch als veritable Scream Queen.

Warner Oland dürfte 30er-Jahre-Filmfans durchaus bekannt vorkommen - der schwedische Akteur war nicht nur der erste Film- "Fu Manchu", sondern auch der originale (und einzig wahre) Charlie Chan - erst nach seinem Tod 1938 erbte Sidney Toler die Rolle des vielleicht legendärsten aller Filmserien-Detektive aus den 30ern. Seine Yogami-Rolle ist nicht besonders dankbar, aber er erfüllt sie absolut zufriedenstellend und charismatisch. Man kommt nicht umhin, daran zu denken, dass ein Film, der Oland bzw. Yogami in den Mittelpunkt gestellt hätte, interessanter geworden wäre.

Lester Matthews spielt den amerikanischen Jugendfreund Paul ein wenig steif (so ganz klar, warum Lisa ihn Glendon vorziehen sollte, wird mir anhand seiner, ähm, emotionalen Vorstellung nicht). Matthews kann man auch in "The Raven" und diversen zeitgenössischen Kriegs- und Abenteuerfilmen sehen Mit typischer Altersautorität spielt Lawrence Grant (in zwei "Frankenstein"-Filmen als Bürgermeister am Start) den Scotland-Yard-Chef Forsythe. Grant agierte 1918 als deutscher Kaiser in der dem Vernehmen nach kuriosen Kriegsfarce "To Hell with the Kaiser!", 1929 in dem Paramount-Murder- Mystery "The Canary Murder Case", 1934 in "Der Graf von Monte Christo" und in "Ninotchka".

Bildqualität: Als "lesser" Universal-Horrorfilm kann "Werewolf of London" auch bildtechnisch nicht mit den "Prestigetiteln" mithalten. Zwar ist der 4:3-s/w-Print ansehnlich, hält aber keinen Vergleich mit einigen der Frankenstein- und Dracula-Filmen aus - speziell auf dem PC-Monitor im Vollbildmodus wird die Sache recht grieselig. Mit einigen Laufstreifen muss man auch leben können. Kontrast und Kompression sind annehmbar.

Tonqualität: Ausnahmsweise ist mir bei diesem Film die deutsche Tonspur lieber als die englische Originalfassung. Letztere versinkt nämlich doch manchmal im Dialogbrei - zwar ohne großes Grundrauschen, aber die Sprachqualität ist nicht überzeugend; speziell wenn auch noch ein wenig mit britischen Akzenten gearbeitet wird, verkommt der Hörgenuß zum Mitratekrimi. Die deutsche Spur ist wie üblich etwas steriler, aber dafür wenigstens einwandfrei verständlich. Universal liefert die üblichen Untertitelspuren mit.

Extras: Nur der Wiederaufführungskinotrailer in bewährt ramponiertem Zustand.

Fazit: "Werewolf of London" empfiehlt sich eher für Genrekomplettisten als für Einsteiger in die Welt der Universal-Horrorfilme. Abgesehen von seiner exponierten Stellung als wohl erster Werwolf-Horror-Tonfilm (ich hab das jetzt nicht genauer eruiert) ist der Film auch historisch gesehen nicht sonderlich bemerkenswert - vergleichbares Terrain grast die Fredric-March- Fassung von "Jekyll & Hyde" erfolgreicher ab. Auf der Habenseite verbucht "Werewolf of London" das gelungene Monster-Make-up und eine gute Vorstellung von Warner "Charlie Chan" Oland; auch wenn der Film keine echte Gurke ist, mit quasi allen anderen bisher gesichteten Filmen der Legacy-Box hatte ich aber mehr Spaß am Zuschauen.

SHE-WOLF OF LONDON

USA 1946, 58 min, FSK 16 Regie: Jean Yarborough Darsteller: Don Porter (Barry Lanfield), June Lockhart (Phyllis Allenby), Sara Haden (Martha Winthrop), Jan Wiley (Carol Winthrop), Lloyd Corrigan (Det. Latham), Dennis Hoey (Inspector Pierce), Martin Kosleck (Dwight Severn), Eily Malyon (Hannah), Frederick Worlock (Constable Hobbs)

