Virus
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VIRUS
(dt. Virus – Schiff ohne Wiederkehr)
USA 1999, 95 min, FSK: 16
Regie: John Bruno
Drehbuch: Chuck Pfarrer, Dennis Feldman
Darsteller: Jamie Lee Curtis (Kelly Foster), William Baldwin (Steve Baker), Donald Sutherland (Capt. Robert Everton), Joanna Pacula (Nadia Vinogradiya), Marshall Bell (J.W. Woods Jr.), Sherman Augustus (Richie Mason), Cliff Curtis (Hiko), Julio Oscar Mechoso (Squeaky) u.a.
Das russisches Satellitenüberwachungsschiff „Vladislav Volko“ nimmt gerade Kontakt mit der Raumstation MIR auf, als die in eine elektrische Anomalie gerät, die für den einen oder anderen heftigen Kurzschluss sorgt und über einen Richtstrahl zur „Volko“ gesendet wird, wo sie weiteren Schaden anrichtet.
Ein paar Tage später: Die Sea Star, ein Schlepper unter der Führung von Captain Robert Everton, gerät in ein Unwetter und geht dabei der Fracht verlustig. Ein herber finanzieller Verlust für die Besatzung, aber da stösst man im Auge des Sturms auf das erwähnte russische Schiff, das inzwischen (scheinbar) verlassen daliegt. Man verspricht sich von der Bergung ein Vermögen, steigt mit Begeisterung (Ausnahme ist Navigatorin Kelly Foster, die, typisch Frau, ein ungutes Gefühl hat) an Bord und schaltet den Strom ein, um die Triebwerke zu starten. Ein grosser Fehler, denn damit erwacht auch die ausserirdische Intelligenz, die während des MIR-Zwischenfalls den Schiffscomputer unter ihre Kontrolle gebracht hat. Das Ding versenkt die Sea Star, eröffnet die Jagd auf die menschlichen Eindringlinge mittels selbstgebastelter Cyborgs (hergestellt aus herumliegendem technischem Gerät sowie Leichenteilen) und versucht zu alledem, irgendwie an eine Funkverbindung (oder was weiss ich) zu kommen, um die Welt zu überrennen. Kann vielleicht Nadia Vinogradiya helfen, die letzte Überlebende der russischen Crew?
Der Legende nach schrieb Drehbuchautor Chuck Pfarrer (DARKMAN, BAR WIRE, RED PLANET) bereits Anfang der 1990er ein Drehbuch zu VIRUS, allerdings traute sich (unter anderem wohl aus Gründen der mässigen technischen Umsetzbarkeit) niemand an die Verfilmung. Also trug er das Skript zu Dark Horse Comics, die daraus, naja, einen Comic halt (und zwar einen ziemlich mässigen) fabrizierten. (Hierzulande wurde das Ding übrigens von Bela B. in seinem – inzwischen wohl endgültig draufgegangenen – Verlag Extrem Erfolgreich Enterprises herausgegeben.) Schlussendlich hat es dann, wie wir sehen, mit der Verfilmung doch noch geklappt, wofür auch nur geschätzte 75 Millionen Dollar draufgegangen sind. Die Einspielergebnisse indes waren eher schauerlich und machten VIRUS zu einem veritablen Flop. Woran kann das wohl gelegen haben?
Naja, zum einen gewinnt die Story, die sich zwischen ALIEN und TERMINATOR bewegt, sicher keine Originalitätspreise: das Schema „Protagonisten betreten einen einsamen Ort mit vielen dunklen Ecken, in dem ein Monster haust – das Geschnetze kann beginnen“ ist im Verlauf der Filmgeschichte doch etwas überstrapaziert worden; VIRUS kann dem keinerlei neue Seiten abgewinnen, sondern beschränkt sich auf die Zelebrierung althergebrachter Klischees (so ist es eminent wichtig für den Verlauf der Story, dass die Protagonisten sich wie die hinterletzten Vollidioten verhalten – wenn da also irgendwo ein dunkler Schacht herumsteht, in dem sich etwas bewegt, kann man sicher sein, dass einer reinklettert, um nachzugucken), nervt mit faden Dialogen, die man schon beim ersten Mal mitsprechen kann („Passen sie auf sich auf“) und drängt uns als Hauptfiguren die üblichen stereotypen Pappkameraden auf (darunter das hysterische Opfer des ersten Angriffes, aus dem man nur mit Mühen ein paar vernünftige Sätze rausbekommt). Eine handvoll storytechnischer Ungereimtheiten darf nicht fehlen: Wieso bemüht sich das Alien nicht, die Antennen auf dem Schiff zu reparieren? (Im Comic tut es das.) Wozu braucht man eine Roboter-Fabrik auf freier See und wieso hatte das angeblich unbewaffnete Boot denn nun Raketen, Sprengstoff und ähnliches Zeugs an Bord? Wieso machen die Russen sich nicht auf die Suche nach ihrem Besitz? (Wiederum: im Comic, wo der Kahn übrigens nicht von den Russen, sondern von den Chinesen stammt, geschieht das durchaus.) Was zur Hölle verspricht sich Everton von der Kooperation mit dem Alien? Oh, und ganz nebenbei: Wie kommt ein Energiewesen auf die Idee, Cyborgs zu bauen?