London um die Jahrhundertwende... Scotland-Yard-Inspektor Pierce ist wenig begeistert darüber, einen vermeintlichen Routinefall aufklären zu müssen: in einem Park wurde ein Mann von einem Tier angefallen und die sensationslüsterne Presse macht aus dem streunenden Köter, den Pierce für den Übeltäter hält, einen Werwolf - und auch sein Assistent Latham ist der Werwolftheorie nicht abgeneigt. Nah am Tatort liegt das Haus der altehrwürdigen Familie Allenby, deren jüngster Sproß Phyllis demnächst den schnieken Junganwalt Barry Linfield zu ehelichen gedenkt. Die gar schaurige Bluttat im Park jagt Phyllis aber mächtig ins Bockshorn. Nun, da Phyllis in einem reinen Frauenhaushalt lebt, kann man ihr schwaches Nervenkostüm möglicherweise entschuldigen, zumal die Verhältnisse kompliziert sind. Ihre Tante Martha, Typ bissiger Hausdrachen und deren Tochter, mithin offiziös Phyllis' Cousine Carol, sind nämlich mitnichten Blutsverwandte, vielmehr war Martha nur eine Verflossene von Mr. Allenby, Phyllis' Vater (es stellt sich allerdings die Frage, warum das ein großes Familiengeheimnis ist, dass Martha sogar Carol jetzt erst verrät, wo Carol sich unverschämterweise mit dem Gedanken trägt, den armen Künstler Dwight heiraten zu wollen, was Marthas Wohlgefallen absolut nicht findet).

Phyllis befürchtet, unter einem alten Familienfluch zu leiden - Lykanthropie (welche Überraschung). Ihr Verdacht erhärtet sich, als sie eines Morgens aufwacht, ihre Klamotten dreckig und ihre Hände blutbeschmiert sind. Und da im nahen Park in der gleichen Nacht ein kleiner Junge ermordet wurde (was hat der in der Nacht im Park verloren?), hält sich Phyllis zu niemandes gesteigerter Verblüffung für die Mörderin. Deswegen vermeidet sie auch den Kontakt mit Barry, der über Umwege (Haushälterin Hannah und Carol) herauszufinden versucht, was mit seiner Verlobten los ist, aber keine zufriedenstellenden Auskünfte erhält.

Ein paar Nächte später wird Latham im Park von einer mysteriösen Frauengestalt angefallen und umgebracht. Wieder kommt Phyllis mit verschmutzten Kleidern (und einer, hint-hint, Gartenharke neben dem Bett) zu sich und vermutet das übelste. Die von ihr vorgeschlagene ärztliche Untersuchung schmettert Martha ab: "Du kommst ins Irrenhaus!" Auf Empfehlung von Carol setzt sich Barry endlich-männlich durch und zwingt Phyllis zu einer Kutschfahrt. Die tut dem geschwächten Mädel sichtlich gut, endet aber trotzdem in Tränen, als Barry sie mit fortgeschrittener Werwolf-Lyrik vom alten Shakesbier zutextet. Inspektor Pierce erteilt dieweil seinen Bobbys den dienstlichen Befehl, jedweden nächtlichen Parkbesucher festzunehmen bzw. bei Flucht niederzuschießen (dafür bekommen die traditionell unbewaffneten Bobbys sogar Wummen).

Barry legt sich am Allenby-Anwesen auf die Lauer und tatsächlich verlässt eine mysteriös vermummte Frauengestalt das Haus - es ist Carol! Leider hindern dienstbeflissene Constables Barry mittels einer Personenkontrolle an weiterer Verfolgung, dieweil Dwight von der "Wolfsfrau" angegriffen wird. Carol taucht am Tatort auf und behauptet, mit Dwight zu einem heimlichen Rendezvous verabredet gewesen zu sein. Am nächsten Tag stellt Barry Carol zur Rede und verdächtigt sie offen, der "She-Wolf" zu sein, was Carol abstreitet. Martha scheucht Barry aus dem Haus und bezeichnet ihn als "schädlichen Einfluß" auf Phyllis, bevor sie mit Carol aneinander gerät. Die nächtlichen Schäferstündchen mit Dwight stehen Marthas Plan, Carol mit Barry zu verheiraten, deutlich im Wege. Carol weist darauf hin, dass Barry sowieso Phyllis in den Hafen der Ehe zu führen gedenkt, aber "sie wird Barry nie heiraten", weiß Martha, denn "sie ist verrückt".

(Okay, wer's bis jetzt nicht begriffen hat, kann auch den nächsten spoiler-intensiven Absatz lesen).

Phyllis vertraut sich Carol an und die hat daraufhin den Durchblick, eröffnet der verblüfften Martha, die Polizei zu unterrichten, weil Phyllis einem mörderischen Schwindel auf den Leim gegangen sei. Barry und Dwight verfolgen Carol. Martha begibt sich in Phyllis' Schlafzimmer und flößt ihr ein Schlafmittel ein - und eröffnet der so an Widerspenstigkeiten Gehinderten frank und frei, sie jetzt umlegen zu wollen. Des Rätsels Lösung ist denkbar einfach: Martha wollte Phyllis in den Wahnsinn und damit die geschlossene Anstalt treiben, um das geliebte Allenby-Haus behalten zu können. Jetzt liegt es an der Haushälterin Hannah, die finale Mordtat zu verhindern...

Der Film: Ich müsste jetzt lügen, wenn ich behaupten würde, viele Filme zu kennen, die sich um weibliche Werwölfe drehen - außer "Das Tier", der Persiflage "Meine Mutter ist ein Werwolf" und der "Ginger Snaps"-Reihe, und vielleicht noch "Die Zeit der Wölfe" von Neil Jordan, fiele mir jetzt keine besonders lange Liste ein. Und, wie sich dem geneigten Leser schon anhand der Inhaltszusammenfassung eröffnet haben dürfte, "She-Wolf of London" darf man auch nicht auf diese Liste setzen, denn von einem echten Werwolf bzw. einer Werwölfin findet sich in diesem 1946 entstandenen Universal-Thrillerchen nicht mal ein Barthaar.

Wie so oft, wenn Drehbuchautoren nix besseres einfällt, erweist sich nämlich der ganze vermeintlich übernatürliche Spuk als Schwindel, um die junge hübsche Protagonistin in die geistige Umnachtung zu treiben, um an ein wie auch immer geartetes Vermögen heranzukommen (dass die Motivation in diesem Fall ganz besonders dünn ist, soll dieser These für den Moment nicht weiter schaden). Streng genommen qualifiziert sich auch "She-Wolf of London" daher nicht für die Kategorie "Horror", sondern bestenfalls für "Mystery" und, auf's wesentliche reduziert, gerade mal für "Krimidrama". Nun, das allein muss einen Film ja nicht von Haus aus ruinieren, aber "She-Wolf of London", entstanden unter der Regie von Jean Yarborough, einem echten Veteranen, der auch den recht pfiffigen B-Grusler "The Devil Bat" mit dem einzig echten Bela Lugosi auf dem Kerbholz hat, ist selbst für ein zweitklassiges Murder Mystery keine Offenbarung.

Klar, es ist nicht einfach, in 58 Minuten Laufzeit eine plausible Geschichte zu erzählen - sieht man's positiv, sorgt die Kürze dafür, dass sich Script und Film nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten dürfen und uns gleich mitten ins Geschehen werfen, sieht man's negativ (oder realistisch, je nach Lust und Laune), konstatiert man das beinahe völlige Fehlen von Exposition (das, was an Expositionsbrocken hingeworfen wird, hilft nicht wirklich), was aber angesichts der sehr schlicht gestrickten Story kein gesteigertes Problem darstellt. Wer diese Plotte nicht nach zwanzig Minuten durchschaut hat (und aller-aller-allerspätestens, als Phyllis sich nach einer Nacht im vermeintlich abgeschlossenen Schlafzimmer erstens neben einer Gartenharke und zweitens einer fröhlich lächelnden Martha wiederfindet), sollte seinen Intellekt dann doch lieber bei den "Teletubbies" ein paar Nachhilfestunden nehmen lassen. Der Streifen gibt sich noch nicht mal wirklich Mühe, die Möglichkeit, es könnte *tatsächlich* ein Werwolf aktiv sein, zumindest ansatzweise offen zu lassen (vgl. dazu Jacques Tourneurs "Katzenmenschen"). Aber immerhin erspart diese, nennen wir es mal wohlwollend "Geradlinigkeit", diese Geradlinigkeit also Make-up-Guru Jack Pierce die spannende Aufgabe, eine Werwölfin zurechtzuschminken (Pierce muss sich daher mit einem der wenigen blutigen Effekte der klassischen Universal-Horrorfilme begnügen, zu besichtigen bei Lathams Sterbeszene)