Ein Problem auch die Schauspieler: Mit Donald Sutherland (KLUTE, DON’T LOOK NOW, SPACE COWBOYS) als Captain Everton und Jamie Lee Curtis (HALLOWEEN, A FISH CALLED WANDA, TRUE LIES) als Kelly Foster haben wir zwar zwei Stars der A-Liga in den Hauptrollen, aber Sutherland wirkt die ganze Zeit irgendwie weggetreten (Alkohol oder mangelnde Motivation?) und Curtis beschränkt sich darauf, einen wohl dramatischen gemeinten Gesichtsausdruck in sich wenig unterscheidenden Variationen spazieren zu tragen. Nun gut, bei den platten Charakteren, die sie spielen müssen, ist begrenzte Spielfreude wohl unumgänglich: Die Foster definiert sich eigentlich alleine dadurch, dass sie was gegen Everton hat und die einzige irgendwie vernünftige Person im Cast ist, der Captain wiederum ergibt sich bald mal der völligen Verblödung (egal, wie geldgierig ich bin: wenn mir halborganische Killerroboter an den Kragen wollen, pfeif ich auf die Kohle) und sein Überlaufen zum Feind ist so unmotiviert und unverständlich wie dummsinnig. Er macht einfach Probleme, weil es einen Bösewicht braucht, eine glaubwürdige Charakterisierung hat man da wohl für hinfällig erachtet. William „ich werde nie so berühmt sein wie Alec“ Baldwin (FLATLINERS, SLIVER) gibt sich als Steve Baker zumindest etwas Mühe. Joanna Pacula nervt als Nadia Vinogradiya, aber ihr fällt halt die Rolle der hysterischen Kuh zu. Der Rest vom Cast fällt zumindest nicht negativ auf.
Bis jetzt hatte ich nur böse Worte übrig für den Film, aber tatsächlich hat er auch ein paar Pluspunkte vorzuweisen:
Zwar sind Story, Charaktere und Dialoge selten platt, aber zumindest nicht offensiv nervtötend. Ausserdem rettet sich der Film über seine Schauwerte, welche das grosse Budget erahnen lassen: Da wären zum einen die tollen Modelleffekte, wenn wir die Schiffe von aussen sehen (okay, die sind natürlich ein wenig durchsichtig, aber ich mag solche handgemachten Effekte), und die hübsch düsteren Sets im Inneren des russischen Schiffes.Zum anderen sind da natürlich die Monster, die freilich auch nicht übermässig originell sind (schon mal was von den Borg gehört? Und die waren auch schon geklaut…), aber dennoch rocken, und zwar sowohl in Form der kleinen Arbeiterdrohnen (die einerseits eher süss als gefährlich wirken, andererseits aber doch schon auf eine grössere Bedrohung hinweisen), als auch in derjenigen der humanoiden Roboter oder im Goliath-Format. Ihr Design, das eine Mischung aus Maschinenteilen und organischem Gewebe darstellt und gewisse insektizide Züge aufweist, erinnert irgendwie an den einen oder anderen Cronenberg-Film und, naja, rockt halt einfach (und der ganze „wir benutzen Menschen als Ersatzteillager“-Aspekt ist doch ganz reizvoll). Die Animatronic-Effekte sind was Feines, auch wenn es ein bisschen auffällt, dass die Dinger offensichtlich erheblich weniger mobil sind, als uns der Film glauben machen will, und nur dann etwas schnellere Bewegungen zustande bringen, wenn sie sich ausserhalb des Bildes befinden oder computeranimiert sind. Trotzdem, die Dinger rocken. Ein paar saftige Gore- und Splattereffekte hat es auch noch (es gibt allerlei Leichenteile zu bestaunen und besonders erfreulich ist beispielsweise die Szene, in welcher der grosse Roboter eines der Crewmitglieder mittschiffs pfählt – Gedärme ahoi!), welche einen in Anbetracht der FSK16-Freigabe doch ein wenig in Erstaunen versetzen.
Oh, und ausserdem legt der Film ein beachtliches Tempo vor und spart sich, einmal in Gang gekommen, unnötige Pausen von der Action, die John Bruno (ansonsten eher im Bereich Spezialeffekte unterwegs, siehe GHOSTBUSTERS, THE ABYSS, TERMINATOR 2 oder X-MEN 3) tadellos inszeniert hat. Der taugt als Regisseur durchaus was (auch wenn er eher der handwerklich routinierten Arbeitsweise anhängt); Langeweile kommt bei ihm jedenfalls nicht auf. Der eher unmemorable Score stammt von Joel McNeely (THE AVENGERS, STAR FORCE SOLDIER).
VIRUS laboriert an einem abgeschmackten Drehbuch, stereotypen Charakteren und ist überhaupt und sowieso nicht besonders originell. Aber er hat ein paar coole Monster zu bieten und macht ordentlich Tempo. Alles in allem eine hirnlose, aber unterhaltsame Sache.
6/10
© 2009 Gregor Schenker (manhunter)
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