Aber irgendwie war ja klar, dass ein "Werwölfinnen"-Film von 1946 kaum die z.B. von "Ginger Snaps" unzweideutig verwendete Metapher der Lykanthropie als Zeichen erwachender weiblicher Sexualität erkunden wird. Es hätte deswegen aber nicht gleich eine reine Mogelpackung sein müssen (das nehmen ja Klassik-Horror-Fans auch Tod Brownings "Mark of the Vampire" berechtigterweise übel, wobei der "Schummel" bei Browning noch eine Ecke weiter getrieben wurde als beim "She-Wolf"). Löst man sich von der grundsätzlichen Erwartung, einen Werwolf- oder überhaupt Horrorfilm zu sehen und lässt sich auch nicht dadurch irritieren, dass das Mystery nicht wirklich ein solches ist (zumindest nicht für Menschen wie unsereins, die auf den Ideenfundus aus sechzig Jahren Filmgeschichte zurückgreifen können), ist "She-Wolf of London" ein zumindest routiniert heruntergekurbeltes, anspruchsloses B-Movie ohne größere Höhen und Tiefen. Jean Yarborough inszeniert den Streifen versiert, über weite Strecken aber auch ohne große Ambitionen - erst im Finale überraschen er und sein Kameramann Maury Gertsman ("The Brute Man", "The Four Skulls of Jonathan Drake") mit ein paar optischen Einfällen wie gekippten Kamerawinkeln und Bildverfremdungen, die Phyllis' labilen Geisteszustand visuell dokumentieren sollen.

Spannend ist das selbstverfreilich nicht sonderlich, aber auch nicht gesteigert langweilig (Kunststück, 58 Minuten). Es ist letztlich die Krux der einstündigen Programmer aus Hollywoods klassischen Kintopp-Tagen, dass sie, da normalerweise für Doppelvorführungen gedacht und daher laufzeittechnisch limitiert, ihre möglicherweise vorhandenen Ideen nicht ausspielen können, da die Plotten auf das Notwendigste reduziert werden mussten. So kann "She-Wolf of London" weder als Spannungsfilm noch als, hüstel, Psychodrama funktionieren - der Film bleibt einfach eine simple Kriminalgeschichte, deren Kniff fürchterlich vorhersehbar ist und dessen übernatürlicher Aufhänger völlig austauschbar ist. Allerdings darf man eins nicht vergessen - Universal hätte es sich leicht machen können und einfach eine weibliche "Wolf Man"-Variante drehen können... auch wenn die Story keine Granate ist, sie ist wenigstens eigenständig (wenn man nur den Universal-Kanon betrachtet).

Tricktechnisch ist nichts sonderlich "speziell" zu nennendes zu erwarten - die "Attacken" finden komplett off-screen statt (es sind ja auch immerhin drei im Filmverlauf, und davon verlaufen wiederum nur zwei tödlich, soviel also auch zum Body Count), mangels eines echten Werwolfs gibt's natürlich keine Transformationssequenzen.

Man kann dem Film möglicherweise das ein oder andere vorwerfen (hauptsächlich eben, dass er aufgrund seiner kurzen Laufzeit nicht wirklich eine spannende Geschichte entwickeln kann), den Schauspielern allerdings kaum. Gut, sie haben allesamt nicht gerade hochprofilierende Rollen zu spielen, sondern müssen lediglich ihre festgelegten Charakter-Attribute spazierenführen, aber das erledigen sie durchaus ansehnlich. June Lockhart, die später in zwei "Lassie"-Filmen spielte, ehe sie durch "Lost in Space" (die Serie) zum TV-Star wurde und NOCH später in einigen Genreproduktionen wie dem ziemlich gelungenen "Strange Invaders", "Troll" und "C.H.U.D. II - Bud the Chud" agierte, muss nicht viel mehr als kränklich-verzweifelt- traurig wirken, ihre dahingehende Überzeugungskraft ist allerdings beträchtlich (bei ihrem traurig-treuherzigen Augenaufschlag möchte man sie wirklich in den Arm nehmen und knuddeln). Don Porter ist als Barry zwar für die eigentliche Story reichlich überflüssig (er tut nicht wirklich etwas, das zum Fortgang der Ereignisse beiträgt), bekommt den Schwiegermutti-Liebling jedoch ganz gut hin. Der Zeit seines Lebens hauptsächlich in B-Filmen aktive Porter beendete seine Karriere übrigens mit einer kleinen Rolle in Roland Emmerichs Klaugraupe "Joey". Sara Haden ist schön fies - sie ist kaum eine halbe Sekunde im Bild, schon ist dem Publikum völlig klar, dass dieses Biest nichts Gutes im Schilde führen kann (das nimmt dem Film zwar jegliches Überraschungsmoment, aber das wird der Herr Regisseur schon so gewollt haben). Haden spielte über 10 Jahre eine Stammrolle in der Comedy-/Drama-Filmreihe um die Abenteuer des heranwachsenden "Andy Hardy" (eine in den 30er und 40er Jahren sehr populäre Serie). Jan Wiley spielte in ihrer kurzen Hollywood-Karriere meist nur kleine Nebenrollen und hat hier ausnahmsweise mal einen größeren Part als Phyllis' vermeintliche Cousine Carol (und einzig halbherzigen red herring). Genrefreunde entdecken sie auch in "The Brute Man" oder "Dick Tracy vs. Crime Inc.". Wiley macht einen recht sympathischen Eindruck, obwohl sie mit einem recht unglaubwürdigen character turn kämpfen muss. Larry Corrigan, der als Latham so etwas wie einen halbseidenen comic-relief-Charakter spielt, das aber mit ziemlicher Würde, war nicht nur ein vielbeschäftigter Schauspieler, sondern auch Regisseur einer Handvoll Filme in den 30ern und Drehbuchautor der beiden ersten "Fu Manchu"-Filme. Seinen Filmvorgesetzten Dennis Hoey kennt der Fan klassischen Kintopps nicht nur aus "Frankenstein meets the Wolf Man", sondern auch aus "Phantom Ship" (mit Bela) und als Inspektor Lestrade aus den 40er-"Sherlock Holmes"-Filmen.

Bildqualität: Wieder mal kein übler Print, den Universal für einen sicherlich weder als Prestigeprojekt gedrehten noch als Kultfilm gehandelten 40er-Klopper in seinen Archiven gefunden hat. Die Schärfewerte sind sehr gut, der Kontrast zufriedenstellen, die Kompression absolut im grünen Bereich. Darüber hinaus sind kaum Defekte oder Verunreinigungen zu verzeichnen.

Tonqualität: Der englische Mono-Ton ist sehr gut verständlich, das Hintergrundrauschen ist minimal und in keiner Sekunde störend - auch hier kein Grund zur Klage, und wie bei der Legacy-Box üblich, kann man natürlich wahlweise auf eine deutsche Synchronisation oder Untertitel zurückgreifen

Extras: Universal liefert den Kinotrailer mit ("She-Wolf of London" teilt sich im übrigen die DVD mit "Werewolf of London", was ja auch irgendwo nicht völlig unlogisch ist).

Fazit: "She-Wolf of London" ist mit Sicherheit kein Film, für den man sich auf Knien vor seinem Schöpfer bedanken muss, weil man ihn sehen durfte. Es handelt sich nicht mehr, aber auch nicht weniger als um ein routiniert abgespultes Mystery-Drama, das gar nicht erst versucht, den Zuschauer ernstlich davon zu überzeugen, es wäre ein echter Horrorfilm. Gut, anno 1946 mag der "Schurke-treibt-Opfer-mit-angeblich-übernatürlichem-Hokuspokus-in-die-Irrenanstalt"- Plot noch nicht so abgegriffen sein, wie er es heute ist, und, drauf-rumreit, wenn man nur eine knappe Stunde Zeit hat, kann man keine großartigen falschen Fährten auslegen, das muss man ins Kalkül ziehen, wenn man den Film aus einer eher historischen Sichtweise betrachtet. Diese Umstände eingerechnet, ist der Streifen immer noch keine Offenbarung, aber angemessen gut gespielter Kintopp ohne besondere Vorzüge, aber auch ohne große Schwächen. Immerhin spielt der Film mit relativ offenen Karten, so dass sich beim Zuschauer auch nicht das Gefühl einstellt, er wäre verhohnepiepelt worden. Geht also summa summarum ganz in Ordnung und ist so, da derzeit wohl auch nicht anders erhältlich, als nettes Gimmick zur "Wolf Man"-Box der Universal Monster Legacy, auch wenn nicht wirklich ein Werwolffilm, sozialverträglich.


SIEHE AUCH:

Universal Monster Legacy 1 - Frankenstein
Universal Monster Legacy 2 - Dracula
Universal Monster Legacy 4 - Classic Monster Collection


(c) 2000-2007 (and beyond) Markus Risser, alle Rechte vorbehalten, usw. usf. Review-Klauer werden mit mindestens einem "Ein Schloß am Wörthersee"-Marathon bestraft. Wer Tippfehler findet, darf sie behalten. Preis zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer. Angebot nicht gültig am dritten Donnerstag im Monat und in Österreich. Fahrer während der Fahrt nicht ansprechen. You must be THIS tall to take the ride. Peter Jackson is God. Spendenkonto auf Anfrage.